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MOSTVIERTEL. Die höheren Schulen des Bezirks Amstetten stellen sich den Corona-Maßnahmen mit Zuversicht. Schulsprecherinnen und Schulsprecher berichten von ihren Erfahrungen.

  1 / 4   Schülervertretung im Bundesgymnasium Amstetten: Schulsprecherin Lea Lindenhofer (r.) mit ihrer Stellvertreterin Patalapon Maderthaner (l.) Foto: BG Amstetten

MOSTVIERTEL. Noah Prigl ist Schulsprecher der HAK Amstetten. Ein wichtiger Effekt von Distance-Learning und Homeschooling, den er in seiner Schule beobachtet hat, besteht darin, dass die Schüler die Anwesenheit in der Schule und den Präsenzunterricht zu schätzen gelernt haben.

Präsenzunterricht wird mehr geschätzt

„Beim Präsenzunterricht können wir uns notenmäßig batteln, das ist ein Ansporn, der beim Homeschooling fehlt.“ Die Maskenpflicht in der Schule stößt zwar auf unterschiedliche Begeisterung. Aber die meisten erkennen, dass das Maskentragen notwendig und sinnvoll ist.

Technisch gibt es keine Probleme mit dem Homeschooling, da alle HAK-Schüler mit einem Laptop ausgestattet sind und auch die entsprechenden Fertigkeiten mitbringen.

Die Maturaklassen freuen sich darüber, dass die mündlichen Prüfungen entfallen. Einige wenige werden sie allerdings freiwillig absolvieren.

Was die Schüler stört, ist die Ungewissheit: etwa, wie die Situation nach Ostern aussehen wird.

Grundsätzlich sieht Prigl, dass bei den Schülern der HAK Amstetten die Zuversicht überwiegt.

Unterschiedliche Reaktionen in der HLW Haag

Martha Schmid, Schulsprecherin der HLW Haag, berichtet, dass die Schülerinnen und Schüler unterschiedlich auf die Corona-Maßnahmen reagieren: „Manche finden das Homeschooling sehr cool, da sie sich die Arbeit selbst einteilen und entscheiden können, wann sie die Arbeiten erledigen. Aber es gibt auch Schülerinnen, die schon psychische Probleme und Angststörungen haben.“ Schmid erklärt, dass in jeder Klasse – unabhängig vom Jahrgang – ein, zwei Schüler betroffen sind. In dem Zusammenhang lobt Schmid die psychologische Betreuung an der HLW Haag: „Betroffene kommen zu mir, zum Klassenvorstand oder zum Herrn Direktor [Reinhold Meyer, Anm.“ und wir vereinbaren einen Termin beim Schulpsychologen. Da steht die Schule voll dahinter.“

Auch für die Lehrer seien die Maßnahmen stressig. Da Online- und Präsenzunterricht gleichzeitig stattfinden, müssen die Lehrer das unter einen Hut bringen.

Großer Zusammenhalt

Die Lehrer bemühen sich laut Schmid sehr. Sehr bemüht sich auch die Administratorin Astrid Kornüller, die die Stundenpläne einteilt. Schmid: „Manchmal wundere ich mich, wie sie das schafft, es allen recht zu machen.“

Besonders freuen sich alle auf den Präsenzunterricht: „Das ist die einzige Möglichkeit, legal mit der ganzen Klasse zusammen zu sein. Oft haben wir so viel zu erzählen, dass der Unterricht fast zu kurz kommt.“

Schmid berichtet, dass es in der HLW großen Zusammenhalt in allen Klassen gebe und die Schüler einander unterstützen.

Einen Wechsel in der Kommunikation beobachtet Schmid: Während sich die Arbeit immer mehr ins Internet verlagert, geht die private Kommunikation weg von Social Media und hin zum persönlichen Gespräch.

Die Maturaklassen freuen sich, dass die mündliche Matura freiwillig ist. Trotzdem wollen viele antreten.

Was Schmid kritisiert, ist der mangelnde Informationsfluss von den Entscheidungsträgern in Richtung Schule: „Meist erfahren wir über den ORF, welche neuen Regeln es gibt. Zum Beispiel, ob es im Maturazeugnis vermerkt ist, ob man die mündliche Prüfung absolviert hat. Doch diese Information ist für viele entscheidend, ob sie die Matura mündlich absolvieren wollen.“

Erleichterung in der HLW Amstetten

Auch in den Maturaklassen der HLW Amstetten ist die Erleichterung bezüglich der coronabedingten Regelungen groß, berichtet Schulsprecherin Sarah Schedlmayer. „Zu Beginn der Pandemie standen besonders die Maturanten unter großem Druck – das ist jetzt besser“, so Schedlmayer, die die schulischen Corona-Regelungen – also das Aufsteigen mit einem Fünfer, eine Schularbeit pro Semester oder die freiwillige mündliche Matura – als „großes Entgegenkommen“ der politischen Entscheidungsträger sieht.

„Wird uns nichts geschenkt“

„Wir müssen ja trotzdem etwas für unsere Noten tun. Es wird uns nicht alles geschenkt“, unterstreicht die Schulsprecherin. Von einem Tag auf den anderen seien alle Schüler in die Selbstständigkeit gestoßen worden: „Wir müssen jetzt viel selbst regeln und uns selbst motivieren. Den inneren Schweinehund zu überwinden, ist manchmal besonders schwierig“, so Schedlmayer, die den derzeitigen Einsatz von Schülern mit dem von Studenten vergleicht. Insgesamt fühlt sich die HLW-Schulsprecherin von der Politik „gehört und gesehen“. Auch die Verbindung zwischen Lehrerteam und Schulleitung sei „unglaublich“. Die Mischform aus Distance-Learning und Präsenzunterricht funktioniere ebenfalls sehr gut. „Die aktuelle Situation ist besser als das reine Homeschooling. Wenn wir Schüler uns jetzt im Präsenzunterricht sehen, dann schätzen wir das noch viel mehr.

„Wir sind definitiv keine verlorene Generation“

Wir haben uns in dieser Zeit noch mehr gefunden“, berichtet Schedlmayer, der ein Punkt besonders am Herzen liegt: „Wir Schüler zeigen gerade, dass wir auch mit herausfordernden Situationen umgehen können und dass wir uns um gute Noten bemühen. Wir wollen zeigen, was wir können – es wird uns auch nahegelegt, die mündliche Matura zu absolvieren. Wir sind definitiv keine verlorene Generation.“

„Organisationsniveau auf Uni-Level“

Auch Lea Lindenhofer, Schulsprecherin des Bundesgymnasiums Amstetten, betont die enorme Leistung, die Schüler jeden Alters derzeit erbringen müssen. „Gerade im Distance-Learning ist es wichtig, sich organisieren zu können. Das Organisationsniveau liegt derzeit auf Uni-Level. Besonders für jüngere Schüler, die familiär wenig Unterstützung erfahren, ist das sehr schwierig. Um sie mache ich mir Sorgen“, so Lindenhofer. Insgesamt habe sich aber die Mischform aus Homeschooling und Präsenzunterricht eingespielt. „Ich bin sehr stolz darauf, was wir als Schule schon gemeinsam geschafft haben“, betont die Schulsprecherin.

„Die Situation ist sehr motivationsraubend“

Eine der größten Herausforderungen sieht Lindenhofer in Sachen Motivation: „Die Situation ist sehr motivationsraubend. Soziale Kontakte in der Freizeit müssen reduziert werden, man sitzt daheim alleine vor dem Bildschirm. Es fehlen die Anhaltspunkte. Es ist wichtig, dass man mehr auf diese Thematik schaut. Lehrer sollten Schülern mehr Lob aussprechen und versuchen, sie zu motivieren“, erklärt Lindenhofer. Besonders schwierig sei die Situation für Maturanten: Für sie sei die Situation oft enorm stressig, manche fühlen sich der Schulsprecherin zufolge vernachlässigt. Den Grundstock für die Matura hätten sich die Schüler coronabedingt selbst beigebracht. „Die Corona-Regelungen erleichtern natürlich vieles. Die Situation und die Umstände verlangen auch Maßnahmen. Ich kenne Schüler, die immer gute Noten hatten und jetzt auf einmal leistungsmäßig absacken. Es war gut, die Aufsteige-Kriterien zu mildern. Man kann nicht von Schülern Leistungen verlangen, die sie situationsbedingt nicht erbringen können“, ist Lindenhofer überzeugt.

„Schülern Halt geben“

Die Hoffnung aller Schüler auf Normalität sei jedenfalls sehr groß. „Die vielen kleinen Lockdowns finde ich nicht gut. Nach jedem kleinen Lockdown steigt die Frustration. Es wäre besser, einen großen Lockdown zu machen und dann die Schulen wieder für alle zu öffnen“, findet die Schulsprecherin und meint weiter: „Ich würde es auch ganz wichtig finden, dass man Lehrer erinnert, dass sie stolz auf ihre Schüler sein können und dass es wichtig ist, sie zu unterstützen und ihnen Halt zu geben. Auch in einer Krise dürfen wir die soziale Ebene nicht vergessen. Nur so kommen wir gemeinsam gut durch diese Zeit.“


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