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AMSTETTEN. Seit fast 20 Jahren ist Ulla Obereigner (32) Mitglied im Amstettner Symphonieorchester. Nun hat sie die Position der Konzertmeisterin übernommen. Tips bat die Amstettner Violinistin zum Gespräch.

Violinistin und Jung-Mama Ulla Obereigner im Tips-Interview (Foto: Gerhard Sengstschmid)
  1 / 2   Violinistin und Jung-Mama Ulla Obereigner im Tips-Interview (Foto: Gerhard Sengstschmid)

Tips: Am 14. November findet das Herbstkonzert des Amstettner Symphonieorchesters statt. Sie sind Konzertmeisterin. Was darf sich ein musikalischer Laie unter dieser Funktion vorstellen?Ulla Obereigner: Ich verstehe mich in dieser Position mehr oder weniger als „Vermittlerin“ zwischen Orchester und Dirigenten. Natürlich gibt der Dirigent Tempo und musikalische Gestaltung vor, allerdings bleibt da – vor allem bei einem Amateurorchester – immer noch viel Interpretationsspielraum. Meine Aufgabe ist es unter anderem dafür zu sorgen, dass das Orchester wirklich zusammenspielt und im Tempo bleibt. Beim gemeinsamen Musizieren basiert viel auf Körpersprache beziehungsweise Wahrnehmung auf multiplen Ebenen. So versuche ich zu zeigen, wann das Pizzicato wirklich gemeinsam gespielt wird, wie lange der Bogen gehalten wird etc. Was viele oft völlig unterschätzen, ist außerdem die intensive Probenarbeit, die so einem Konzert vorausgeht. Als Konzertmeisterin kommen mir da teils sehr wichtige Aufgaben zu. Ich versuche, die Anliegen des Dirigenten so zu „übersetzen“, dass sie dann auch so klingen, wie er sich das wünscht. Das betrifft zum Beispiel Stricharten oder die Bogentechnik bei den Streichern. Es steht nämlich bei weitem nicht alles in den Noten – viele musikalische Details entstehen erst durch die Probenarbeit.

Tips:Im Zentrum des Konzertes stehen Werke von Ludwig van Beethoven. Welche Bedeutung hat dieser Komponist für Sie – was ist das Spannende an seinem Werk?

Ulla Obereigner: Beethoven zählt natürlich auch für mich zu den ganz großen Komponisten. Ich liebe seine Symphonien, seine Klavierkonzerte und natürlich sein Violinkonzert. Für mich ist er der Meister der Entwicklung und Verarbeitung von musikalischen Themen. Außerdem arbeitet er sehr stark mit Effekten – als Musiker gilt es, diese äußerst präzise auszuführen, sodass sie auch beim Publikum ankommen. Ich hoffe, dass uns das beim Herbstkonzert am Sonntag gelingt!

Tips: Wie und wann haben Sie eigentlich Ihre Leidenschaft für die Violine entdeckt und wie sieht ihr musikalischer Werdegang aus?

Ulla Obereigner: Meine Eltern haben mich durch Konzertbesuche bereits früh an die klassische Musik herangeführt. Die Violine faszinierte mich immer besonders und mit sieben Jahren begann ich an der Amstettner Musikschule dieses anspruchsvolle Instrument zu erlernen. Meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt, aber nie Druck ausgeübt, wofür ich ihnen bis heute sehr dankbar bin. Nach der Matura am Amstettner Gymnasium habe ich die Aufnahmeprüfung für die Musik und Kunst Privatuniversität Wien (damals Konservatorium der Stadt Wien) gemacht und dort mein Studium bei Prof. Gernot Winischhofer begonnen und 2014 mit dem Master abgeschlossen. Ein Auslandssemester in Moskau und zahlreiche Meisterkurse rundeten meine Ausbildung ab. Danach führte mich mein Weg in die Berufsorchesterwelt. Ich absolvierte ein Praktikum im Luzerner Sinfonieorchester und wurde daraufhin dort sowie auch im Bruckner Orchester Linz und im Tonkünstler Orchester Niederösterreich als Substitutin engagiert. Derzeit bin ich hauptsächlich als freiberufliche Musikerin in der Umgebung tätig, da ich sozusagen frisch aus der Babypause komme und sich die vielen Reisen und unregelmäßigen Arbeitszeiten natürlich nicht so gut mit dem Lebensrhythmus einer jungen Familie vertragen. Auch die Corona-Pandemie hat mir ehrlich gesagt– wie wohl vielen freischaffenden Musikern – teilweise ein Loch in die für Freelancer sehr wichtigen Netzwerke gerissen. Ich hoffe natürlich, dass sich dies in den nächsten Jahren wieder ändert.

Tips: Solistin, Orchestermusikerin oder Kammermusikerin – welcher Bereich begeistert Sie besonders?

Ulla Obereigner: Man wird im Studium eigentlich als Solist ausgebildet, aber stellt dann schnell fest, dass dies ein sehr hartes Pflaster ist. Kammermusik macht mir persönlich sehr viel Freude; meistens spielt man ja mit Freunden oder Musikern, die man kennt und schätzt. Es macht Spaß, gemeinsam Interpretationswege zu finden und anspruchsvolle Stücke zu erarbeiten. Orchestermusikerin zu sein ist natürlich wieder etwas ganz Anderes und auch etwas ganz Besonderes. Ich finde es nach wie vor faszinierend, was so ein großer Klangkörper – bestehend aus so vielen einzelnen Instrumentalisten - gemeinsam vollbringt. Ich habe teilweise Werke gespielt, wo bis zu 180 Leute auf der Bühne waren (mit Chor) – das ergibt ein wahres musikalisches Feuerwerk und es ist unbeschreiblich, ein Teil davon zu sein.

Tips: Sie haben schon mehrfach Konzertreisen unternommen – was waren besondere Highlights?

Ulla Obereigner: Da gibt es wirklich viele. Meine erste große Tournee mit dem Luzerner Sinfonieorchester führte mich nach Asien: Südkorea, China, Singapur und Indien. Das war natürlich besonders spannend, gleich mal in so völlig andere Kulturen einzutauchen. Auch die USA-Tournee mit dem Bruckner Orchester Linz war ein Highlight. Mit dem Luzerner Sinfonieorchester spielte ich auch in Kolumbien. Und mit einem Kammermusikensemble reiste ich vor drei Jahren nach Algier (Algerien) zu einem Festival. Somit habe ich schon fast auf allen Kontinenten Konzerte gespielt.

Tips: Wohin geht die musikalische Reise in den nächsten Jahren?

Ulla Obereigner: Derzeit liegt mein Fokus auf meiner Familie. Ich bin seit eineinhalb Jahren Mutter eines entzückenden Sohnes und seit diesem Sommer auch verheiratet. Wir sind gerade dabei, uns unser Eigenheim zu realisieren. Da werden die großen musikalischen Projekt- und Reisepläne mal hintangestellt. Deshalb freue ich mich auch sehr, nun die Aufgabe als Konzertmeisterin im Amstettner Sinfonieorchester übernehmen zu dürfen. Dies lässt sich mit meiner aktuellen Lebenssituation gut vereinbaren und ich kann so meine Erfahrungen der letzten Jahre sozusagen in meine „musikalische Heimat“ bringen. Ich spiele in diesem Orchester mit seit ich 13 Jahre alt bin. Alle kennen mich und wissen über meinen Werdegang Bescheid. Ich hoffe, etwas zur positiven Entwicklung dieses Klangkörpers beitragen zu können.

Tips:Aktives Musizieren ist erwiesenermaßen eine besondere Bereicherung für jeden Menschen – wie kann man Ihrer Meinung nach Kinder und Jugendliche dafür begeistern?

Ulla Obereigner: Wie bei fast allem anderen auch gilt hier meiner Meinung nach: Wir müssen den Kindern vorleben, was wir von ihnen erwarten. Kinder dazu zu „zwingen“ ein klassisches Instrument zu lernen, während zu Hause nur Ö3-Charts gehört werden, wird nicht fruchten. Natürlich beherrscht nicht jeder ein Instrument, um es seinen Kindern vorzuspielen, aber es gibt großartige Vermittlungsprojekte, Kinderkonzerte und dergleichen. Wenn die Eltern Interesse zeigen, werden auch die Kinder ihre Begeisterung dafür entdecken und ganz von selbst ein Instrument lernen wollen. Bei uns steht ein elektronisches Klavier im Wohnzimmer und unser Sohn geht jeden Tag mit Begeisterung hin um zu „spielen“ und zu tanzen. Er darf damit machen, was er will. Oft klimpern wir gemeinsam (Ich bin eine sehr schlechte Klavierspielerin). Die Geige halte ich allerdings noch fern von ihm – zu unser aller Sicherheit.

Wordrap mit Ulla Obereigner
Glück ist: nicht käuflichWas mich nervt: ZigarettenrauchWorauf ich nie verzichten möchte: Musik und BewegungMit wem ich gerne einen Abend verbringen möchte: Dalai LamaMit wem auf keinen Fall: Donald TrumpDieser Komponist begeistert mich besonders: Felix Mendelssohn- BartholdyDiese Musikrichtung geht gar nicht: SchlagerWenn ich mal nicht musiziere, dann: mache ich SportMein Lebensmotto: Ever tried? Ever failed? No matter. Try again. Fail again. Fail better!
Infos zum Herbstkonzert des Amstettner Symphonieorchesters gibt es hier: www.tips.at/n/549405

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