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Günstiger Strom und gute Verzinsung sollen Rainbachern das "Ja" zur Windkraft erleichtern

Mag. Claudia Greindl, 23.05.2024 13:29

RAINBACH/GRÜNBACH. Sieben Windkraftanlagen will die Verbund Green Power GmbH in der Region errichten, drei davon in der Gemeinde Rainbach, vier in Grünbach. Sie könnten Strom für 80 Prozent aller Haushalte im Bezirk liefern. Ob das Vorhaben mit Investitionskosten von 55 Millionen Euro tatsächlich realisiert wird, hängt maßgeblich von einer Bürgerbefragung in Rainbach ab. Die Rainbacher sind am Sonntag, 2. Juni, zur Abstimmung aufgerufen.

Windkraft für die Region (Symbolfoto). Die Windmessungen für das Projekt laufen seit November 2023, sie sind laut Verbund vielversprechend. (Foto: Martin Mecnarowski/Adobe Stock)
Windkraft für die Region (Symbolfoto). Die Windmessungen für das Projekt laufen seit November 2023, sie sind laut Verbund vielversprechend. (Foto: Martin Mecnarowski/Adobe Stock)

Mit einer großangelegten Informationskampagne macht die Verbund Green Power GmbH seit Wochen Stimmung für das Windkraftprojekt in den beiden Gemeinden. Dessen Eckpunkte sind drei Windkraftanlagen im Gemeindegebiet von Rainbach und vier in Grünbach. Jedes einzelne der Windräder mit einer Masthöhe von 160 bis 170 Metern und 175 Meter Rotordurchmesser soll sechs Megawatt Strom liefern und damit den Bedarf von rund 3000 Haushalten decken können. Windmessungen, die seit November 2023 laufen, seien vielversprechend, so Dietmar Reiner, Geschäftsführer der Verbund Green Power GmbH.

„Insgesamt könnten wir 21.000 Haushalte mit Strom versorgen, das sind rund 80 Prozent aller Haushalte im Bezirk“, rechnet Reiner vor. Das Stromnetz werde den zusätzlichen Windstrom aufnehmen können, zudem werde es noch ausgebaut. Für das Projekt Schiffberg sind laut Projektleiter Philipp Stöger keine Freileitungen nötig, der Strom fließt unterirdisch zum Umspannwerk Apfoltern und wird von dort aus verteilt. Die benötigten Grundstücke, jeweils in einer Größe von 3000 bis 4000 Quadratmetern, werden für die erwartete Nutzungsdauer von 30 bis 35 Jahre gepachtet und sollen großteils geschottert und zum Teil betoniert werden. Bereits 2025 könnte das Projekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht werden, vorbehaltlich aller Genehmigungen könnten die Anlagen 2029 in Betrieb gehen. Nach Ablauf der Nutzungsdauer gilt eine Rückbauverpflichtung für den Verbund.

Ja oder nein zu Windkraft vor der Haustür

Ob die ausgeklügelte Planung auch umgesetzt wird, hängt maßgeblich von der Rainbacher Bevölkerung ab. Am Sonntag, 2. Juni, sind rund 2.400 Frauen und Männer dazu aufgerufen, mit Ja oder Nein über Windkraft vor ihrer Haustüre abzustimmen. Bürgermeister Günter Lorenz (ÖVP) hofft auf hohe Beteiligung und erwartet sich ein klares Ergebnis der Volksbefragung, die wie eine Gemeinderatswahl mit Wahlsprengeln und Wahllokalen organisiert ist. „Es ist die erste Volksbefragung in der Gemeindegeschichte, wir möchten die Bürger so gut wie möglich in die Entscheidungsfindung einbeziehen“, sagt Lorenz. Er ortet noch heute „Gräben in der Bevölkerung“, die im Zuge der Trassenfindung der S 10 auf Rainbacher Gemeindegebiet aufgerissen sind. „So etwas darf uns nicht mehr passieren.“ Der Bürgermeister selbst hält mit seiner Zustimmung zum Windkraftprojekt Schiffberg nicht hinter dem Berg. „Der Klimawandel muss endlich in die Gänge kommen.“ Das Ergebnis der Volksbefragung wird für den Gemeinderat bindend sein. Was für Lorenz ein klares Ergebnis bedeutet, formuliert er so: „Eine Zustimmung von 51 Prozent bei einer Beteiligung von 40 Prozent ist für mich ein deutlicher Auftrag.“ Auszugehen sei ohnehin von einer höheren Beteiligung. Geht die Befragung gegen Windkraft aus, werde der Gemeinderat auch die dafür nötige Sonderwidmung nicht beschließen. Laut Gefühl sei die Stimmungslage in der Gemeinde eher pro Windkraft, eine Gegnerschaft habe sich bisher ausschließlich in Gestalt von Umweltanwalt Martin Donat manifestiert.

Stromzuckerl für Konsumenten

Die Bürger über ihre Meinung zu Windkraft zu befragen, ist in Grünbach bisher nicht geplant. „Wir sind aber zuversichtlich, dass sich nicht nur Rainbach, sondern auch Grünbach für das Projekt aussprechen wird“, meint Dietmar Reiner und hofft auch dort auf eine Volksbefragung. Über eine teilweise Realisierung in nur einer Gemeinde will er sich nicht äußern. Schmackhaft machen den Bürgern das Ja zur Windkraft einige „Stromzuckerl“: Eine finanzielle Beteiligung von maximal 5.000 Euro pro Person soll in einer Laufzeit von fünf Jahren bis zu fünf Prozent Verzinsung ermöglichen. „Durch diese Einmaleinlagen werden fünf bis zehn Prozent der Investitionskosten eingebracht. Die Beteiligung macht die Anlagen für die Bürger zu 'ihren' Windrädern“, erklärt Projektentwicklerin Lisa Csenar. Ein Bürgerstrommodell garantiert allen Rainbachern und Grünbachern zudem einen garantierten Strompreis von 9,6 Cent pro Kilowattstunde für 3.500 Kilowattstunden pro Jahr. Den Gemeinden verspricht de Verbund pro Anlage und Jahr eine finanzielle Kompensation als Ersatz für entgangenen Einnahmen aus dem Finanzausgleich und der Kommunalsteuer.

Umfrage: Windkraft wichtig

Die Einstellung der Bevölkerung zur Windkraft hat der Verbund im September und Oktober 2023 mittels IMAS-Umfrage unter 400 Bewohnern im Bezirk Freistadt erhoben. „Es hat sich herausgestellt, dass die Leute sauberen Strom befürworten“, resümiert Geschäftsführer Dietmar Reiner. Drei Viertel der Befragten halten Windkraft für wichtig bzw. eher wichtig, 69 Prozent sprachen sich eher für Windkraft im eigenen Bezirk aus. 62 Prozent konnten sich Windkraftwerke auch in der eigenen Gemeinde vorstellen, solange sich diese außerhalb von Siedlungsgebieten befinden.

Informationen vom Verbund über das Windkraftprojekt Schiffberg gibt es noch am 28. Mai am Gemeindeamt von Grünbach (8 bis 12 Uhr) und am Gemeindeamt von Rainbach (14 bis 17 Uhr). Wahlkarten können in Rainbach beim Gemeindeamt und online unter https://www.wahlkartenantrag.at bis 29. Mai beantragt werden. Persönlich über Windkraft abgestimmt werden kann in Rainbach am Sonntag, 2. Juni, in den Wahllokalen der gewohnten Wahlsprengel im Zeitraum von 8 bis 12 Uhr.


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