Im Hofgarten Seitenstetten soll ein "lebendiger Gartenverein" entstehen
SEITENSTETTEN. Seit 25 Jahren pilgern Gartenfreunde und Erholungssuchende in den Historischen Hofgarten des Stiftes. Für Gestaltung und Konzept der Anlage ist Stefan Kastenhofer zuständig. Tips stattete ihm einen Besuch ab.

Der Hofgarten Seitenstetten hat sich zweifelsohne zu einem wahren Besuchermagnet entwickelt: rund eine Million Menschen sind seit 1996 durch die ansprechende Gartenanlage flaniert. Seit 2015 liegt die Planung des Hofgartens in den Händen von Stefan Kastenhofer, der mit dem Bognerhof in St. Peter/Au als selbstständiger Gärtner im Einsatz ist.
Berufswahl Gärtner
Dass Kastenhofer den Beruf des Gärtners ergreifen würde, hat sich bereits sehr bald abgezeichnet: „Ich hatte schon als Kind mein eigenes kleines Gartenreich mit Teich. Kurz habe ich bei der Berufswahl zwischen Koch und Gärtner geschwankt, aber das passt ja gut zusammen“, schmunzelt Kastenhofer. Nach der Ausbildung zum Gärtner arbeitete der heute 42-Jährige bereits einige Zeit im Hofgarten, bevor es ihn in die Ferne zog. Doch der Kontakt zu Seitenstetten brach nie ab. „Als mir die Funktion des Gartenleiters angeboten wurde, musste ich nicht lange überlegen“, blickt Kastenhofer zurück.
Gartenkulturelles Gesamterlebnis
Sein Anliegen ist, ein „gartenkulturelles Gesamterlebnis“ zu schaffen: „Ich möchte nicht Schaugarten für Schaugarten kleinteilig abhandeln. Mir geht es um ein durchgängiges Gartenbild mit übergeordneter Gesamtgestaltung. Trotz unterschiedlicher Inhalte soll der Garten ein harmonisches Ganzes bilden“, erklärt der Gärtner. Der Hofgarten vereint demnach verschiedenste Bereiche wie einen Rosengarten, einen Bauerngarten, einen Obsthain oder etwa ein barockes Parterre. All das ist harmonisch miteinander verbunden.
„Zeitfeld“ als gedankliches Experiment
Vor drei Jahren ist an der Westseite des Gartens eine Spezialitätengärtnerei sowie das „Zeitfeld“ entstanden. Letzteres ist Kastenhofer ein besonderes Anliegen: „Das „Zeitfeld“ ist ein gedankliches Experiment. „Zeit“ bezieht sich auf die langjährige Tradition des Stiftes sowie auf die Tugenden des Gärtners: nämlich Gelassenheit und Geduld. Gewisse Dinge muss man abwarten können“, erklärt Kastenhofer. Auf dem „Zeitfeld“ ist mittels Konglomeratfelsen die geologische Vergangenheit des Bodens sichtbar. Auch ein Steinkreis ist im Entstehen. Zudem sind in diesem Bereich zwölf alte Erdäpfel-Sorten eingelegt – eine Hommage an die Erdäpfel-Pioniere des Stiftes, wurden doch in Seitenstetten die ersten Erdäpfel des Landes angebaut.
„Gärtnern ist ein Handwerk“
Gärtnerisches Wissen weiterzugeben, ist Kastenhofer ebenfalls sehr wichtig. „Gärtnern ist ein Handwerk, das man erlernen muss. Man hat ja mit Lebewesen zu tun. Pflanzen müssen gehegt, gepflegt und geliebt werden. Das geht alles nicht, ohne sich zuvor Wissen angeeignet zu haben. Von Nichts kommt Nichts“, erklärt der Gärtner, dem daher auch die Gartenakademie im Hofgarten ein großes Anliegen ist. Das Kursprogramm reicht von Strauchschnitt und Wildblumen über das Anlegen eines Gartens bis hin zum Aquarellieren von Pflanzen. “Mir ist es wichtig, auch Kinder an das Gärtnern heranzuführen. Die Berührung mit der Natur ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich“, macht Kastenhofer aufmerksam.
Finanziell herausfordernd
Dass eine derartige Gartenanlage nicht nur liebevolle Pflege und Zeit beansprucht, sondern auch finanziellen Einsatz erfordert, liegt auf der Hand. Durch die Corona-Krise sind die beliebten und stark frequentierten Pflanzenmärkte zum Teil ausgefallen. „Das hat uns finanziell hart getroffen. Und auch schon vor Corona war die Finanzierung ein Thema. Ich möchte daher einen Förderverein zur Unterstützung der Gartenkultur in Seitenstetten gründen“, erklärt Kastenhofer. Dafür sucht er Spender, aber auch Freiwillige, die im Rahmen des Fördervereins im Garten mithelfen.
„Lebendiger Gartenverein“
„Ich stelle mir einen lebendigen Gartenverein vor. Hier könnten wir auch im Bereich Gartenakademie mehr machen. Vielleicht gibt es ja auch den einen oder anderen pensionierten Pädagogen, der für Kinder Workshops gestalten möchte. Interessierte können sich gerne im Stift melden“, lädt Kastenhofer ein.
Ob die beliebten Gartentage von 11. bis 13. Juni stattfinden können, ist dem Gartenleiter zufolge noch nicht sicher, da gebe es noch viele Fragezeichen. Doch es lässt sich auch ohne Veranstaltung auf dem Gelände des Hofgartens viel erkunden. Im Glashaus beim Eingang gibt es beispielsweise derzeit eine Sonderausstellung zum Thema „400 Jahre Erdäpfel“.


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