Südkorea: 36 700 Jahre Haft wegen Wehrdienstverweigerung
Seit 1953 werden in Südkorea junge Männer, die den Dienst mit der Waffe aus Gewissensgründen verweigern, kompromisslos strafrechtlich verfolgt und inhaftiert. Bis heute wurden mehr als 19 300 Zeugen Jehovas zu insgesamt über 36 700 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Doch jetzt bahnt sich eine historische Wende an.
Franz Michael Zagler, Beauftragter für Nachrichten der Zeugen Jehovas, fasst zusammen: „Am 28. Juni 2018 erklärte das Verfassungsgericht von Südkorea erstmalig in der Landesgeschichte einen Teil des koreanischen Wehrdienstgesetzes als verfassungswidrig, da es für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen keinen alternativen Dienst vorsieht. 65 Jahre lang wurden Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen auf Grundlage dieses Gesetzes eingesperrt, was durch diese richtungsweisende Gerichtsentscheidung nun abgewendet werden könnte.
Wenn Koreas Oberster Gerichtshof künftig Fälle von Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen behandelt, kann er sich auf dieses Urteil des Verfassungsgerichts stützen. Die koreanische Regierung ist außerdem verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2019 einen alternativen Dienst für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen einzurichten.
Südkorea hat zwar 1990 den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) unterzeichnet, aber bisher nicht ausreichend reagiert. Südkorea hat seine Haltung wiederholt damit begründet, die Einführung des Zivildienstes würde die nationale Sicherheit gefährden. Außerdem gäbe es in Südkorea keine einstimmige Meinung zum Thema Zivildienst.“
Zagler weiter: „Jehovas Zeugen stellen in keinem Land der Erde eine religiöse, politische oder militärische Bedrohung dar. Die Gründe, warum wir nicht zu den Waffen greifen, lassen sich im Wesentlichen in 4 Bereiche gliedern:“
Weil wir uns an Gottes Gebot halten. Denn in der Bibel steht: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen ..., auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen“ (Jesaja 2:4).
Weil wir uns an Jesu Gebot halten. Jesus wies Petrus an: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Platz, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26:52). Damit machte Jesus deutlich, dass seine Nachfolger nicht zu den Waffen greifen. Jesus gab seinen Jüngern außerdem das Gebot, „kein Teil der Welt“ zu sein. Christen halten sich also aus politischen Angelegenheiten völlig heraus (Johannes 17:16). Sie protestieren zum Beispiel nicht gegen Militäreinsätze. Sie mischen sich aber auch nicht ein, wenn sich andere für den Wehrdienst entscheiden.
Weil wir unseren Nächsten lieben. Jesus gebot seinen Jüngern, einander zu lieben (Johannes 13:34, 35). Sie würden also eine internationale Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern sein, in der keiner jemals gegen den anderen in den Krieg zieht (1. Johannes 3:10-12).
Weil wir dem Vorbild der Urchristen folgen. Der Religionswissenschaftler und Theologe Dr. Martin Bauschke schrieb: „Jesu Gebot der Nächstenliebe, ja der Feindesliebe ... [bildete“ das ethische Rückgrat“ des Christentums. „Deshalb galt der Kriegsdienst bei den Kirchenvätern als unvereinbar mit dem Christentum.“ Und auch der Theologe Peter Meinhold stellte die „Unvereinbarkeit des Christ- und Soldatseins“ zur Zeit der ersten Christen fest.
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