Hinter den Kulissen der Pramtaler Sommeroperette: „Meine Aufgabe ist es, eine Geschichte zu erzählen“

Hinter den Kulissen der Pramtaler Sommeroperette: „Meine Aufgabe ist es, eine Geschichte zu erzählen“

Alexandra Dick Alexandra Dick, Tips Redaktion, 03.06.2017 12:32 Uhr

ZELL/PRAM. Neben den Schauspielern trägt sie wesentlich zum Erfolg der Pramtaler Sommeroperette bei: Manuela Kloibmüller zieht als Regisseurin die Strippen im Hintergrund.

Tips: Sie haben es in der Hand, ob eine Aufführung gelingt oder misslingt. Gewähren Sie den Lesern einen Einblick hinter die Kulissen der Pramtaler Sommeroperette?

Manuela Kloibmüller: Meine Aufgabe als Regisseurin ist es, eine Geschichte zu erzählen. Das klingt so einfach, ist es aber nicht. So unterschiedlich Menschen im echten Leben sind, so unterschiedlich sind die Figuren in einer Operette. Zu der Figurenarbeit kommt noch das Erfinden von spannenden Szenen. Und man sollte noch viele witzige Einfälle haben.

Tips: Ihre Arbeit beginnt lange vor der ersten Aufführung. Wie lange feilen Sie an einem Stück, bis es Ihren Ansprüchen genügt?

Kloibmüller: Eine Operettenproduktion ist eine Teamarbeit zwischen Dramaturgie, Ausstattung und Regie. Die Arbeit an einem Stück beginnt meist ein Jahr vorher mit der Stücksuche, mit der Klärung der Besetzung und mit der Erstellung einer Fassung, die genau für das Schloss Zell, das Ensemble und das Orchester passt. Die szenischen Proben starten zu Ostern. Meist proben wir sechs bis sieben Stunden am Tag. 

Tips: Führen Sie ein strenges Regiment?

Kloibmüller: Es wird vielen Regisseuren nachgesagt, dass sie kleine Diktatoren sind. Mein Weg ist eher die Teamarbeit. Das gesamte Ensemble besteht aus erfahrenen, offenen und begabten Menschen, die viele Ideen in sich haben. Ich fordere Engagement für unser Stück, Interesse für die Figur und treffe letztlich die Entscheidung, wie die Szenen gestaltet werden.

Tips: In diesem Jahr steht Paul Linckes „Frau Luna“ auf dem Spielplan. Was erwartet die Operettenliebhaber?

Kloibmüller: „Frau Luna“ ist eine ungewöhnliche Geschichte über den Traum vom Flug zum Mond. Aber es ist auch eine vom guten Leben und von Liebe. Es ist der Traum von einer toleranteren Welt, in der Menschen neugierig auf die Zukunft sind und in der egoistische Intriganten keinen Platz haben.

Tips: Worin liegt für Sie die größte Herausforderung bei Paul Linckes Operette Frau Luna?

Kloibmüller: Die Pramtaler Sommeroperette ist immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Stücken und „Frau Luna“ gehört in diese Kategorie. Ich mag solche Herausforderungen. Es ist spannend die Unterschiede zur Wiener Operette herauszuarbeiten. Der Berliner Schmäh ist anders als der Wiener. Der Komponist Paul Lincke hat seine „Frau Luna“ angelegt als Operettenrevue, ich interessiere mich aber immer mehr für die Menschen, für die Figuren als für die große Show. Der Hof im Schloss Zell an der Pram ist noch dazu sehr reizvoll, aber doch alles andere als eine Mondlandschaft. Diese Gegensätze gut zu kombinieren wird eine Herausforderung.

Tips: Im Gegensatz zur Wiener Operette stehen in „Frau Luna“ nicht der Adel sondern Menschen der Arbeiterklasse im Mittelpunkt.

Kloibmüller: Genau dieser Punkt ist der wohl interessanteste im Stück. Es sind gewöhnliche Menschen, die sich einen Traum erfüllen und so ihre Zukunft, ihr Leben gestalten und etwas wagen. Frei von Zynismus und voll Idealismus sind diese Menschen aus Berlin, sie haben zwar kein Geld, aber Optimismus.

Tips: Ihre Lieblingsrolle?

Kloibmüller: Einerseits ist es die Hauptrolle des Sunnyboys Fritz Steppke, der durch seine fröhliche Art mitreißt und andererseits sein Gegenspieler der tyrannische Generaldirektor des Mondes, Theofil, weil er so intrigant ist. Es gibt wunderschöne Momente mit der Frau Pusebach, einem Berliner Original, und ihrer hübschen Nichte Mariechen – zwei tolle Frauenfiguren. Und natürlich die gesamte verrückte Mondgesellschaft. Meine liebste Rolle ist wahrscheinlich doch Frau Luna, weil sie sich von einer schönen Marionette zu einer selbstbewussten Frau entwickelt und beginnt Verantwortung zu übernehmen für ihre Mondbewohner und auch für die Gäste von der Erde.

Tips: Worauf freuen Sie sich selbst am meisten?

Kloibmüller: Auf die erste Probe, in der das erste Mal die Magie der Bühne seine Wirkung entfaltet.

Tips: Seit der Gründung der Pramtaler Sommeroperette im Jahr 2013 sind Sie als Regisseurin Teil des Teams. Was ist für Sie das Besondere an der Pramtaler Sommeroperette?

Kloibmüller: Musiktheater zu inszenieren gehört für mich zu den spannendsten Aufgaben im Kulturbetrieb und in Zell an der Pram die Möglichkeit haben, mit zu gestalten ist mir eine Freude. Die Pramtaler Sommeroperette lebt von einem engagierten Ensemble, das über die Jahre zusammengewachsen ist.

Tips: Junge Talente, die das erste Mal auf einer so großen Bühne stehen, und erfahrene Hochkaräter begeistern das Publikum Jahr für Jahr aufs Neue. Wie ist es mit so unterschiedlichen Schauspielern zusammenzuarbeiten?

Kloibmüller: Für den Sängerinnennachwuchs ist es eine gute Gelegenheit in den professionellen Musiktheaterbetrieb hineinzuwachsen und erste Bühnenerfahrung zu machen. Es freut mich dabei einen Stück des Weges mit den jungen Talenten zu gehen und sie auch ein wenig mit zu formen. Auch das Publikum ist immer wieder gespannt auf neue Gesichter. Dazu kommen die mit den Jahren liebgewonnen Publikumslieblinge, die ein Garant für den künstlerischen Erfolg sind. Das ergänzt sich immer wunderbar.

PREMIERE

Samstag, 10. Juni 2017

Schloss Zell an der Pram

Tickets – von 18 bis 36 Euro – unter www.sommeroperette.at/tickets, www.oeticket.com und im Schloss Zell an der Pram erhältlich.

Tips verlost 2x2 Tickets für die Aufführung am 17. Juni.

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