Kaplan Franz Sieder: "Der primitive Krieg beginnt immer dort, wo die Sprache aufhört"
AMSTETTEN. In einem Leserbrief nimmt der Amstettner Kaplan Franz Sieder zum Ukraine-Krieg Stellung.

„Der Krieg macht mich in mehrfacher Hinsicht sehr traurig. Manche Hoffnungen im Humanisierungsprozess der Welt werden dadurch zunichte gemacht. Bisher hat es noch keinen Krieg zwischen Demokratien gegeben. Der Ukraine-Krieg ist ein Krieg zwischen zwei Demokratien. Ich habe auch gehofft, dass es keine Eroberungskriege mehr gibt. Dieser Krieg ist ein Eroberungskrieg. Das positive dabei ist, dass heute Eroberungskriege weltweit geächtet und verurteilt werden, während Napoleon für seine Eroberungskrieg noch bewundert wurde“.
„Krieg fast immer von einer Person begonnen“
„Dieser Krieg zeigt mir auch, dass nicht ein Volk gegen ein anderes Volk beginnt, sondern dass der Krieg fast immer von einer Person begonnen wird und diese Person ist fast immer ein Mann. Vielleicht sollten die Völker mehr von Frauen als von Männern regiert werden. Ich denke, dass Frauen mehr Empathie für das Leid der Menschen haben. Ich habe Putin nicht für ein Schwein gehalten, aber jetzt ist er für mich ein Schwein, weil er mutwillig aus Großmannssucht einen Krieg beginnt, von dem er im Voraus weiß, dass in diesem Krieg tausende Menschen getötet werden – Soldaten und Zivilisten – und dass Millionen Menschen in die Flucht getrieben werden. Vor einem solchen Menschen verliere ich jeglichen Respekt. Er ist menschenverachtend und hat einen miesen Charakter. Eigentlich ist er ein Mörder, der vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gehört“.
„Mieser Grundcharakter“
„Dasselbe, was ich hier über Putin sage, habe ich über den US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush gesagt, als er den Irakkrieg begonnen hat. Beim Bush-Besuch in Wien habe ich eine Demo-Rede gehalten und ich habe bei dieser Rede Bush einen Mörder genannt. Die Hauptursache, warum heute noch Kriege begonnen werden, ist entweder die Gier nach Land, Größenwahn oder die Gier nach Bodenschätzen, letztlich die Gier nach Geld. In den Demokratien sollen, die an die Macht kommen, von einem Psychologenteam nach ihren Grundcharakter untersucht werden und Menschen wie Putin, Bush oder Lukaschenko, die einen miesen Charakter haben, sollten gar nicht an die Macht kommen können. Sie sollten nicht das „Pickerl“ für eine große Verantwortung bekommen“.
„Niederlage für die gesamte Menschheit“
„Konflikte wird es immer zwischen Menschen und auch zwischen Völkern geben. Die Menschheit sollte aber heute soweit gereift sein, dass die Konflikte mit Dialog löst und nicht mit Waffengewalt. Der primitive Krieg beginnt immer dort, wo die Sprache aufhört. Insofern ist ein Krieg immer auch eine Niederlage für die gesamte Menschheit, weil wir in unserer Entwicklung zurückgeworfen werden“.


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