Eine Mutmacher-Geschichte: Künstlerin Renate Amon hörte auf ihr Herz

Eine Mutmacher-Geschichte: Künstlerin Renate Amon hörte auf ihr Herz

Katharina Vogl Katharina Vogl, Tips Redaktion, 09.02.2018 18:30 Uhr

NIEDERNEUSTIFT. Sie kündigte den Job und hörte auf ihr Herz. Vor zwei Jahren hat sich Renate Amon als Künstlerin selbstständig gemacht. Seitdem fügt sich eines zum anderen. Mit ihren Holzbildern beeindruckt der 43-jährige Freigeist längst nicht nur in Österreich.

„Ich wusste schon als junger Mensch, dass ich in einer Institution nicht glücklich werde, ich bin ein Freigeist“, sprudelt es förmlich aus Renate Amon heraus. Merklich sichtbar funkeln ihre Augen. Bereits in den ersten Momenten werden ihre unbändige Energie und ihre lebendigen, begeisterungsfähigen Wesenszüge sichtbar. Das läge nicht zuletzt an der freien Erziehung ihrer Eltern ist sie überzeugt, „dafür muss ich ihnen Danke sagen“.

Frei und unbeschwert

Aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof, genoss sie gemeinsam mit sechs weiteren Geschwistern die kindliche Unbeschwertheit inmitten der Waldviertler Natur. „Damals meinte noch keiner du wirst dreckig oder staubig beim Heu hüpfen oder Herumtollen. Meine Eltern waren auch nicht der stetigen Angst ausgesetzt, dass uns etwas zustoßen könnte.“ Denn gerade in der Landwirtschaft hätte so viel passieren können. Durch das Vertrauen der Eltern konnten sie wachsen, Bestrafungen gab es damals nicht, erinnert sie sich. „Mein Papa meinte immer zu mir: Mach, was du für richtig hältst, ich bin stolz auf dich.“ Nie und nimmer hätte er die Kinder als dumm bezeichnet oder sie auf ihrem Lebensweg entmutigt, ist sich die Künstlerin sicher. Ihr Elternhaus in Friedreichs stand stets offen für Besucher, Freunde oder Dorfleute waren immer willkommen. Die Religion war der Familie eine große Stütze, eine Tatsache, die sie bis heute prägt.

„Obwohl wir nicht viel Geld hatten, bin ich mir nie arm vorgekommen, im Gegenteil.“ Gerne erinnert sie sich an die Zeit zurück, als in der Ortschaft alle Kinder zum Spielen zusammenkamen, ein soziales Gefüge, das heute vielerorts fehle, meint Amon.

Ein kleiner Rebell

Ihre Mama beschrieb sie als anstrengend, als kleiner Rebell. Bis heute zählt sie sich selbst zu den Menschen, die sich nicht leicht anpassen können. An solche selbstbestimmten Momente erinnert sie sich noch gut. Renate Amon war sechs Jahre alt, als sie sich für ihre – in ihren Augen – hässliche Strumpfhose im Kindergarten schämte. „Die passte von der Farbgebung so gar nicht zur Kleidung, also habe ich mich heimlich umgezogen.“

Nach der Hauptschule folgte ein Jahr Edelhof. Gerne hätte sie die Ausbildung zur Kunst und Keramikmalerin absolviert, was ihren Eltern finanziell aber nicht möglich war. Berufliche Erfahrungen im Gastgewerbe, als Kindermädchen oder auf einem Weingut wurden gesammelt. Der Drang neue Leute kennen zu lernen, war groß, der Verdienst nebensächlich. „Viele aus meiner Umgebung meinten immer wieder, ich solle etwas Vernünftiges lernen, studieren, etwas aus meinem Leben machen. Ich aber dachte mir: Was haben sie denn alle, ich bin ja glücklich!“

Bald darauf trat Helmut in ihr Leben, Heirat, Hausbau und zwei Söhne folgten. Während der ausgedehnten zehnjährigen Kinderpause entdeckte sie die Malerei für sich, Leinwände wurden angeschafft, verschiedenste Techniken ausprobiert und Kurse belegt. Letztere ließ sie bald sein, „ich hätte so malen sollen, wie es der Kursleiter anstrebte, und das war ich nicht. Ich bin so wie ich bin und lasse mich nicht verbiegen.“ Erste positive Reaktionen bestätigten sie auf ihrem Weg.

So lange, bis der Druck der „Öffentlichkeit“ wieder größer wurde. Um dem gerecht zu werden und den Lebenslauf zu bereichern, absolvierte sie eine Ausbildung für Dekoration und Wohnraumgestaltung, der sie dann vier Jahre lang in einem großen Möbelhaus nachging. Danach war Schluss. Die Kreativität verkümmerte, die Freude an der Arbeit versickerte und der Freigeist kam wieder durch. „Wenn man nicht mehr mit Herz bei der Sache ist und man schlampig wird, dann sollte man das hinterfragen.“ Zeitgleich bekam sie ein Angebot, im Louvre in Paris auszustellen.

„Ich will frei sein“

Nach einer kurzen Zeit des Haderns, auch aufgrund der Verantwortung ihrer Familie gegenüber, fasste sie sich ein Herz und verkündete, dass sie ab nun von ihrer Kunst leben möchte, egal was andere sagen mögen.

Im Mai 2016 machte sie sich – mit drei Bildern und geringen Englischkenntnissen im Gepäck - auf den Weg nach Paris, wo sich 1500 Aussteller aus aller Welt zur größten internationalen Kunstmesse im Carrousel du Louvre versammelten. „Was mache ich hier, unter all den Begabten, Intellektuellen“, so ihr erster Gedanke. Dieser verflüchtigte sich in dem Moment als ihre Arbeit offensichtlich Bewunderer fand und sie im Oktober desselben Jahres erneut zu einer weiteren Kunstmesse in den Louvre eingeladen wurde. Die Begründung, es werden neue Talente gesucht und ihre kreativen Holzbilder wären die einzigen dieser Art. Auch sei ihr ein Kunstpreis sicher, der „Grand Prix de l“Excellence„. Der besagte Newcomer Preis wurde ihr auch verliehen, das größte Geschenk aber war der Überraschungsempfang ihrer Familie bei ihrer Rückkehr nach Hause.

“Wenn du deiner inneren Stimme folgst, dann fügt sich alles nach und nach, es kommen die richtigen Leute und Angebote auf dich zu. Die Angst hingegen ist nur ein Hemmschuh.„

Paris verlieh ihr die nötige Stärke und das Bewusstsein einen Wiedererkennungswert zu haben. Weitere Auszeichnungen und Ausstellungen in Österreich und den Nachbarländern folgten.

Die Amon'schen Holzbilder

Es ist kein Zufall, dass sie mit Elementen aus der Natur arbeitet, viel mehr ist es ihr eine Herzensangelegenheit. Aus dem Holz heraus entsteht sofort die Idee des fertigen Bildes im Kopf. Zuvor aber ist Geduld gefragt, schließlich müssen die gesammelten Äste zwei Jahre trocknen. Aufgeschnitten – hier hilft ihr Mann Helmut tatkräftig - sorgen diese dann immer wieder für einen Wow-Effekt. “Es ist wie bei uns Menschen, du siehst nicht in das Innere.„ Neben heimischen Hölzern werden oft noch rostige Elemente, Metall oder alte Schriften miteingearbeitet und von Acrylfarben umrahmt. So wird ein dreidimensionaler Charakter geschaffen, jedes Werk vermittelt seine eigene Botschaft.

Von Italien bis New York

Neben Ausstellungen in Italien im März oder Bad Traunstein im April würde heuer im Juni außerdem New York rufen, noch aber weiß sie nicht, ob sie die teure Standgebühr auf sich nimmt. Weiters plant sie im Sommer ein Kunstfest in ihrem Garten. “Wir Menschen sollten wieder viel mehr Talente austauschen. Oft ist es dem einen gar nicht bewusst, was er für ein Geschenk hat.„ In dem Sinne soll es ein literarisch-musikalisch-kunstvoller Austausch sein, aus dem wiederum neue Ideen und Wege entstehen.

Ihre große Vision wäre außerdem einen Kunsttreff in Rosenau zu etablieren, vielleicht in Kombination mit einem Sozialprojekt mit Kindern oder behinderten Menschen. Ein Häuschen dafür hat sie bereits im Auge “das Platzerl wartet noch auf mich, vielleicht ergeben sich ja künftig Kooperationen in diese Richtung.„

Im Bewusstsein, das dieses Projekt abhängig vom notwendigen Kapital sein wird, vertraut sie darauf, dass es sich irgendwann fügen darf. Bis dahin spendet sie wie gewohnt ein Zehntel ihres Erlöses dem guten Zweck. “Denn das ist für mich Bereicherung und Lebensfreude.„

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