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AMSTETTEN. Der Historiker, Buchautor und Mostviertel-Ethnologe Heimo Cerny bekommt den Kulturpreis des Landes Niederösterreich für seine Verdienst in der Erwachsenenbildung.

Der Historiker und Mostviertel-Ethnologe Heimo Cerny Foto: mott
Der Historiker und Mostviertel-Ethnologe Heimo Cerny Foto: mott

AMSTETTEN. Mit dem Amstettner Heimo Cerny wird einer der profundesten Kenner der Geschichte des Mostviertels mit dem Kulturpreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet. Er bekommt den Würdigungspreis in der Kategorie Erwachsenenbildung, insbesondere für seine Erforschung der Kulturgeschichte des Mostes und der bäuerlichen Architektur der Vierkanter.

Im Jahr 2010 begann ein richtiger Hype um die Vierkanthöfe des Mostviertels. Ein Motor dieses Interesses an Vierkantern war Heimo Cerny, der in so gut wie in allen Gemeinden an die 40 Vorträge über Vierkanter hielt – jeweils mit Fotos und interessanten Geschichten des jeweiligen Ortes. Diese Vorträge hatten den Charakter von Pop-Konzerten: Sie waren immer sehr gut besucht und nach dem Vortrag wurde Cerny mit Fragen bestürmt oder von Leuten, die ihm ihre Vierkanter-Geschichte erzählen wollten.

Cerny kennt so gut wie alle Besitzer von Vierkantern und alle Besitzer kennen Cerny. Für Journalisten, die über Vierkanter berichteten, war Cerny einerseits ein Türöffner, denn wer sich auf Cerny berufen konnte, hatte bei den Landwirten einen Vertrauensvorschuss. Zusätzlich versorgte Cerny die Journalisten mit wertvollen Informationen.

Vierkanter-Buch

Diese intensive Beschäftigung mit Vierkantern gipfelte in einem umfangreichen Buch, das Cerny im Jahr 2012 veröffentlichte. „Vierkanter – Wahrzeichen des Mostviertels“ ist 300 Seiten stark und es bietet einen umfassenden Einblick in die Welt der Vierkanter, deren Geschichte, der Kultur rund um die Vierkanter und vor allem die Menschen, die in Vierkantern leben. Was Vierkanter und Mostkultur anbelangt, ist Cerny ein wandelndes Lexikon und er kann fesselnd davon erzählen.

Most: Vom Haustrunk zum Wirtschaftsfaktor

Cerny belegt, dass die Vierkanter weder Wehranlagen sind, noch auf das römische Atriumhaus zurück gehen. Vielmehr verweisen die Vierkanter auf einen Reichtum, den die Bauern – nicht zuletzt dank des Mosthandels – erarbeitet hatten und den sie selbstbewusst zur Schau stellten, indem sie sich Burgen bauten. Die Bauern haben das kopiert, was der Adel vorgegeben hat.Der Most war ursprünglich ein bäuerlicher Haustrunk. Zu trinken gab es nur Wasser und Most. Bier und Wein gab es nur selten zu besonderen Anlässen. Doch Most war nicht nur ein Getränk, sondern auch ein Nahrungsmittel mit vielen Vitalstoffen. Er ist sehr kräftigend. Das haben die Bauern sehr wohl kalkuliert: Je mehr das Gesinde Most getrunken hat, desto weniger wurde gegessen. Cerny: „Wenn der Knecht zum Mittagessen zwei Krügerl Most getrunken hat, dann hat er kein zweites Bratl gebraucht.“

Veltliner mit Most

Und dazu kam die soziale Revolution: Die Arbeiter in den aufkommenden Industriebetrieben tranken in den Wirthäusern „a Kriagl Most weu“s ned vü kost“.Dann kam die Eisenbahn als probates Transportmittel. Der Most wurde an Wirtshäuser verkauft. Und nicht nur Wirte haben den frischen Most mit Wein verpanscht. Es gibt auch Fotos die beweisen, dass damals Bauern mit Most beladenen Zillen zu den Weinbauern fuhren. Zwischen frischem jungen Most und frischem Veltliner ist nicht viel Unterschied und das haben sie verpanscht.

Was Cerny über die Mostkultur erzählen kann, füllt ein eigenes Buch. Der Impuls, dieses Buch über den Most zu schreiben, kam vom damaligen Bezirkshauptmann Johann Kandera, der mit Cerny befreundet ist. Als gebürtiger Waldviertler wunderte er sich, warum es im Mostviertel nirgends Most in den Gasthäusern gab. Er ermuntere Cerny, ein Buch über den Most zu schreiben. Im Jahr 1996 brachte Cerny sein Mostbuch heraus. Das war in dem Jahr als in Neuhofen das 1.000-jährige Bestehen des Namens Ostarrichi gefeiert wurde. Damit einher ging auch eine Aufwertung des Mostviertels als touristisches Ziel.

Kulturraum Forstheide

In der Zwischenzeit gibt es von Heimo Cerny zahlreiche Publikationen. Ganz druckfrisch ist sein Buch „Kulturraum Forstheide“, das auch Beiträge von Menschen enthält, die mit der Forstheide verbunden sind und das am Dienstag, 19. November, um 19 Uhr im Rathaussaal Amstetten im Rahmen der Kulturwochen vorgestellt wird. Da die Forstheide genau am Tag der Drucklegung unangekündigterweise von der Gemeinde Amstetten gekauft wurde, kann auf diesen Umstand nur mit einem Beizettel zum Buch hingewiesen werden.

Im Buch „Kulturraum Forstheide“ möchte Cerny darauf hinweisen, dass die Forstheide ein historisch hochinteressanter Raum ist. Davon zeugen Funde, die bis in die Steinzeit zurück reichen. Aber auch Relikte aus der Nazi-Zeit sind in der Forstheide zu finden. Die siedlungsgeschichtlich wichtigste Zeit war die Römerzeit aus der es viele bedeutende Funde gibt. Aus dieser Zeit gibt es Darstellungen von keltischen Frauen, die von ihrer Physiognomie her schon sehr an heutige Mostviertlerinnen erinnern – zu finden im besagten Buch.


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