Fitnesstrend EMS: Ein Training unter Strom

Katharina Vogl Katharina Vogl, Tips Redaktion, 07.10.2017 07:24 Uhr

ZWETTL. Der Strom beginnt zu fließen, es kribbelt schon in den Oberschenkel, langsam wird der Regler nach oben gedreht. Wow - unzählige Muskeln in meinen Schenkeln scheinen sich zusammenzuziehen. Volle Konzentration auf meine Körperspannung. Dagegen halten ist die Devise. Sofort wird klar: Das wird eine schweißtreibende Viertelstunde. EMS, die elektrische Muskelstimulation erobert derzeit die Fitnesswelt und ist auch in Zwettl angekommen. Kathi Vogl hat es probiert und sich „unter Strom“ gesetzt.

„Ich habe Respekt vor Strom, liebe aber Herausforderungen“, so mein erster Satz gegenüber Lukas Zant, dem Inhaber des Vitalclubs Zwettl. Er wird mein Training heute begleiten, versichert mir aber lachend, dass sich hier noch keiner vor Schmerzen auf der Matte gekrümmt habe. Das ist doch beruhigend - und ich bin gespannt.

Bevor es losgeht, werden meine Ziele sowie mein aktueller gesundheitlicher und sportlicher Status quo ausführlich besprochen. Letzterer ist in jedem Fall ausbaufähig, über den Sommer bin ich doch ein wenig faul geworden, stelle ich fest. Oberste Priorität für mich ist die Stärkung meines Rückens.

Überall Elektroden

Ich schlüpfe in eine hautenge Funktionswäsche, darüber werden passende Gurte an den Hauptmuskelgruppen, also an Armen, Beinen und Po platziert. Schließlich erhalte ich noch eine mit Elektroden besetzte Weste, die mich ein wenig an einen Tauchanzug erinnert. Das alles sprühte Lukas zuvor sorgsam mit Wasser ein, so werde der Strom besser geleitet, erklärt er. Wie bei einem Korsett wird die Weste schließlich festgezurrt. Ich werde an das Gerät, das einem Mischpult ähnelt, angeschlossen, ich bin bereit, gleich wird's kribbelig.

Fitnesswunder „Reizstrom“

Großer Effekt bei geringem Aufwand, das verspricht das EMS-Training. Vielerorts wird mit einem Verbrauch von bis zu 600 Kalorien pro Sitzung geworben. Lukas Zant ist hingegen vorsichtig mit solchen Pauschalisierungen - schließlich komme es immer auf die Ausführung an - er vergleicht die 15-minütige Einheit aber in etwa mit einem eineinhalbstündigen Krafttraining. Während man beim konventionellen Training vielfach die Hauptmuskelgruppen anspricht, wird bei EMS auch die Tiefenmuskulatur bedient, keiner der 656 Muskeln im Körper entwischt dem Strom, erklärt Lukas. Immunsystem, Fettstoffwechsel sowie Durchblutung werden angeregt.

„Dieses Intensivtraining sollte allerdings auf eine Einheit pro Woche beschränkt sein“, weiß der 26-Jährige. Schließlich müssen es Muskeln und Organe entsprechend verarbeiten. Die vielversprechenden Effekte würden sich jedenfalls relativ rasch einstellen. „Die meisten merken bereits nach ein paar Trainingseinheiten, dass sie ihrem jeweiligen Ziel, einem aufrechteren Gang, einem gestärkten Rücken, einer strafferen Haut, oder purzelnden Kilos näherrücken“, so Lukas.

Schweißtreibende Minuten

15 Minuten, das ist doch gleich geschafft, denke ich mir noch vor dem Start. Die Grundstellung eingenommen - leicht gebeugte Knie, Hände vor dem Körper geballt - warte ich neugierig auf den ersten Stromimpuls. Den Körper dabei von oben bis unten anspannen und die richtige Atmung nicht vergessen, erinnert mich Lukas. Vier Sekunden Impuls samt Körperspannung, vier Sekunden Pause, das ist mein Rhythmus für die nächste Viertelstunde.

Das Pult vor mir erlaubt es Lukas, die Stromzufuhr für alle Muskelgruppen separat zu regulieren. Ein Regler nach dem anderen wird gleich aufgedreht. Zuerst die Oberschenkel, dem anfänglichen Kribbeln folgt ein stärker werdendes Zusammenziehen der Muskeln in meinen Beinen. Ich deute Lukas, noch ein bisschen nach oben zu drehen. Und siehe da: Mein linker Fuß schert aus, verlässt die leicht gebeugte Grundstellung und macht sich selbstständig. Das war dann doch ein Tick zu viel, wenn auch nicht schmerzhaft. Aber Halt sollte bereits vor der Schmerzgrenze gemacht werden, informiert Lukas.

Po, Rücken und Latissimus, Bauch, Brust und Arme folgen. Ausfallschritt, Plank und Co werden bei diesem Training zu einer kleinen Herausforderung, denn das Gerät kennt keine Gnade - vier Sekunden Pause sind gleich vorbei - und die nächsten Stromimpulse kommen, ganz bestimmt. Volle Konzentration auf die Körperspannung und auf das Atmen nicht vergessen. Was auf den ersten Blick so einfach aussieht, war doch mit großer Anstrengung verbunden, ich würde es als stetigen kleinen Kampf gegen den körperlichen Kontrollverlust beschreiben. Dann die letzte Wiederholung, noch einmal motiviert mich Lukas, mich mit aller Kraft gegen den Stromimpuls zu stemmen - geschafft.

In der Dusche angekommen, spüre ich bereits ein leichtes Ziehen im oberen Rücken, die Vorwehen des Muskelkaters kündigen sich an.

Effektiv aber kostspielig

„Viel Trinken ist jetzt nach dem Training wichtig, gerade für die Reinigung der Niere“, meint Trainer Lukas. Diese scheide die Abbauprodukte aus. In der Regel spüre man es gar nicht so sehr, was sich im Körper nach einer solchen Einheit alles tut, vor allem in der Tiefenmuskulatur.

In der physikalischen Therapie wird Reizstrom schon seit geraumer Zeit eingesetzt, auch Spitzensportler wie Usain Bolt entdeckten die Trainingsmethode für sich. 2003 kam EMS schließlich im Breitensport an. Mittlerweile werden große Städte mit Studios überschwemmt, auch Kurse mit zugleich 20 Leuten oder mehr abgehalten. Ein Trend, den Lukas Zant sehr kritisch beäugt.

Die professionelle und individuelle Begleitung durch einen ausgebildeten Coach ist für ihn das Um und Auf eines Trainings. Dazu gehört auch die ausführliche Anamnese im Vorfeld, um mögliche Kontraindikatoren berücksichtigen zu können.

Damit einher geht die Tatsache, dass die EMS-Einheiten doch relativ kostspielig sind. „Es handelt sich um ein Personal Training, dadurch ist es natürlich teurer“, betont Lukas.

Dann kommt der Muskelkater

Wie bei allen Sportarten, ist auch hier die Regelmäßigkeit entscheidend, einmal pro Woche gilt als ideal. „Die optimale Ergänzung dazu wären eine Laufeinheit und eine Stunde Yoga“, weiß der Trainer. Der 26-Jährige entdeckte vor vier Jahren die Methode für sich. Die anfänglich große Skepsis wich nach dem ersten Training und dem darauffolgenden „Muskelkater seines Lebens“. „und den habe ich mir gemerkt, ich konnte einige Tage nachher noch keinen Sport machen“, grinst der Personal Trainer. „Auch ein Sixpack kann man gut damit trainieren.“

Na gut, bis dahin wird es bei mir noch ein wenig dauern. Die Notiz an meinen Trainer am Tag danach: „Heimtückischer Muskelkater hat sich eingeschlichen, Bauch, Po und Latissimus lassen grüßen! Übrigens auch in Regionen, wo ich bis dato noch keine Muskeln vermutet habe. Da und dort noch immer spürbare Spannung im Körper. Mein Fazit: Ich bin nachhaltig beeindruckt!“

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