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AMSTETTEN. Die Kunstinitiative Amstetten – KIAM – besteht seit fünf intensiven Jahren. Tips-Redakteur Norbert Mottas bat den Obmann Wilfried Leitner zum Interview

Der Obmann der Kunstinitiative Am-stetten, Wilfried Leitner Foto: mott
Der Obmann der Kunstinitiative Am-stetten, Wilfried Leitner Foto: mott

Tips: Als KIAM gegründet wurde, gab es schon andere Kulturvereine. Was war der Beweggrund, einen neuen Verein zu gründen?

Leitner: Der Kulturverein Am-stetten rund um Leopold Kogler ist in der Blaugelben Galerie aufgegangen. Und der Verein Andreas Steiners war auf sehr hohe Qualität ausgerichtet. Unser Bestreben war es, eine Plattform für den Austausch auch für die breite Masse einzurichten, in der auch Hobbykünstler eine Heimat finden. Andreas Steiner war ein Gründungsmitglied von KIAM. Die Idee kam von der damaligen Kulturstadträtin Ulrike Königsberger-Ludwig. Sie empfahl uns, einen Verein zu gründen. Dann könne sie uns besser helfen.

Tips: Wie hat sich der Verein dann entwickelt?

Leitner: Am Anfang waren wir neun Leute, bald waren es 27 und derzeit besteht der Verein aus 60 Mitgliedern, von denen fünf unterstützende Mitglieder sind, alle anderen sind Kunstschaffende.

Tips: Welche Aktivitäten setzte KIAM bis jetzt?

Leitner: Besonders beliebt waren die Stammtische unter dem Titel Kunstdialoge. Bei diesen stellte immer ein Mitglied sich und seine Kunst vor. Diese Stammtische fanden im Hotel Exel statt.Mit der Galerie in der Wiener Straße haben wir jetzt die Möglichkeit, kleine Workshops zu gestalten. Wir treffen uns jeden Donnerstag und die erfahrenen Mitglieder stehen den anderen mit Rat und Tat zur Seite – natürlich ehrenamtlich. Im Dezember starten wir mit Akt- und Portraitmalerei.

Tips: Wie ist das Verhältnis zu anderen Kulturvereinen?

Leitner: Austausch mit anderen Kulturvereinen ist sehr wichtig, damit man nicht zu sehr in seinem eigenen Fahrwasser stecken bleibt. So haben wir zum Beispiel sehr guten Kontakt zum Waidhofner Künstlerstammtisch. Das ist sehr befruchtend für beide Seiten.

Tips: Auch nach außen ist KIAM sehr aktiv. Was waren die wichtigsten Ausstellungen?Leitner: In den fünf Jahren veranstalteten wir 30 Ausstellungen, Workshops und andere Projekte. Zwei große Ausstellungen fanden im Schloss Ulmerfeld statt und beschäftigten sich auch mit politischen Themen: „Ausstellung Frauen(an)sichten“ und „Kraft der Linie – kunst im kontext“.

Die größte Ausstellung allerdings war „weggehen – ankommen – wo bleiben? Künstler für ein miteinander“ im Rahmen des Viertelsfestivals in der Rathausgalerie Amstetten. Mir kam diese Idee, als ich erfuhr, dass in Amstetten Menschen aus 70 Ländern leben. Es galt, 70 Künstler zu finden und 70 Menschen aus all den Ländern, die sich portraitieren lassen. Diese zu finden und zu überzeugen war eine schwere Herausforderung. Schließlich gibt man viel von sich preis, wenn man portraitiert wird. Unter den Künstlern waren viele aus der Region, aber sogar ein Künstler aus der Türkei, Bastan Mustafa, machte mit. Dieser gestaltet Portraits in Form von Fadenbildern.Heiner Brachner wiederum führte mit allen Menschen Interviews, die je eine Stunde dauerten. Daraus destillierte er je fünf Zeilen, die auf den Displays in der Stadt zu lesen waren.

Das Projekt – auch mit der Eröffnungsveranstaltung – ist sehr gelungen und es hat große Wellen geschlagen. So gab es etwa in Seitenstetten ein Projekt zum Thema 70 Jahre Menschenrechte, bei dem 25 der Portraits ausgestellt wurden. Und der Künstler Bastan Mustafa hat bereits angefragt, ob er ein derartiges Projekt auch in der Türkei machen dürfe.

Eine sehr anregende und gelungene Veranstaltung war „Tonkunst Kunsttöne“ in der Remise mit einem hochkarätig besetzten Ensemble rund um Josef Burchartz, das den Bildern von zwölf Künstlern gegenübergestellt wurde. Mit dem Projekt war allerdings auch sehr viel Arbeit verbunden. Ein derart großes Projekt würde ich heute nicht mehr angehen.

Tips: Warum ist Kunst wichtig?

Leitner: Kunst ist eine Notwendigkeit, den Alltag zu meistern. Kunst gehört zur Qualität des Lebens. Ohne Kunst wären wir arm. Kunst zeigt einem schöne Dinge und lässt einen in andere Seelen schauen.

Tips: Muss Kunst schön sein?

Leitner: Nein. Wenn etwas eine Aussage hat, dann ist es hilfreich, wenn es nicht schön ist. Schönheit lenkt ab. Kunst, die sich mit sozialen und humanitären Themen beschäftigt, kann keine schönen Bilder hervor bringen. Kunst muss auch nichts darstellen. Als der Bildhauer Alois Lindenbauer seine „Weyer Bögen“ auflegte, wurde er gefragt: „Und was soll das darstellen?“ Darauf antwortete er mit der Gegenfrage „Muss Kunst was darstellen?““

Tips: Die Weyrer Bögen haben ja etwas Wirbel hervorgerufen.

Leitner: Ja, allerdings gab es nicht gegen das Kunstwerk Widerstand, sondern gegen den Standort, einer beliebten Rodelwiese. Wir haben die Bögen dann abgebaut und in meinem Garten öffentlich sichtbar wieder aufgebaut, wo sie durchaus wahrgenommen wurden.

Tips: Wie schaut es bei KIAM mit der Jugend aus?

Leitner: Es ist ein großes Glück, dass Jugendliche auf uns zu kommen. So konnten wir im Juni die Ausstellung „Junge Kunst“ zeigen. Sehr wertvoll in dem Zusammenhang sind die Kreativ­akademien.

Kunstinitiative Amstetten KIAM

www.kiam.co.at


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