NMS 1 Lambach (Wels-Land)

Die Uhr tickt

Dadurch, dass unsere Schule schon seit vierzig Jahren eine Sportschwerpunktschule ist, gehörten Veranstaltungen wie das regelmäßige Schauturnen (alle 3-4 Jahre) schon immer zum Schulprogramm. Im Lauf der Zeit hat sich diese Veranstaltung vom reinen Vorturnen zu einem Abend entwickelt, von dem die Zuseher auch eine tiefergehende Botschaft mit nach Hause nehmen sollten. Das Turn-und Spielprogramm wurde in eine Geschichte verpackt, die sich einem bestimmten Thema widmete. Diese Geschichten wurden allesamt von den Lehrern geschrieben und mit den ausgewählten Schülern einstudiert.


Folgende Themen standen in den letzten beiden Jahrzehnten im Mittelpunkt der Geschichte: „Eine Reise um die Welt“, „Cirque de Schule´“, „Alt gegen (mit) Jung“, „ Die Olympischen Spiele in Lambach“. Die Themen der letzten beiden Geschichten drehten sich jeweils um zeitgenösische Probleme, mit denen wir dem Publikum einen Spiegel vor Augen halten wollten. In „Der Fluch des Andy A.“ wurde die zunehmende Bewegungslosigkeit und Abhängigkeit vom Handy thematisiert. Und im nunmehrigen Programm mit dem Titel „Die Uhr tickt“ wollten wir auf die Umweltprobleme aufmerksam machen und widmeten uns dabei dem Thema Plastik.
Ziel war es im Laufe eines Schuljahres sich erstens mit dem Thema in allen Unterrichtsgegenständen zu beschäftigen und eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Oft ist es ja so, dass im Augenblick der Aufführung zum Zeitpunkt des „Spiegelvorhaltens“ sehr wohl eine momentane Wirkung spürbar ist, die sich aber nach dem Verlassen der Veranstaltung auch wieder relativ rasch verflüchtigt. Dieses Mal sollte es anders sein. Es durfte die Botschaft nicht verhallen, sondern sie musste über die Wirkung des Stückes, über die Überzeugungskraft der Kinder mit nach Hause genommen werden. Die Menschen sollten ein zusätzliches Gewissen speziell hin auf das Thema Plastik entwickeln. Aus den zahlreichen Rückmeldungen lässt sich schließen, dass daraufhin in vielen Familien kleinere und auch größere Schritte in diese Richtung verzeichnet wurden und erstmals eine nachhaltige Wirkung auch spür- und erlebbar wurde. Nur einige Beispiele. Viele Kinder berichteten davon, dass in ihren Familien beim Einkaufen weitestgehend auf Plastikflaschen verzichtet wurde, bei Schulveranstaltungen wie gemeinsamen Feierlichkeiten wie Sportfesten und Weihnachtsfeiern wurde ebenfalls auf Plastik verzichtet. Der Schulgetränkeautomat sollte demnächst auf Glasflaschen umgestellt werden. Bei Wettbewerbsveranstaltungen wie Schülerligaturniere, Geräteturnmeisterschaften und auch bei Elternsprechtagen wurde auf Plastik verzichtet. Und immer dann, wenn wir mit unseren Schülern das eigens komponierte Lied „Von der einzigen Erde“ singen, spüren wir, dass es vor allem diese Schülergeneration ernst meint mit dem Thema, sie sind sensibilisiert. Und es ist gut so. Denn wir, die vierzig-, fünfzig-, sechzig- und siebzigjährigen haben es geschehen lassen, dass wir der Erde so viele „Schmerzen“ zufügen und eine Welt hinterlassen, die auf kurze Sicht nicht mehr belebbar sein wird. Und nur die nächste Generation kann es noch schaffen, eine Umkehr zu bewirken. Und dieses Bewusstsein wurde spürbar. Wir turnten und spielten unsere Geschichte viermal vor Publikum, einmal vormittags für die Schulen aus der Umgebung und drei Abendvorstellungen. Insgesamt kamen mehr als 2500 Besucher zu den Aufführungen. Für uns selbst ist das Thema nicht vom Tisch, und das sollte auch so bleiben – für immer! Für die turnerischen, tänzerischen Einlagen, für die Ballspielprogrammpunkte, den Akrobatikteil, die Jongliervorführung, die Rhythmuseinlage und die Mini-Tramp-Show wurde bereits vom vorigen Schuljahr an geübt. Die Anzahl der Konferenzen erhöhte sich in dieser Zeit natürlich sprunghaft, da alle Lehrer der Schule Ihren Part zu übernehmen hatten. Die Sportlehrer studierten die einzelnen Punkte ein, die Lehrer, die nicht unmittelbar in der Turnhalle zu arbeiten hatten, kümmerten sich im Zuge der Gesamtorganisation (Kartenverkauf, Gästelisten, Einladungen, Supplierstundenübernahme für die Sportlehrer, Schminken der Hauptrollen, Beleuchter, Mischpultbedienung, Tontechniker …..) um alle anderen wichtigen Dinge, die im Zuge der Vorbereitung anfielen. Für die Auswahl der Hauptrollen wurde ein Casting ausgerufen, die Bewerber bekamen Vorsprechtexte für die drei Schülerhauptrollen. Ende März standen dann die doppelt besetzten Hauptrollen fest und es konnte mit dem Proben begonnen werden. Jene Schüler, die am Casting teilgenommen hatten, jedoch kein Rolle zugesprochen bekamen, erhielten als Erinnerung eine Teilnehmerurkunde. Die Proben mit den „Schauspielern“ fanden hauptsächlich an Wochenenden statt, da nur zu diesem Zeitpunkt die Dreifachturnhalle frei war. Die Wochenendproben waren für die 6 ausgesuchten Schülerinnen und Schüler in keinster Weise ein Problem. Sie waren immer eifrig dabei und konnten ihre teils sehr langen Textpassagen in kürzester Zeit auswendig. Nach den Vorstellungen wurde das Projekt Schauturnen „Die Uhr tickt!“ mittels einer Schulversammlung, bei der jeder Schüler oder Lehrer etwas sagen durfte, der das Bedürfnis dazu hatte. Unter anderem meldeten sich alle Kinder, die Hauptrollen hatten, zu Wort und versicherten glaubhaft, dass sie diese wertvolle Erfahrung noch lange in Erinnerung behalten würden. Mancher Schüler berichtete auch schon von verändertem „Müllverhalten“ zuhause. Alles in allem eine Veranstaltung, die nicht nur den inneren Zusammenhalt einer Schule gestärkt hat, sondern auch offensichtliche Nachhaltigkeit in Sachen Umweltbewusstsein bewirkt hatte. Im Folgenden sind nun die einzelnen Stationen des Entstehens bis zur Aufführung beschrieben, Vorsprechtexte und Castingfotos dargestellt. Aus Gründen der allgemeinen Gültigkeit erhielten die schauspielernden Hauptrollen keine Namen, sondern ganz einfach Typenbezeichnungen.


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