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ALTLENGBACH. Bereits in fünfter Generation fertigt Josef Gutscher in seiner Drechslerei Edles aus Holz. Mit Tips sprach der 53-Jährige über die Zukunft des alten Handwerkes.

Vater und Sohn in der Werkstatt Foto: mai
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„Drechseln ist eines der ältesten Handwerke, die es gibt und der älteste der Holzberufe“, erklärt Josef Gutscher bei einem Rundgang durch seine Werkstatt in Lengbachl – eine der wenigen aktiven Drechslereien in Niederösterreich. 1958 hatte Gutschers Vater das Gelände – es handelt sich um einen stillgelegten Steinbruch – gekauft und hier nach der Arbeit in einer Drechslerei in Altlengbach neu angefangen.

Übernahme 1991

1991 übernahm Gutscher trotz eines Handicaps – er verlor im Alter von zwei Jahren an der Hobelmaschine seines Vaters alle Finger der rechten Hand – den Betrieb. „Bis zum Jahr 2000 ist das auch gut gegangen, aber derzeit schaut es mit der Drechslerei nicht so rosig aus. Die Mode ist gegen uns. Heutzutage muss alles kantig, aus Nirosta, Glas oder Stein sein. Ich wünsche mir, dass die Liebe zu weichen Formen wieder kommt“, so Gutscher.

Familientradition

Damit die Familientradition erhalten bleibt, ist mit Sohn Josef (22) bereits die sechste Generation als Drechslergeselle im Betrieb tätig. „Wir müssen uns nach der Decke strecken und dürfen uns nicht rein auf Drechselarbeiten spezialisieren. Wir fertigen auch Gartenzäune, Griffe, Tischfüße, Bänke, Sprossen oder Hühnerställe an“, erklärt Gutscher, der auch betont, dass er in seinem Betrieb nur mit Massivholz, in erster Linie mit Eschen- und Buchenholz, arbeitet. Spezialisiert hat sich Gutscher in seiner Drechslerei auf das Fertigen von bis zu acht Meter langen Säulen.

Außergewöhnliche Projekte

„Alle paar Jahre arbeiten wir an einem Projekt, das nicht alltäglich ist“, so Gutscher. Dazu gehört etwa die Mitarbeit an einem Thron aus Baseballschlägern für eine TV-Sendung mit dem deutschen Moderatoren-Duo Joko und Klaas, oder die Fertigung von 100 Säulen für den Bahnhof am Schneeberg. „Wir haben auch Stehlampen für einen elitären Golfclub, zwei Lafetten für das Schloss Laudon oder Garten-Schachfiguren produziert“, erklärt Gutscher. Auch eine Zusammenarbeit mit dem plastischen Künstler Plamen Dejanoff, eine Mitarbeit an der Musikantenstadlbühne sowie die Fertigung von Teilen eines prunkvollen Lusters in Saudi-Arabien stand bereits auf dem Programm der Altlengbacher Drechslerei.

Bösendorfer-Flügel

Darüber hinaus steht ein Bösendorfer-Flügel im japanischen Kaiserhaus auf Beinen von Gutscher. „1870 lieferte Ludwig Bösendorfer einen Flügel nach Hongkong. 1950 brannte der Tempel, in dem der Flügel stand, ab. Um die Jahrtausendwende kam es zum Nachbau, an dem wir beteiligt waren“, so Gutscher. Auch bei einem weiteren Bösendorfer-Flügel, der nach Japan ging, arbeitete der 53-Jährige mit.

Weitergabe des Wissen

sSechs Jahre lang war der Altlengbacher als Berufsschullehrer in Wien tätig und gab sein Wissen an die zukünftige Generation weiter. Drechselkurse bei sich in der Werkstatt bietet Gutscher nicht an. „Wenn sich aber jemand eine Drechselbank gekauft hat und Hilfe braucht, komme ich gerne zu ihm nach Hause und zeige die Grundbegriffe“. Sein Wunsch sei, dass wieder mehr Menschen ans Drechseln denken würden. „Aber ein Punkt stimmt mich zuversichtlich: die Anzahl der Kunden, die an ihrem Werkstück mitarbeiten wollen oder nur eine Stunde zusehen, steigt. Das Interesse am Handwerk ist vorhanden!“ Seit über 35 Jahren ist der Altlengbacher in seinem Beruf tätig. „Das Leben hat mich dorthin gebracht, wo ich jetzt stehe, und ich habe bisher alle Möglichkeiten angenommen“, resümiert Gutscher.


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