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Online Redaktion, 07.03.2018 08:10

ALTENBERG. Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März hat sich Tips mit Ulrike Rabmer-Koller unterhalten. Die Geschäftsführerin der Rabmer Gruppe und Vizepräsidentin der Österreichischen Wirtschaftskammer erzählt von ihren Erfahrungen als Frau in einer Männerdomäne und Frauen in Politik und Wirtschaft.

Ulrike Rabmer-Koller im Interview zum Weltfrauentag Foto: Foto Strobl
Ulrike Rabmer-Koller im Interview zum Weltfrauentag Foto: Foto Strobl

Tips: Sie sind Geschäftsführerin eines Bauunternehmens. Die Branche gilt nach wie vor als Männerdomäne. War es für Sie schwierig sich in dieser Branche als Frau durchzusetzen?

Rabmer-Koller: Nachdem ich damit aufgewachsen bin, war es für mich immer selbstverständlich in einer Männerdomäne tätig zu sein. Am Anfang musste ich mich als Frau bei den Geschäftspartnern vielleicht etwas mehr beweisen, aber ich habe mir die Akzeptanz dann relativ schnell erarbeitet.

Tips: Wie stand es mit der Akzeptanz bei den überwiegend männlichen Mitarbeitern?

Rabmer-Koller: Da war es nie ein Thema, die haben mich von Anfang an akzeptiert. Ich bin in der Firma groß geworden und habe während dem Studium dort gearbeitet. Mir war es auch wichtig, woanders Erfahrung zu sammeln. Daher war ich nach dem Studium in Amerika in einem Technikunternehmen und danach in Schwertberg bei einer Maschinenbau-Firma tätig, auch zwei männerdominierte Branchen.

Tips: Hatten Sie persönlich weibliche Vorbilder?

Rabmer-Koller: Meine Mutter war für mich ein Vorbild. Sie hat gezeigt, dass es möglich ist Familie und Beruf gut zu vereinbaren. Sie hat gemeinsam mit meinem Vater die Firma gegründet und aufgebaut. Deshalb war Sie für mich ein Role-Model und zugleich Ansporn, Unternehmerin zu werden.

Tips: Wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen, Familie und Beruf zu vereinbaren?

Rabmer-Koller: Für meinen Mann und mich war klar, dass wir beide für die Kinder da sein wollen. Wir sind beide selbstständig und hatten die Möglichkeit, unsere Arbeitszeit flexibel einzuteilen. Deshalb bin ich auch eine überzeugte Kämpferin für flexible Arbeitszeiten, weil es eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht. Nach der Geburt des zweiten Kindes haben wir uns für vormittags externe Unterstützung gesucht. Am Nachmittag haben sich mein Mann und ich mit der Kinderbetreuung abgewechselt und auch die Omas haben viel geholfen. Glücklicherweise hatten wir in Altenberg damals schon Nachmittagsbetreuung im Kindergarten und in der Volksschule, wofür ich mich als Gemeinderätin stark eingesetzt habe. Nur wenn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine Herausforderung mehr ist, können sich Frauen beidem widmen und auch verstärkt Führungsfunktionen wahrnehmen. Deshalb braucht es flächendeckende und flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Tips: Was braucht es, damit mehr Frauen politische Funktionen übernehmen?

Rabmer-Koller: Frauen sollen in allen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsfunktionen und auf allen Ebenen entsprechend vertreten sein. Studien zeigen, dass gemischte Teams erfolgreicher sind und viel mehr bewegen können. In den letzten Jahren hat der Frauenanteil in der Politik schon zugenommen. Es wurden viele Maßnahmen gesetzt, damit sich Frauen schon in jungen Jahren politisch engagieren. Die jetzige Bundesregierung zeigt, dass wir wirklich viele tolle Frauen in unserem Land haben, die für Spitzenfunktionen in Frage kommen. Aber auch hier braucht es noch bessere Rahmenbedingungen und auch ein Umdenken in der Gesellschaft, damit es selbstverständlich wird, dass Frauen in allen Gremien vertreten sind.

Tips: Wie sieht es mit Frauen in der Wirtschaft aus?

Rabmer-Koller: Frauen in der Wirtschaft sind auf dem Vormarsch. Mehr als 47 Prozent der Unternehmen werden von Frauen gegründet, 38 Prozent werden von Frauen geführt. Auch die Beschäftigungsquote liegt mit 71 Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Die Berufswahl ist immer noch dem alten Rollenbild entsprechend, die meisten sind in typischen Frauenberufen tätig. Zu wenige ergreifen einen technisch handwerklichen Beruf. Es gilt aufzuzeigen, dass technische Berufe auch für Frauen interessant sind. Das bringt eine Win-Win-Situation: mehr technisch-handwerkliche Fachkräfte, die dringend benötigt werden und diese Berufe sind oft höher dotiert. Wichtig ist, dass diese alten Rollenbilder überwunden werden und, dass es eine Durchmischung gibt, also auch mehr Burschen beispielsweise in Sozialberufen.

Tips: Wie kann man Frauen für technische Berufe begeistern?

Rabmer-Koller: Ich sehe das bei meiner Tochter und meinem Sohn, beide haben eine Technische Ausbildung gemacht. Wir haben bei ihnen das Interesse an Technik schon im Kleinkindalter geweckt: beide haben Puppen aber auch Lego Technik bekommen. Kinder sollen entsprechend ihrer Talente gefördert werden und nicht in eine Richtung gedrängt werden. Mädchen sind genauso technisch begabt wie Burschen. Es ist vor allem ein rollenneutrales Bild und Verhalten in der Gesellschaft wichtig. Leider gibt es schon wieder eine Gegenbewegung, wie etwa rosa Überraschungseier extra für Mädchen.


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