Mostviertler Krimiautor: „Das Böse lauert auch in der Provinz“
ST. GEORGEN/YBBSFELDE. Wenn eine Mostflasche zur Mordwaffe wird und der Mostviertler Trinkspruch „G‘sundheit, sollst leben“ eine ganz spezielle Bedeutung erhält – ja dann befindet man sich mitten im jüngsten Krimi „Mostbarone“ von Helmut Scharner. Tips bat den Autor zum Gespräch.

Tips: Von „Mostviertler“ über „Mostschlinge“ und „Mostviertler Jagd“ nun zu den „Mostbaronen“: Warum eignet sich das Mostviertel so gut für Kriminalromane?
Helmut Scharner: Das Mostviertel hat eine hügelig-bergige Landschaft, aber auch weite Felder und enge Täler mit hohen Bergen. Dazu viele kleine Gemeinden, jedoch auch Städte wie Waidhofen mit einem schönen alten Stadtkern. Mitten im Grünen sind auch viele international erfolgreiche Industriebetriebe angesiedelt und Tradition und Brauchtum werden im Mostviertel hochgehalten. Das alles bietet viele Anknüpfungspunkte für Kriminalromane.
Tips: Was macht für Sie den Reiz von Regional-Krimis aus?
Helmut Scharner: Dass man abseits von den bekannten Regionen und Städten beim Lesen auch einmal in eine Umgebung und deren Eigenheiten eintauchen kann, die man so noch nicht kennt. Natürlich fasziniert auch die Erkenntnis, dass das Böse nicht nur in den Städten und Ballungszentren lauert, sondern durchaus auch in der vermeintlichen Idylle in der Provinz vorkommen kann.
Tips: Wie/Wann sind Sie zum Schreiben gekommen und warum haben Sie sich für Krimis entschieden?
Helmut Scharner: Ich habe schon immer gerne Romane gelesen, beruflich aber nur an Sachtexten geschrieben. Vor mittlerweile 14 Jahren habe ich meiner Frau von meinem Traum erzählt, einmal ein Buch zu schreiben. Sie hat dann den Anstoß gegeben, indem sie mir einen Gutschein für ein Seminar über kreatives Schreiben geschenkt hat. Dort habe ich dann meine erste Short-Story geschrieben und ich habe von da an immer weiter Geschichten erfunden. Da ich selbst gerne Spannungsromane lese und der Boom für Regionalkrimis gerade begonnen hatte, war es dann für mich naheliegend, dass ich mich an einen Krimi heranwage, der in meiner Heimat spielt.
Tips: Die Mostbarone stehen im Zentrum ihres aktuellen Buches. Wann hatten Sie die Idee, sie thematisch ins Boot zu holen?
Helmut Scharner: In den ersten drei Kriminalromanen stehen Figuren rund um den fiktiven Sportschuhhersteller Schuster im Brennpunkt und diese Serie mit Ermittler Brandner war auf diese drei Bände ausgelegt. Ich habe damals bewusst einen Industriezweig gewählt, den es so im Mostviertel nicht gibt, um keine Überschneidungen mit tatsächlich existierenden Betrieben zu riskieren. Da Brandner bei den Leserinnen und Lesern gut ankam, habe ich mich mit dem Team vom Gmeiner-Verlag darauf geeinigt, Brandner in einem weiteren Fall im Mostviertel ermitteln zu lassen. Dieser Fall sollte aber zur Abgrenzung von den Vorgängern ein typisch regionales Thema behandeln. Da war es für mich naheliegend, den Most eine Rolle spielen zu lassen. Die Aktivitäten der Mostbarone hatte ich schon länger verfolgt, daher habe ich im Frühling 2020 den damaligen Primus und Hotelier Hannes Scheiblauer kontaktiert und ihm meine Idee geschildert, die Mostbarone in einen fiktiven Mordfall zu verwickeln. Nach der Zustimmung der Mostbarone habe ich mich an die Recherche gemacht – man findet im Internet sehr viel über die Mostbarone, auch Bücher habe ich gelesen, empfehlenswert, für alle die mehr über Most erfahren wollen, ist dazu „Das Österreichische Mostbuch“ von Isa Svec. Das Mostbirnhaus in Ardagger habe ich mehrmals besucht und natürlich bin zu den bekannten Handlungsorten gefahren, die jetzt im Krimi vorkommen. Nach dieser Recherche blieben einige wenige Fragen offen, die mir dann Hannes Scheiblauer dankenswerterweise beantwortet hat.
Tips: Wie ist die Reaktion der Mostbarone auf Ihr neues Buch?
Helmut Scharner: Die Reaktion der Mostbarone ist sehr positiv ausgefallen und es besteht durchaus Interesse, den Kriminalroman auch einmal bei dem einen oder anderen Mostheurigen im Rahmen einer Lesung zu präsentieren.
Tips: Zentrale Ermittlerfigur Ihrer Mostviertel-Krimis ist Kommissar Brandner, der mittlerweile zum Major aufgestiegen ist. Wie würden Sie Ihren Protagonisten beschreiben?
Helmut Scharner: Brandner ist einerseits Familienvater, der sich um seine Frau und seine beiden Teenagertöchter sorgt und andererseits arbeitet er hart daran, die Täter zu überführen und weitere Morde zu verhindern. Das ist ihm in der Vergangenheit nicht immer so gut geglückt, wie er sich das vorgestellt hat und das nagt an ihm. Prinzipiell geht er analytisch vor und versucht seine Emotionen nicht Oberhand gewinnen zu lassen. Um seine Gedanken zu ordnen, macht er sich handschriftliche Notizen.
Tips: Die Covid-Pandemie mit ihren verschiedensten Auswirkungen spielt in Ihrem aktuellen Buch eine Rolle. Wie hat sich die Pandemie auf Sie als Autor ausgewirkt?
Helmut Scharner: Ich bin früher sehr oft ins Ausland gereist und das hat sich auch in den ersten drei Bänden wiedergefunden, da sich die Protagonisten nicht nur im Mostviertel sondern auch in Vietnam oder Brasilien aufhielten. Im neuen Band bleiben alle Figuren so wie ich in Österreich und sie versuchen, so wie wir alle mit den Auswirkungen der Pandemie bestmöglich umzugehen. Die Einschränkung der sozialen Kontakte hatte natürlich sowohl auf mich als auch auf meine Protagonisten eine Auswirkung. Als Autor habe ich aber den Vorteil, dass ich tief in meine Geschichten eintauchen kann und den Kopf dadurch von negativen Gedanken relativ rasch freibekomme. Durch die ganzen Beschränkungen blieb einerseits mehr Zeit für die Familie aber auch fürs Schreiben.
Tips: Wie wird es mit Major Brandner weitergehen?
Helmut Scharner: Derzeit schreibe ich bereits am fünften Fall für Brandner, der voraussichtlich im Frühjahresprogramm 2023 wieder im Gmeiner-Verlag erscheinen wird.


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