Flotte Lotte: Ein Verein kocht sinnvoll ein
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„Flotte Lotte“: Ein Verein kocht sinnvoll ein

Katharina Vogl Katharina Vogl, Tips Redaktion, 30.08.2016 09:24 Uhr

ZWETTL. Tag für Tag landen viel zu viele Lebensmittel im Müll, ein Zwettler Verein wurde nun aktiv: Die Mannschaft der „Flotten Lotte – WaldviertlerInnen machen Sinn“ kreiert aus ablaufgefährdeter Ware hochwertige und schmackhafte Produkte. Tips hat ihnen über die Schulter geschaut.

Eine Steige voll mit Fenchel, Kohlrabi und Rotkraut, dazu einige Karotten und Zwiebel, das wird gerade an diesem Freitag in der „Vereinszentrale“, der ehemaligen Molkerei in Zwettl, verarbeitet, Masume schnippelt die Zwiebel, Gabi kümmert sich um den Fenchel, daraus wird eine bunte wohlschmeckende Fenchelsuppe gezaubert. Das beiliegende Kochbuch verrät zusätzlich, dass es sich um ein magenberuhigendes Gericht handelt, das die Nieren wärmt und Ärger und schlechte Laune vertreibt. Wem das ein wenig Spanisch vorkommen mag – gekocht wird hier beim Verein nach der „Fünf-Elemente-Lehre“, die besagt, dass in einer Mahlzeit alle fünf Elemente, nämlich Erde, Wasser, Holz, Metall und Feuer – ob in Form von Würze oder Zutaten – enthalten sein sollen. „Damit ist das Gericht wohltuend, bekömmlicher, energiereicher für den Körper und man schmeckt jede einzelne Zutat sehr gut raus“, erklärt Obfrau Elisabeth Mittendorfer. Im Optimalfall gibt man die einzelnen Elemente in der richtigen Reihenfolge dazu, und je öfter man in diesem Zyklus kocht, desto besser soll es sein, so heißt es in der östlichen Lehre.

Zurück zur Fenchelsuppe: Die Rohzutaten wirken auf den ersten Blick frisch wie aus dem Supermarkt, lediglich die eine oder andere Knolle weist leicht bräunliche Stellen auf der Oberfläche auf – die betreffende Schicht entfernt – scheinen sie makellos. „Nur um sich das vorzustellen – es ist absolut kein Biomüll, wir bekommen vielfach Ware, bei der merkt man gar nicht, dass sie keiner mehr haben will“, meint Vereinsmitglied Martina Siedl. Vielfach sind es Überbleibsel oder einfach Ware, die aus optischen Gründen („gekrümmte Gurke“) im Handel keinen Platz findet. Kooperiert wird bis dato mit der Firmengruppe Kastner, Mittwoch- und Freitagvormittag werden die Lebensmittel abgeholt. „Das ist auch der Hauptgrund, warum unsere Produkte so experimentell wirken, weil wir ja nie wissen, welche Ware heute auf uns wartet“, schmunzelt Martina Siedl. So entsteht dann beispielsweise ein Zitronen-Lavendelgelee, ein Radieschenwunder, oder ein Karotten-Orangenchutney. Nicht zu vergessen die farbenfrohen Suppen, die pasteurisiert und abgefüllt in Glasflaschen auf die Feinschmecker warten.

Und das Sprichwort, dass viele Köche den Brei verderben, das wird hier ganz klar widerlegt, im Gegenteil, die Beteiligten sprechen vielmehr von einer Bereicherung. Jeder der gut 20 Ehrenamtlichen bringt im Projekt seine persönlichen Stärken und Ressourcen ein – vom Schnippeln bis zum Etikettenkleben und Verkaufen. Gekocht wird ausschließlich vegan, auch aus Gründen der leichteren Verarbeitung. Alleine die Auflagen bei Obst und Gemüse waren schon eine Herausforderung, bei Milchprodukten ganz zu schweigen, zudem wäre die Gefahr, dass Letztere verderben, zu groß. Mittlerweile wird bereits zweimal in der Woche eingekocht. „Ursprünglich sind wir von einer 14-tägigen Produktion ausgegangen, inzwischen haben wir so viel Ware, dass wir zweimal pro Woche einkochen, wir haben die Menge an tollen Lebensmittel, die wir nun bekommen, selbst unterschätzt“, erläutert Martina Siedl. „Und wenn man die tolle Ware dann vor Augen hat, dann tut das noch mehr weh, würde man diese wegschmeißen müssen“, ergänzt Martina.

Verkaufsstellen

Neben dem Verkauf in der alten Molkerei am Freitag von 14 bis 16 Uhr, erhält man die gesunden eingekochten Produkte freitags am Zwettler Bauernmarkt, samstags am Rathausmarkt in der Innenstadt, im Weltladen in Zwettl sowie im Klosterladen im Stift. Auch der Wiener Naschmarkt steht bereits zur Diskussion. Die schmackhaften Suppen werden auch als Tagessuppe beim Café Bistro Leutold serviert.

Eigenes Geschäft im Visier

„Die Vision wäre auf langfristige Sicht vielleicht eine Person fix anzustellen, die langzeitarbeitslos ist, einige Flüchtlinge werden ja bereits jetzt in das Projekt miteingebunden“, so Obfrau Elisabeth Mittendorfer. Ein weiterer Traum ist ein eigenes Geschäftslokal in der Innenstadt, eine Art Suppenküche, wo frisch ausgekocht wird. Ja und es zahlt sich im wahrsten Sinne des Wortes aus, vorbeizuschauen in der ehemaligen Molkerei – denn ob Snackgurken auf arabische Art, Sugos, Marmeladen, Chutneys, Suppen oder Hertas grüne Würze – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei!

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