Ein El Dorado in der Wunderkammer Oberösterreich: Neue Ausstellung im OÖ Kulturquartier

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 13.12.2019 12:44 Uhr

LINZ. Alles glänzt Gold, in der Wunderkammer Oberösterreich im OÖ. Kulturquartier. Die neue Ausstellung „El Dorado (ob der Enns)“ wirft einen schrägen Blick auf Oberösterreich und spielt mit einer besonderen Form der Heimatsuche. Im Mittelpunkt: Eine Installation aus 150 Goldhauben.

Einst – so erzählt die Sage – war Oberösterreich ein El Dorado. Ein Land von unglaublichem Reichtum, indem Gold so alltäglich war, dass die Menschen gar nicht wussten, welcher Reichtum sie umgab. Oft waren es die Frauen, die auf ihre Weise die Geschicke des El Dorado ob der Enns führten. Im Laufe der Jahrhunderte gerieten die geheimen Frauenbünde aber in Vergessenheit – wie das Gold im Donausand und in den Alpen …

Erzählung als Grundlage der Ausstellung

Anders als bei der ersten Ausstellung der Reihe Wunderkammer Oberösterreich, „Wiar a Hünderl sein Herrn“, wo die Archive durchforstet wurden, wurden für die neue Ausstellung Künstler eingeladen, die Erzählung des El Dorados Oberösterreich weiterzuspinnen, wie Kuratorin Julia Stoff erläutert.

Julia Pühringer hat dafür einen Text geschrieben und aufgearbeitet, wie aus dem El Dorado das Oberösterreich von heute wurde. Pühringer hat für ihren etwa zehnminütigen Text, der auch in der Ausstellung zu hören ist, die Sagenwelt Oberösterreichs herangezogen und sozusagen ein „Medley“ erarbeitet. Eine Geschichte, die vom Matriarchat und seinen paradiesischen Zuständen, von der Stärke der Frauen, vom allgegenwärtigen Gold erzählt.

Zwölf Künstler wurden eingeladen, an der Wunderkammer mitzuwirken.

Die Schatzkammer in der Wunderkammer

Im Zentrum der Ausstellung steht der Schatz der Goldhauben. 150 Stück wurden mithilfe der OÖ. Goldhaubengemeinschaft und privater Leihgeber mühsam zusammengetragen und von Christine Hechinger in einer fast raumfüllenden Installation inszeniert. Die Goldhauben verkörpern, worum es in diesem El Dorado geht: nicht das Materielle, sondern ein sozialer Wert, getragen vom Engagement der Goldhaubenfrauen.

„Diese Installation ist eine eigene Schatzkammer in der Wunderkammer, eine gelungene Kooperation mit der Goldhaubengemeinschaft“, freut sich Kurator Martin Heller.

„Wertschätzung für Goldhauben“

Große Freude mit der Ausstellung hat auch Goldhauben-Landesobfrau Martina Pühringer. „Es ist toll, dass sich die Kunst mit Goldhauben auseinandersetzt – Goldhauben werden mitunter ja als verstaubt angesehen. Ich danke dem OÖ Kulturquartier für die Wertschätzung“, so Pühringer, die auch erzählt, dass es nicht leicht war, die 150 Goldhauben für die Ausstellung zusammenzubekommen, da die Besitzerinnen diese alle noch tragen. Jede einzelne Goldhaube ist ein Schatz für sich, für die Erstellung werden rund 250 bis 300 Stunden Handarbeit benötigt.

Über 19.000 Menschen in 427 Ortsgruppen in Oberösterreich gehören zur Goldhaubengemeinschaft Oberösterreich. Mit ihrem sozialen Engagement werden jährlich rund 650.000 bis 700.000 Euro an Spenden für den guten Zweck gesammelt.

Zeitgenössische Auseinandersetzung

Umgeben wird die Installation von zwölf zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten. Nach „Gold geschürft“ etwa haben Laurien Bachmann und Sebastian Six in den Landesarchiven, für ihre Videoproduktion „Prospektion“. Viel Galgenhumor im Hinblick auf den Lohn und die Anerkennung für Künstler beweist Reinhold Bidner mit seinem Stop Motion Video „Die Goldwurst“.

Eine freche Idee hatte auch Sam Bann: Er entwickelte mit „Gold Hauben Chips“ ein utopisches Szenario, sie der Reichtum der Goldhauben neu und zum Nutzen aller angewendet werden könne.

Luftraumüberwachung namens „Goldhaube“

Den unzähligen Stunden, die für die Produktion einer Goldhaube aufgewendet werden müssen, stellt Katharina Gruzei in ihre Arbeit „Yaw“ jene Zeit gegenüber, die es braucht, sie wieder aufzutrennen: fünf Stunden. Kombiniert hat sie die Bilder mit der Luftraumüberwachung des österreichischen Bundesheers, die den Namen „Goldhaube“ trägt. Gruzei kommentiert damit nicht nur handwerkliche, sondern auch die soziale Konstruktion hinter dem Objekt der Goldhaube.

Ebenfalls beteiligt an der Ausstellung ist Hannes Langeder mit seinem Video „Ferdinand“, Rainer Nöbauer begibt sich in „goldluck“ auf die Suche nach dem Glück. Elisabeth Peterlik hat Goldhauben neu interpretiert und mit organischen Elementen neu zusammengestellt, darunter „Goldmarie“ mit einem Goldfasankopf, den „Hut der Zauberin“ mit einem Falkenkopf-Präparat oder die „Medusenhaube“ mit Schlangenmotiven.

Auf die aktuelle Debatte rund um die KTM Motohall und den Umgang mit Kulturförderungen an sich beziehen sich Jakob Dietrich, Thomas Philipp und Andre Zogholy von qujOchö mit ihrem vergoldeten KTM Ponny II Deluxe, Baujahr 1968.

Märchenhaft ist die Arbeit „Die Goldene Frau“ von Claudia Seigmann, in der die Einheit von Mensch und Natur spürbar wird. Ein Statement, dass Frauen sich ihren Platz schaffen und präsent sein sollen, gibt Betty Wimmer mit ihrem goldenen „Thron“ ab.

Das kleinste Werk der Ausstellung kommt von Oona Valarie Serbest: Illustrationen, die alle in eine Streichholzschachtel passen, zeichnen die Arbeit des Kollektivs „Feminismus und Krawall“ der letzten sieben Jahre nach.

Eintritt frei

Die Ausstellung „Wunderkammer Oberösterreich – El Dorado (ob der Enns)“ ist im OÖ Kulturquartier von 14. Dezember bis 29. März zu sehen, täglich von 16 bis 20.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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