In 43 Tagen rund ums Waldviertel
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In 43 Tagen rund ums Waldviertel

Erich Schacherl Erich Schacherl, Tips Redaktion, 25.01.2018 08:08 Uhr

WEITRA. Ernest Zederbauer, bekannter Krimiautor und Stadtwächter in Weitra, ist zum Weitwanderer geworden. 2017 hat er das Waldviertel zu Fuß durchquert. Tips Redakteur Erich Schacherl erfuhr interessante Geschichten über die Waldviertelexpedition beim Interview in der Kuenringerstadt.

Phileas Fogg, Zentralfigur aus einem weltberühmten Roman von Jules Verne benötigt 80 Tage um mit Eisenbahnen, Schiffen und auf dem Rücken eines Elefanten die Welt zu umrunden. Ernest Zederbauer aus Weitra hat die Welt gegen das Waldviertel getauscht, als Fortbewegungsmittel seine Füße gewählt und 43 Tage benötigt, um das Waldviertel zu umrunden. Waldviertel-Expedition nennt er die Weitwanderung, auf der er ungefähr 850 Kilometer zurücklegte. Nicht im Stück, sondern in Etappen, oft war er einen Tag unterwegs, einige Male auch mehrere Tage am Stück, am längsten waren das fünf hintereinander.

Unterwegs in allen Jahreszeiten

Aufgeteilt war die Tour außerdem auch noch auf die Jahreszeiten, neun Tage war er im Winter unterwegs, jeweils zehn Tage im Frühling und Sommer und 14 Tage im Herbst, „weil der Herbst die schönste Wanderzeit ist.“ Im Jänner 2017 ging es los, Ernest erinnert sich noch gut an den Start: „Am Morgen des 19. Jänner 2017 bin ich in Weitra bei minus 17 Grad los marschiert. Das war ein eisiger Start.“

Die Idee

Begonnen hat das Abenteuer einige Monate zuvor: „Nachdem ich 2016 den Lainsitztalweg von der Quelle bis zur Mündung gegangen bin, hatte ich den Wunsch, was Neues zu machen. Ich bin ein Fan des Waldviertels, also habe ich mir eine Waldviertel-Karte genommen und mal geschaut, wo sind kulturelle Höhepunkte, wo landschaftliche und welche Wege gibt es dazwischen. So ist die Route entstanden, die ich dann 2017 gegangen bin.“

Die Route

Von Weitra marschierte er im Winter über den Johannesberg, Nebelstein, Harmanschlag nach Karlstift und weiter über Langschlag, Rapottenstein, Arbesbach, Bad Traunstein nach Bärnkopf.

Die Frühlingsetappe führte ihn von Gutenbrunn durch die Ysperklamm rauf zum Peilstein, dann weiter nach St. Oswald, Nöchling, Maria Taferl, Maria Laach über den Jauerling bis Mühldorf.

Ein zweiter Wegabschnitt führte ihn von Mühldorf über Pöggstall, Roggenreith, Kottes, und Albrechtsberg bis Zwettl. Im Sommer marschierte Ernest von Zwettl zum Stift, nach Friedersbach, Rastenberg, das Kamptal weiter bis Krumau, Wegscheid und so weiter. Die genaue Route ist auf der Karte zu sehen.

Diaschau und Vortrag

Als leidenschaftlicher Schriftsteller und begeisterter Fotograf war bei Ernest von Anfang an auch die Idee mit dabei, einen Diavortrag über das Wanderabenteuer zu entwickeln. Diaschau und Vortrag„Waldviertel-Expedition“ ist der Titel, erste Termine für die Bilderschau mit sehenswerten Waldviertelbildern sowie interessanten Geschichten gibt es bereits. Obwohl Ernest noch gar nicht mit der Vorbereitung fertig ist. „Ich muss das möglicherweise auf zwei Abende ausdehnen, weil ich 3800 Bilder gemacht habe“, schildert er mit einem Lachen. Wenn der erste Vortragstermin ansteht, wird alles klar sein und funktionieren, Ernest ist ja kein Neuling in Sachen Vorträge. Fotokameras begleiten ihn schon sein ganzes Leben und Vorträge hat er schon vor vielen Jahren gehalten. Dass er gut und gerne redet ist ohnehin eines seiner besonderen Markenzeichen, das ihn weit über die Grenzen des Waldviertels hinaus bekannt und beliebt gemacht hat. Das Warum ist Ernest auch ganz klar: „Ich möchte den Menschen die Schönheiten des Waldviertels zeigen!“

Buch

Für den leidenschaftlichen Schriftsteller ist natürlich Thema, ein Buch über seine Fußreise zu schreiben. Auch daran arbeitet er bereits. Es wird sicherlich kein Wanderbuch im herkömmlichen Sinn sein. Denn neben den kulturellen und landschaftlichen Höhepunkten, haben ihn vor allem auch die Menschen interessiert. Er hat viel geredet, gefragt, geplauscht und zugehört und so einen interessanten Eindruck vom Menschenschlag Waldviertler bekommen.

Viele Gespräche

„Mein erster Gesprächspartner war Erich Altmann in Stadlberg (Bucherser Heimat Verein), mit dem ich über die Bucherser Kapelle gesprochen habe. Dann hab` ich mich mit Isolde Kerndl in Langschlag getroffen und sie befragt, wie eine gebürtige Wienerin dazu kommt, sich mit dem Waldviertler Dialekt zu beschäftigen. Hermann Neulinger in Roiten hat mir die ganze Geschichte seiner Bekanntschaft mit dem Maler Friedensreich Hundertwasser erzählt. Mit Franz Höfer in Schönbach habe ich über die Kloster-Schul-Werkstätten gesprochen“. Und so weiter. Einige Interviews wird Ernest noch nachholen, weil bislang noch keine Zeit dafür war, etwa mit Heini Staudinger von der Waldviertler Schuhwerkstatt in Schrems oder Johannes Gutmann von Sonnentor in Sprögnitz. Wie er die Auswahl seiner Gesprächspartner getroffen hat? „Ich habe mit Leuten geredet, die Pioniere im Waldviertel sind, die etwas Eigenes geschaffen haben“.

Höhepunkte

Landschaftliche Höhepunkte waren die Ysperklamm, das Kamptal, das Kremstal und das Thayatal, kulturelle Höhepunkte das Städtchen Hardegg, Stift Zwettl, Stift Altenburg, die Burg Heidenreichstein oder die Wallfahrtskirche in Maria Laach, um nur einige zu nennen. Besonders begeistert hat ihn ein kleines bauliches Schmuckstück: „Die kleine Kapelle in Oberndorf bei Weikertschlag finde ich großartig.“Apropos Kirchen: Bei zahlreichen hat er enttäuschende Erfahrungen gemacht: „Es ist ein Jammer, dass mindestens zwei Drittel alle Kirchen im Waldviertel zugesperrt sind.“

Sterbende Infrastruktur in Waldviertler Dörfern

Erlebt hat er auch das schleichende Aussterben der Infrastruktur in vielen Waldviertler Dörfern: „Es ist wirklich ein Problem, dass es in vielen Ortschaften keine Greisler oder Wirtshäuser mehr gibt. Nach 20 Kilometern Wanderung hatte ich oft keine Gelegenheit, was einkaufen zu können oder Essen zu bekommen. Und in manchen Wirtshäusern bin ich am Abend unter der Woche alleine in der Gaststube gesessen, weil die Leute nicht mehr ins Wirtshaus gehen“.

Wetter

Was das Wetter betrifft, hat Ernest Glück gehabt. „Ich habe alles erlebt, eisige Kälte, Nebel, Sonnentage mit schönen Sonnenauf- und Sonnenuntergängen. Der Herbst war traumhaft schön. Wirkliche Regentage gab es wenige“. „Die Wanderung war eine wunderschöne Erfahrung“, sagt er abschließend.

Erster Lichtbildvortrag in Weitra

Davon überzeugen können sich Interessierte beim ersten Lichtbildvortrag am Dienstag, 6. Februar um 19.30 Uhr im Rathaussaal Weitra, der Eintritt beträgt fünf Euro.

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