Welser spielt bald im wohl berühmtesten Orchester der Welt
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Welser spielt bald im wohl berühmtesten Orchester der Welt

Gertrude Paltinger, BSc Gertrude Paltinger, BSc, Tips Redaktion, 09.02.2016 18:00 Uhr

WELS/THALHEIM. Schon in seiner Jugend wollte Gregor Hinterreiter Berufsmusiker werden. Jetzt hat es der 28-jährige Klarinettist aus Wels in eines der berühmtesten Orchester der Welt geschafft – er spielt ab Herbst im Wiener Staatsopernorchester und ist somit Wiener Philharmoniker. Während eines Heimatbesuches hat er Tips vom Probespiel erzählt und gemeinsam mit dem Direktor „seiner“ Musikschule, Wolfgang Reifeneder, in Erinnerungen geschwelgt.

Das Wiener Staatsopernorchester ist vor allem durch seinen verselbstständigten Verein, die Wiener Philharmoniker, bekannt. Dort engagiert zu werden ist für einen Musiker „wie einen Lotto-Sechser gewinnen“ wie Wolfgang Reifeneder, Direktor der Landesmusikschule Thalheim, es beschreibt. Diesen „Lotto-Sechser“ hat Gregor Hinterreiter gewonnen – nur hat er dazu nicht nur viel Glück gebraucht, sondern auch extrem viel Ausdauer und noch mehr Fleiß.

Aus 60 Bewerbern hat sich der 28-jährige Welser in einem Probespiel durchgesetzt. Vorgespielt haben alle für nur eine frei werdende Stelle eines zweiten Klarinettisten. Es ist die Stelle von Hinterreiters ehemaligen Professor Johann Hindler, der in den Ruhestand tritt. Vor zehn Jahren hat ihm Hindler schon prophezeit, dass er einmal seine Stelle einnehmen wird. Und das hat er jetzt wirklich geschafft.

Nicht viel Zeit für Anderes

Wie läuft so ein Probespiel ab, wollte die Tips-Redakteurin wissen. „Man spielt hinter einem Paravent in mehreren Runden einer 25-köpfigen Jury vor. In der ersten Runde war unter anderem ein Satz aus Mozarts berühmtem Klarinettenkonzert verlangt. In den nächsten Runden mussten wir verschiedenste Orchesterstellen vorspielen. Sobald ein Jury-Mitglied mehr als elf Punkte vergibt, heitßt das er will den Kandidaten in der nächsten Runde wiedersehen.“

Es klingt einfach so ein Probespiel zu absolvieren, es ist aber eine enorme Herausforderung. „Ich habe mich monatelang darauf vorbereitet und täglich vier bis fünf Stunden dafür geübt. Da bleibt nicht viel Zeit für Anderes, alles ist auf diesen Moment ausgerichtet,“ erzählt das Ausnahme-Musiktalent. „Wichtig ist, dass man es wirklich will und dahintersteht.“

Bis zum Juni ist der erfolgreiche Klarinettist noch im Bühnenorchester(!) der Wiener Staatsoper engagiert. Mit September, wenn er seine neue Stelle antritt, wird sich einiges ändern. „Ich werde mehr arbeiten, weniger Freizeit haben. Die Dienste werden mit den Satzkollegen je nach Opern-Spielplan abgesprochen. Dazu kommen die Proben für die philharmonischen Konzerte. Auch Auslandsreisen werden mehr.“

Ausbildung in der Landesmusikschule Thalheim

Hinterreiter hat bei all dem Erfolg aber nicht auf seine Wurzeln vergessen, und die liegen – musikalisch gesehen – in der Landesmusikschule Thalheim. Im Vorjahr hat er beim Jubiläumsfest der Schule sogar noch konzertiert, worauf Reifeneder besonders stolz ist.

Welche Erinnerungen hat er an die Musikschule Thalheim? „Sehr schöne, auch an meinen Lehrer. Markus Steingruber war es, der mein Interesse geweckt hat, Berufsmusiker zu werden. Ich war zwölf Jahre alt, als wir zu seinem ehemaligen Professor nach Wien gefahren sind und ich dort einmal vorspielen durfte. Von da an habe ich sehr viel geübt. Steingruber hat gemerkt was ich will und mich sehr gefördert.“ Der Ausbildung in Thalheim folgte ein Studium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien, das er 2014 abschloss.

Es muss einfach alles stimmen

Das viel zusammenpassen muss, um so ein Probespiel zu gewinnen, ist sich Hinterreiter bewusst: „Ein Probespiel ist nur eine Momentaufnahme, das muss einfach alles passen, es ist ein Glücksfall. Es muss eine Stelle frei sein, man muss im richtigen Alter sein und auch die Tagesverfassung ist entscheidend. Man kann ein super Klarinettist sein und es trotzdem nicht rüberbringen.“

Und auch dass er es ohne die Unterstützung seiner Eltern nie so weit geschafft hätte, weiß der Berufsmusiker ganz genau. „Meine Eltern haben mich nie animiert Berufsmusiker zu werden. Aber sie haben mich unterstützt. Dem kann Direktor Reifeneder nur zustimmen. Ohne dass die Eltern es unterstützen, kann man kein Kind entsprechend fördern.

 

Zur Person

Gregor Hinterreiter wurde 1988 in Linz geboren und wuchs in Wels auf. Von 1998 bis 2001 lernte er Klarinette in der LMS Thalheim bei Markus Steingruber. Ab 2004 besuchte er die Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien (Klasse Johann Hindler). Die Matura legte er am Brucknergymnasium in Wels ab. Hinterreiter ist vielfacher Preisträger (Prima la Musica,...), wirkte beim OÖ. Jugendsymphonieorchester, im Wiener Jeunesse Orchester und im Orchester der Wiener Volksoper. Seit Herbst 2009 ist er im Bühnenorchester der Wiener Staatsoper engagiert. 2014 bestand er die Diplomprüfung an der Wiener Musikuniversität (Konzertfach Klarinette mit Auszeichnung). Im Herbst 2015 gewann er das Probespiel beim Wiener Staatsopernorchester und ist damit bald Wiener Philharmoniker. Hinterreiter lebt in Wien in einer Beziehung. Seinen Ausgleich findet der Berufsmusiker beim Radfahren im Wienerwald.

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