Samir kehrte „freiwillig“ zurück und wird in Afghanistan verfolgt, gefoltert und schickaniert

Samir kehrte „freiwillig“ zurück und wird in Afghanistan verfolgt, gefoltert und schickaniert

Wolfgang Macherhammer Wolfgang Macherhammer, Tips Redaktion, 03.12.2018 13:35 Uhr

VÖCKLAMARKT. Erschütternde Nachrichten haben eine Gruppe von Flüchtlingshelfern in Vöcklamarkt erreicht, die sich um Samir (Name geändert) gekümmert haben, einen Mann, der vor den Taliban geflüchtet und aufgrund eines negativen Asylbescheids „freiwillig“ nach Afghanistan zurückgekehrt ist. Samir wurde gefoltert und ist sich seines Lebens nicht sicher. 

Samir war fünf Jahre weg von seiner Familie. Er hat drei Kinder, wobei er seine jüngste Tochter noch nicht gesehen hatte. Seine Familie kann aufgrund der Verfolgung durch die Taliban nur schwer in Afghanistan leben, sie lebt im Untergrund an der Grenze zum Iran (und im Iran). Sein Haus in Afghanistan wurde niedergebrannt, sein jüngster Sohn kam in den Flammen ums Leben.

Zynisches im Bescheid

„Er ist in Österreich nicht selbsterhaltungsfähig, weil er nicht arbeitet“ – so lautete eine der Begründungen für den negativen Asylbescheid (des BFA) von Samir im April 2017. Ausgehend von der Gesetzeslage, wonach ein Asylwerber keiner geregelten Arbeit nachgehen darf, ist dies wohl eine zynische Begründung. Es war nicht nur diesem Zynismus des Asylbescheides geschuldet, es war auch die unmenschlich lange Wartezeit von mehr als drei Jahren hier in Österreich und es waren zusätzlich die schwerkranke Mutter und das Heimweh nach seiner Familie in Afghanistan, was Samir Anfang 2018 veranlasste, „freiwillig“ in seine Heimat zurückzukehren.

„Man könnte vieles über ihn erzählen. Er war und ist vor allem ein Bescheidener und sehr Fleißiger. Er war der Fleißigste, ohne je die Gelegenheit gehabt zu haben, eine Schule zu besuchen“, sagt Hannelore Stöckl, seine ehemalige Sprachlehrerin, über Samir. Er hat viel gelernt und hat in Vöcklamarkt etwas erlebt, das er heuer an einem Sonntag im Jänner selbst bei seinem Abschied in der Kirche so formulierte: „Ich habe hier in Vöcklamarkt seit langer Zeit in Sicherheit und ohne Angst leben dürfen!“

Unmenschlich, inkompetent

Konsulent Franz Gebetsberger, Helfer in Vöcklamarkt: „Samir ging zurück nach Afghanistan, sicher nicht freiwillig! Er fürchtete sich davor. Oft sprach er damals von der Verfolgung durch die Taliban. Er konnte seine Mutter noch ins Krankenhaus nach Kabul bringen, doch wenig später musste er sie zu Grabe begleiten. Lange Monate konnten wir ihn nicht erreichen, dann wieder kurz per WhatsApp, jetzt haben wir die handgeschriebene Nachricht bekommen, die uns schmerzt und wütend macht. Ein Auszug daraus: “Ich möchte Sie informieren, dass ich krank war und immer noch bin. Vor etwa eineinhalb Monaten bin ich nach Kabul zur Behandlung gefahren. Beim Zurückfahren bin ich unterwegs in die Hände der Taliban geraten. Sie haben mich schikaniert und gefoltert. Es ging mir ganz schlecht. Weil ich krank war, haben sie mich nach 24 Tagen endlich freigelassen.

„Es ist der unmenschliche Umgang mit Flüchtlingen generell, die nicht arbeiten dürfen und teils erst nach vier Jahren und nach fehlerhaften sogenannten ,Interviews“, die eher Verhören gleichen, abgeschoben werden. Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sollten mitreden können, wenn es um die Gesamtbeurteilung geht. Die Erfahrungen an der Basis sollen in Asylverfahren gehört werden„, fordert Gebetsberger.

Wo bleibt christliche Tugend der Nächstenliebe?

Und Gebetsberger weiter: “Wir, die wir Flüchtlinge in Vöcklamarkt begleiten, machen uns Gedanken und Sorgen um die Zukunft derer, denen ein solches Schicksal in ihren Herkunftsländern nach einer Abschiebung noch bevorsteht. Ist es nicht Aufgabe der christlichen Kirchen, sich den derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen hinsichtlich Fremdenfeindlichkeit und Abschottung entgegenzustellen? Ist es für einen Christen nicht eine innere Verpflichtung, die schützende Hand über verfolgte Menschen zu halten? Wir Ehrenamtliche fühlen uns mit Füßen getreten. Wieso versuchen wir nicht, mit denen, die sich nichts zu Schulden kommen haben lassen, eine gemeinsame Zukunft, in der beide Seiten voneinander profitieren? Diese Frage mit der Beschreibung der Lage von Samir wurde an den Bundeskanzler geschickt. In einem Rückruf aus dem Bundeskanzleramt wurde auf die Zuständigkeit des Innenministeriums verwiesen. Von dort ist eine Antwort ausständig.„

Die Initiative für die Flüchtlinge in Vöcklamarkt wurde 2014/15 von Bürgermeister Six als „ProMitmensch Vöcklamarkt„ gegründet. Jetzt arbeitet der Integrationsausschuss der Pfarre weiter. Derzeit leben 56 Geflüchtete in Vöcklamarkt, davon sind nach fast vier Jahren noch immer 23 Asylwerber. Es ist gelungen, alle in Privatquartieren unter zu bringen. Da es keine Massenquartiere mehr gibt, sind die Konflikte unter den Geflüchteten so gut wie weg. Sechs Personen umfasst der engere Kreis des Ausschusses Integration des Pfarrgemeinderates, mehr als 30 sind ehrenamtlich mit dabei. Sie begleiten bei Behördengängen, Arztbesuchen, im Erlernen der deutschen Sprache und auch bei gemeinsamer Freizeitgestaltung.

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Kommentare

  1. Amir S. 06.12.2018 22:06 Uhr

    Adventmärchen - Asyl-Urlauber Samir ist wie alle Afghanen am 1.Januar geboren und Märchenerzähler! Er kam illegal über x sichere Länder. Es ging ihm nicht um Schutz sondern nur um's Geld. Jetzt macht er seinen Förderern noch ein schlechtes Gewissen!

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