Ulrike Rabmer-Koller: „Es muss eine Win-win-Situation zwischen Umwelt und Wirtschaft geschaffen werden“
ALTENBERG. Ulrike Rabmer-Koller war vier Jahre Präsidentin des europäischen Verbands für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), SMEunited. Im Tips-Interview spricht sie über die Bedeutung von KMUs.

Tips: Warum brauchen kleine und mittlere Unternehmen überhaupt eine eigene Interessensvertretung?
Rabmer-Koller: KMUs sind die Basis für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in unserem Land, das gilt auf europäischer Ebene und ganz besonders natürlich für Österreich. Sie haben spezielle Herausforderungen, wie etwa Finanzierung, Fachkräftemangel oder die überbordende Bürokratie.
Tips: Warum?
Rabmer-Koller: In größeren Betrieben gibt es eigene Abteilungen, die sich um Gesetze und Auflagen kümmern. In kleinen Unternehmen ist der Firmeninhaber selber verantwortlich. Daher ist es wichtig, dass man immer wieder darauf hinweist: Gesetze müssen vor allem im Hinblick auf KMUs gemacht werden.
Tips: Auf europäischer Linie ist eine KMU-Strategie geplant. Wie wird diese aussehen?
Rabmer-Koller: Ich bin sehr stolz, dass die neue Europäische Kommission unsere langjährige Forderung nach einer KMU-Strategie aufgenommen hat. Wichtig sind dabei vor allem die Themen Bürokratieabbau, Finanzierung, Digitalisierung, Fachkräfte, Binnenmarkt und Umweltschutz.
Tips: Ihnen ist die Wertschätzung des Unternehmertums immer wichtig gewesen. Wie erreicht man diese?
Rabmer-Koller: In ganz Österreich gibt es derzeit die WKO- Kampagne 2Schaffen wir“. Bei dieser werden Unternehmen vor den Vorhang geholt und so gezeigt, welche Leistungen diese gemeinsam mit ihren Mitarbeitern für unser Land erbringen.
Tips: Das Thema Lehrlingsmangel bewegt die Wirtschaft. Wie sehen Sie die Situation?
Rabmer-Koller: Die Lehrlingsausbildung ist der Schlüssel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Daher ist es wichtig, sie noch attraktiver zu machen. Wir setzten zum Beispiel als Unternehmen verschiedenste Maßnahmen. So präsentieren wir uns in Schulen oder belohnen gute Leistungen der Lehrlinge mit Prämien. Zudem kümmern sich eigene Coaches um die Anliegen der Auszubildenden.
Tips: Warum sollte ein junger Mensch eine Lehre ergreifen?
Rabmer-Koller: Jeder sollte schauen: Wo liegen meine Talente? Wo liegen meine Fähigkeiten? Diese Fragen sollten für die Berufswahl entscheidend sein. Wichtig ist, dass man Freude an der Arbeit hat, denn dann ist man gut und kann viel erreichen. Und gerade eine Lehre bietet enorme Chancen, es stehen alle Türen offen.
Wirtschaft ist die Lösung für den Klimaschutz
Tips: Warum soll man – trotz des Risikos – Unternehmer werden?
Rabmer-Koller: Man kann eigene Ideen verwirklichen und gemeinsam mit seinem Team viel gestalten. Selbstständigkeit bedeutet zwar auch Risiken im Auge zu behalten, aber sie bietet viele Möglichkeiten und Chancen.
Tips: Mit welchen Herausforderungen müssen Unternehmer in den nächsten Jahren rechnen? Wird es schwieriger werden?
Rabmer-Koller: Die Wirtschaft läuft zurzeit gut, aber es gibt – bedingt durch Brexit und Handelshemmnisse – schon einzelne Wolken am Horizont. Die größten Herausforderungen für die Wirtschaft ergeben sich in Zukunft durch die Digitalisierung, Globalisierung und den Klimaschutz.
Tips: Klima- und Umweltschutz werden immer wichtiger. Wie sieht man dies als Unternehmerin?
Rabmer-Koller: Es ist wichtig in diesem Bereich Maßnahmen zu setzen, schließlich sind wir für unsere Umwelt verantwortlich. Aber es muss eine Win-win-Situation zwischen Umwelt und Wirtschaft geschaffen werden. Wir haben in Österreich eine Vielzahl an Firmen mit innovativen Umwelttechnologien. Durch den Export dieser Technologien schaffen wir Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unserem Land und leisten in anderen Regionen einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Zusammenfassend: Die Wirtschaft ist die Lösung für den Klimaschutz.
Tips: Welche Wünsche haben Sie als Unternehmerin an die neue Regierung
?Rabmer-Koller: Es braucht Entlastungen für die Unternehmer. Ich denke dabei etwa an Bürokratieabbau sowie die Senkung der Lohnnebenkosten und Unternehmenssteuern. Und wir müssen den Fachkräftemangel in den Griff bekommen – das gilt auch für ganz Europa. Wichtig ist auch, dass Innovationen noch stärker vorangetrieben werden können. Dies ist für mich eindeutig der Schlüssel zum Erfolg.


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