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Interview: Corona verursacht angespannte Lage auch im Landesklinikum Amstetten

Michaela Aichinger, 29.03.2021 15:53

AMSTETTEN. Die durch Mutationen noch schneller steigende Zahl an Corona-Neuinfektionen mit oftmals schweren Verläufen bringt Krankenhäuser ans Limit. Tips bat Primarius Bernhard Bacher, den ärztlichen Leiter des Landesklinikums Amstetten, um eine Stellungnahme zur aktuellen Lage.

  1 / 2   Mit Stand 29. März wurden im Landesklinikum Amstetten Covid-Patienten im Alter von 26 bis 80 Jahren behandelt. Foto: Landesklinikum Amstetten

Tips:Herr Primar, wie sieht aktuell die Lage auf der Intensivstation des Landesklinikums Amstetten aus?

Primarius Bacher: Es herrscht zurzeit eine angespannte Lage.

Tips:Wie viele Covid-Patienten befinden sich derzeit auf der Intensivstation, wie viele auf der Covid-Station?

Bacher: 18 Patienten befinden sich auf unserer Covid-Station und sechs Patienten müssen auf der Intensiv behandelt werden.

Tips:Wie sieht die Altersverteilung bei den Covid-Patienten aus?

Bacher: Bei uns im Klinikum behandeln wir derzeit Covid-Patienten im Alter von 26 bis 80 Jahren. Großteils liegt der Altersschnitt zwischen 50 und 70 Jahren.

Tips:Wie lange müssen Covid-Patienten derzeit durchschnittlich intensivmedizinisch betreut werden?

Bacher: Die Behandlung auf der Intensivstation dauert sehr lange – oft sogar bis zu mehreren Wochen.

Tips:Müssen in Amstetten bereits Operationen, die nicht dringlich sind, verschoben werden?

Bacher: Ja, es ist notwendig, elektive Eingriffe zu verschieben, um die personellen Kapazitäten für die Behandlung dieser aufwendigen Intensivtherapie stellen zu können.

Tips:In ganz Niederösterreich gibt es 333 Intensivbetten – wie viele sind derzeit noch frei?

Bacher: Die Lage der freien Intensivbetten ändert sich täglich. Derzeit [Anm.d.Red.: 29. März“ sind 68 Betten frei.

Tips:Wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen Landeskliniken? Was passiert, wenn in einem Landesklinikum keine Intensivbetten mehr frei sind?

Bacher: Es gibt eine sehr gute Kooperation über das gesamte Bundesland. Wir sehen gemeinsam die vorhandenen Kapazitäten und tauschen uns in gemeinsamen virtuellen Sitzungen regelmäßig aus. Natürlich kommt es über die Standorte zu Patientenübernahmen, sobald dies notwendig ist. Im ersten Schritt in den Regionen und dann auch überregional. Denn auch lange Transporte stellen für Patienten ein Risiko dar. Außerdem sind große Entfernungen auch für Angehörige eine zusätzliche Belastung in dieser schwierigen Zeit. Darüber hinaus muss man erwähnen, dass es in Niederösterreich zwei Intensivkoordinatoren gibt, die jederzeit hilfreich für die Koordination der notwendigen Betten zur Verfügung stehen.

Tips:Was ist derzeit die größte Herausforderung im Landesklinikum? Wie groß ist die Belastung für das medizinische Personal sowie für das Pflegepersonal?

Bacher: Die Situation stellt für das gesamte Personal eine hohe körperliche Belastung in der Betreuung der Intensivpatienten dar und für alle eine sehr hohe emotionale Belastung aufgrund der Unmöglichkeit einer längerfristigen Planbarkeit. Ebenso belastend ist die Aussicht, dass die Phase der hohen Fallzahlen, wie wir dies im November gesehen haben, über vier bis sechs Wochen zu einer hohen Belastung im Krankenhaus führt.

Tips:Ist der Oster-Lockdown für Sie als medizinischer Experte zu kurz gegriffen? Wenn ja, wie lange müsste er dauern, damit sich die Lage auf den Intensivstationen entschärft?

Bacher: Sehr wichtig in der momentanen Situation ist es, dass die Anzahl der intensivpflichtigen Covid-Patienten nicht weiter ansteigt. Dies wird sich nur umsetzen lassen, wenn die Zahl der Covid-Neuinfektionen rasch gesenkt wird. Die Dauer eines Lockdowns sollte man nach den Fallzahlen und der Belastung der Intensivstationen richten, da man letztlich eine gute Korrelation mit diesen Parametern und der wöchentlichen Inzidenz sieht.


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