Naturschutz-Verbände bekräftigen ihr „Nein“ zu Skischaukel-Projekt

Naturschutz-Verbände bekräftigen ihr „Nein“ zu Skischaukel-Projekt

Jakob Weiermair, Leserartikel, 20.04.2016 11:16 Uhr

PYHRN-PRIEL/LINZ/OÖ. Die Naturschutzorganisationen orten „Alarmstufe Rot“ in Sachen möglicher Skigebietszusammenschluss Hinterstoder/Höss und Wurzeralm. Bei einer Pressekonferenz in Linz erneuerten Umweltdachverband, Naturfreunde, Naturschutzbund, Alpenverein und WWF ihr „Nein“ zu allen Skischaukelprojekten. Unterstützung erhalten sie von den Grünen. Bei der WKO Kirchdorf hält man das Projekt hingegen weiter für notwendig in Sachen touristische Entwicklung.

Im Februar hatten sich bei einem Treffen mit dem Mehrheitseigentümer der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG, Peter Schröcksnadel die Bürgermeister der Pyhrn-Priel Region für einen Skigebietszusammenschluss ausgesprochen. Herbert Gösweiner, Obmann des Tourismusverbands Pyhrn-Priel, sagte bei dem Treffen: „Das Projekt Skischaukel Pyhrn-Priel 2020 bringt neue Impulse und wird zusätzliche Gäste ansprechen. Den Nutzen daraus zieht die gesamte Region.“

„Klare Absage“

Eine klare Absage an mögliche Skischaukelprojekte kommt nun von den wichtigsten Naturschutzorganisationen. Sie fordern den sofortigen Planungsstopp und die klare Positionierung des Landes gegen Skischaukel-Bestrebungen. „Wir Alpinvereine und Naturschutzorganisationen fordern, dass allen naturzerstörerischen Vorhaben in der Pyhrn-Priel-Region endlich Einhalt geboten wird. Die OÖ Landesregierung muss ein für alle Mal ein Machtwort sprechen, einen Planungsstopp anordnen und eine vernünftige, nachhaltige Regionsentwicklung mit Fokus auf naturorientiertem Ganzjahrestourismus in die Wege leiten“, so Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands.

Als Hauptgrund für ihre Ablehnung führen die Naturschutzorganisationen die Gefährdung des Naturschutzgebietes Warscheneck ins Treffen. „Naturschutzgebiete werden nicht leichtfertig ausgewiesen, sondern sind immer das Ergebnis intensiver Recherchen oder der Einzigartigkeit von Naturgebieten. Zudem sind sie Lebensraum vieler seltener Pflanzen und Tiere und viel zu schade, um dem Ausbauwahn mancher Zeitgenossen geopfert zu werden“, betont Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes OÖ. „Jene, die glauben, dass immer wieder ,hier ein Scheibchen, da ein Stückchen Naturschutzgebiet“ abgeschnitten oder getauscht werden kann, sind in die Schranken zu weisen und endlich angehalten, den hohen Erlebniswert dieser Landschaft durch ganzjährige, nachhaltig naturschonende Projekte zu erschließen„, so Limberger.

Bei der Errichtung einer Skischaukel könne es außerdem zu Verunreinigungen des Grundwassers kommen. Robert Renzler, Generalsekretär des Alpenvereins erklärte dazu: “Ein Skigebietszusammenschluss in einem Trinkwasserschongebiet kann wohl nicht im vorrangigen öffentlichen Interesse liegen.„ Außerdem sei ein Skischaukelprojekt in Zeiten des Klimawandels nicht klimasicher und der zu befürchtende Eingriff in das Schutzgebiet Warscheneck rechtlich mit der Alpenkonvention nicht vereinbar.

Scharfe Kritik übten die Naturschutzorganisationen an der Pro-Kampagne der WKO und des Tourismusverbands Pyhrn-Priel. Bei den aktuellen Skischaukelvorhaben handle es sich um den “dritten Angriff auf das Naturjuwel Warscheneck„. Die Folgen des Projekts würden verharmlost, der Kimawandel geleugnet und der Schutz der Trinkwasserreserven nicht respektiert.

Als Alternative für den Tourismus in der Region schlug Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands einmal mehr die “nachhaltige Regionsentwicklung mit Fokus auf naturorientiertem Ganzjahrestourismus vor„.

Und Naturfreunde-Vorsitzende, Gerda Weichsler-Hauer formulierte ergänzend: “Die Kombination von Sport- und Naturerlebnis begeistert alle Zielgruppen gleichermaßen. So ist die Region bereits jetzt als Eldorado für Wanderer, Kletterer und Mountainbiker bekannt und hat viel Potenzial beim Familien- und Ganzjahrestourismus. Dafür sind jedoch kluge Investitionen dringend notwendig.„

Reaktionen aus der Landespolitik

Maria Buchmayr, Landessprecherin der Grünen, folgte dem Appell an die Politik und formulierte: “Sollte es tatsächlich aktuelle Planungen für eine Skigebietszusammenlegung Höss-Wurzeralm geben, müssen diese sofort gestoppt werden. Diese Skischaukel ist ein Unding und darf auch nicht durch die Hintertür umgesetzt werden„. Ob sich dieser Forderung auch die Landesregierung anschließt, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen.

Stefan Kaineder, Landtagsabgeordneter der Grünen aus dem Traunviertel, formuliert: “Es ist bekannt, dass von einigen Seiten ein Skigebiets-Zusammenschluss unter finanzieller Beteiligung des Landes angestrebt wird. Die Diskussion um eine angebliche „naturnahe Variante“ ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor. Auf unsere Anfrage im Landtag hat LH Pühringer gemeint, es gibt kein Projekt. Ob Projekt, Idee oder Plan - wir Grüne fordern, dass sämtliche Entwicklungen, Bestrebungen und Schritte in dieser Causa konstant offengelegt werden und hier nichts im Geheimen abläuft. Eine Skischaukel wäre in jedem Fall ein Eingriff in das bestehende Naturschutzgebiet Warscheneck.„

FPÖ-Landtagsabgeordneter und Bezirksparteiobmann Michael Gruber hob in einer Aussendung die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für die Pyhrn-Priel-Region hervor: “Da der Tourismus ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Pyhrn-Priel Region ist, biete ich meine aktive Unterstützung und Mitarbeit an aktuellen und zukünftigen Projekten an.„ Und weiter heißt es von Gruber: “Beschäftigungsmöglichkeiten sind das Um und Auf, um eine Region zu beleben und der Tourismus- und Freizeitwirtschaft die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie braucht.„

Gleichzeitig verwies Gruber aber auf die “rechtliche und budgetäre Machbarkeit„ und reagiert damit wohl indirekt auf die Diskussion um das Naturschutzgebiet Warscheneck, auf dessen Unverhandelbarkeit die Naturschutzorganisationen einmal mehr hingewiesen haben sowie auf die massiven Zweifel an der Wirtschaftlichkeit eines Projekts Skischaukel. “Weitere notwendige Voraussetzungen für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung sind selbstverständlich die rechtlichen und budgetären Machbarkeiten. Nur aufgrund dieser kann man auf eine weitere zukünftige Entwicklung in dieser Region bauen und diese auch unterstützen„, so Gruber.

Position der WKO Kirchdorf

Die WKO Kirchdorf, die von den Naturschutzorganisationen kritisiert wird, erklärt zum Thema: “Die Befürworter eines Skigebietszusammenschlusses sind keine Naturzerstörer, sondern Menschen, die eine naturnahe Umsetzung erreichen und damit den Lebensraum vor Ort sichern wollen. Die Skischaukel soll nicht nur für den Wintertourismus, sondern auch für jenen im Sommer Impulse setzen. Das Projekt ist als Ganzjahresprojekt zu sehen.„

Zur Kritik an der Pro-Kampagne heißt es von der WKO: “Es ist legitim, die Stimmung hinsichtlich des Projekts abzutesten. Genau das war das Ziel der WKO Kirchdorf. Unsere Info-Broschüre ist auch eine Gegendarstellung gewesen zu der Broschüre in Verbindung mit einer Einladung im Frühjahr 2015, die eigentlich nur „schreckliche“ Bilder unserer Region beinhaltete.„

Das Sammeln der Unterschriften habe gezeigt, dass es sehr viele Befürworter unterschiedlichster Altersgruppen gäbe. “Es darf hier schon angemerkt werden, dass die Menschen nicht wegen des Ausschenkens von „Gratis-Schnaps“ unterschrieben haben. Die WKO verwehrt sich gegen diese Unterstellung gegenüber den Unterschriftsleistenenden. Diese übermotivierte Aktion war mit der WKO Kirchdorf nicht abgestimmt und wurde aufgrund unserer Forderung letztendlich rasch wieder eingestellt„, so die WKO Kirchdorf.

Zur aktuellen Diskussion stellt man bei der WKO außerdem fest: “Für die Pyhrn-Priel-Region ist der Tourismus sehr wichtig. Gerade diese Wintersaison hat gezeigt, wie wichtig die Weiterentwicklung des Schigebietes ist, um Einkommen für die vor Ort lebende Bevölkerung zu sichern.„

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