Johann Wurzer: Pfarrer, Torwart und die Freude an der Eucharistie

Johann Wurzer: Pfarrer, Torwart und die Freude an der Eucharistie

Stefan Hinterdorfer Stefan Hinterdorfer, Tips Redaktion, 07.06.2018 14:50 Uhr

Ybbs. Johann Wurzer ist in seinem 14. Jahr als Pfarrer in Ybbs. Tips hat ihn im Pfarrzentrum getroffen und mit ihm über Gott und die Welt gesprochen.

Sneakers, T-Shirt und ein Lächeln auf den Lippen. Pfarrer Johann Wurzers Tag beginnt um sieben. Zumindest sein Arbeitstag. Alles davor − zum Beispiel die Arbeit an seinem Teich − ist Hobby. Dort genießt er die Stille. Stille, die er aus seinem Leben als Forstwart kennen und schätzen gelernt hat.

Entscheidung

Ursprünglich aus Purgstall stammend, brach Wurzer das Josephinum ab und machte in Gießhübel die Ausbildung zu seinem Traumberuf als Forstwart. Schon als Kind wollte er „Mitten im Wald, alleine in einem abgeschlossenen Tal leben, das habe ich dort gefunden“, erzählt er. In dieser Stille änderte sich auch seine Beziehung zu Gott. Zu kündigen fiel ihm schwer. Dennoch entschied er sich nach einer Lesung als Lektor zum Eintritt ins Theologiestudium. Eine Entscheidung, die nicht leicht war. Deshalb nahm er sich vier Jahre Zeit, um einen Entschluss zu fassen. Nach der Studienberechtigungsprüfung in Horn begann er die Ausbildung zum Priester. „Ich bin regelmäßig in die Kirche gegangen, habe meinen Glauben gehabt, und dann erlebt, dass es dort auch sehr menschlich zugeht und eine Gaudi gibt“, offenbart der Geistliche „Ich hatte gedacht, ich müsse vor lauter Lernen den Sport aufgeben“, erklärt der Pfarrer, der dreimal dritter Staatsmeister im österreichischen „Stoaheben“ war. Mittlerweile hat er sich mehr auf Fußball verlegt. Als Tormann und Kapitän der österreichischen Priesternationalmannschaft trainiert er einmal im Monat mit anderen Priestern aus Österreich. Im Februar findet wieder die jährliche Europameisterschaft in der Halle statt.

Eucharistie

Was ihn schon als Kind und Ministrant begeistert hat, war die Feier der Eucharistie. Auch wenn er dadurch einen Fußweg von über vier Kilometern auf sich nehmen musste. „Dass ich heute jeden Tag den Gottesdienst feiern darf, ist das Schönste überhaupt“, bekräftigt der Pfarrer von Ybbs.

Selbstbewusst

„Ybbs hat ein sehr selbstbewusstes Bürgertum“, beschreibt Johann Wurzer die Ybbser. „Die Leute hier trauen sich viel zu“, ergänzt er. Das tut auch er selbst. Manch seiner Ansätze hat regionale Berühmtheit erreicht. „Früher haben wir immer den Schriftzug “Christus„ mit Zündhölzern in Holz eingelegt. Das ist dann in der Kirche angezunden worden. So wie die Zündhölzerköpfe das Feuer weitergeben, sollen das die Firmlinge auch machen“, beschreibt er eine der harmloseren Aktionen. Unvergessen hingegen ist die Geschichte mit dem Feuerwehrkran: „Einmal habe ich mich mit dem Feuerwehrkran auf Gurten aufhängen lassen. Mit dem Transparent “Gott lässt dich nicht hängen„. Der Diakon hat unten den Wortgottesdienst gehalten und zur Gabenbereitung bin ich hinuntergelassen worden“, schmunzelt der Priester, dem Gott sei dank nichts passiert ist. „“Da Wurzer Hans hängt am Kirchenplatz„, haben die Leute gerufen und sind aus den Wirtshäusern auf den Kirchenplatz gelaufen“, erzählt er weiter.#

Ernsthaftigkeit

Ob ein Gottesdienst nicht ernst sein muss? „Jeder Gottesdienst ist ein bisschen eine Show. In Afrika dauert eine Messe drei Stunden und dort wird auch keinem fad“, erklärt der Pfarrer. Trotzdem besinnt sich der Pfarrer in letzter Zeit auf Traditionen. „Gute Traditionen haben etwas Wertvolles. Das ist sehr durchdacht“, sagt er. Dabei scheut er nicht davor zurück, Traditionen auch zu adaptieren. Zum Beispiel Radwallfahrten und Rädersegnungen. Die Kirche in Ybbs ist gut besucht. Der Pfarrer hoch geschätzt. „Ob ich beliebt bin, weiß ich nicht“, gibt sich Wurzer bescheiden. Und lächelt.

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