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AMSTETTEN. Über 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine sind nach dem Einmarsch Russlands auf der Flucht. Tips sprach mit Mariia B., die gemeinsam mit ihren Kindern und einer weiteren Familie bei Margareta Lampel aus Preinsbach Zuflucht gefunden hat.

  1 / 3   V. l.: Halyna K. und Tochter Andriana-Mariia sowie Mariia B. und ihre Söhne Taras und Stanislav leben derzeit in Preinsbach bei Margareta Lampel. (Foto: Lampel)

Eine ganz normale Familie, ein ganz normales Leben: Mariia B. wohnte bis vor gut zwei Wochen gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen – sie sind zehn und 13 Jahre alt – in einem Appartement in der westukrainischen Kleinstadt Burschtyn. Die 39-jährige Ukrainerin ist Buchhalterin in einer Arztpraxis. Ihr Mann leitet eine Infrastruktur-Abteilung in der Auto-Industrie.

„Plötzlich war alles anders“

„Unser Leben war friedlich und glücklich. Wir hatten Arbeit, unsere Kinder gingen zur Schule – alles war okay. Und plötzlich war alles anders“, blickt Mariia B. auf die vergangenen Wochen zurück. Eines Morgens weckte sie ihr Mann auf und berichtete ihr, dass die ganze Ukraine bombardiert werde. „Wir haben sofort alles zusammengepackt und sind am 24. Februar zur ukrainisch-ungarischen Grenze gefahren. Das sind von unserer Heimatstadt aus 300 Kilometer“, so die Ukrainerin.

Keine Ausreise für Männer

Als die Familie nach sehr langer Wartezeit an der Grenze ankam, hieß es, dass Männern zwischen 18 und 60 Jahren die Ausreise verwehrt sei. „Mit einer Freundin und deren Tochter bin ich mit meinen beiden Söhnen also im Auto am 27. Februar weitergefahren. Mein Mann und der Mann meiner Freundin mussten in der Ukraine bleiben. Sie arbeiten derzeit weiter, so gut es geht“, erklärt Mariia B. Der Kontakt zu den Männern ist derzeit gut: „Die Handyverbindung in die West-Ukraine ist noch in Ordnung – im Gegensatz etwa zur Hauptstadt Kiew“, so die Ukrainerin. Ihr Mann übernachte aktuell bei seinen Eltern in Burschtyn, die ein Haus besitzen.

„Ständig gibt es Alarm“

„Unsere Wohnung befindet sich in einem Stockhaus – das ist jetzt zu gefährlich. Ständig gibt es Alarm. In den ersten Tagen wurde der Flughafen, in dessen Nähe wir wohnen, bombardiert. Die Schule der Jungen wurde in ein großes Lager für Flüchtlinge aus östlichen Gebieten umfunktioniert“, gibt Mariia B. Einblicke in den Kriegsalltag. Am 27. Februar kam die Ukrainerin mit ihrer Freundin und den Kindern schließlich bei Margareta Lampel in Preinsbach an – und das nicht zum ersten Mal.

„Wie eine Tochter für mich“

„Mariia ist vor 17 Jahren als Au-Pair-Mädchen zu mir gekommen. Seither sind wir immer in Kontakt – sie ist wie eine Tochter für mich. Noch in den vergangenen Herbstferien war sie mit ihren Buben bei mir“, erklärt Lampel, die selbst schon sechsmal in der Ukraine zu Gast war. „Nach den beunruhigenden Nachrichten aus der Ukraine habe ich bei Telefongesprächen mit Mariia sehr gedrängt, dass sie mit ihrer Familie zu mir nach Österreich kommt – leider durften die Männer am 24. Februar nicht mehr durch“, bedauert Lampel.

„Man muss sehr viel Geduld haben“

Nun ist die Preinsbacherin mit vollem Einsatz dabei, rechtliche Angelegenheiten wie Anträge für Grundversorgung oder für Versicherungen zu klären. „Vieles ist noch in der Schwebe – man muss sehr viel Geduld haben“, erklärt Lampel.

Auf der Suche nach Deutsch-Unterricht

Mariia B. wünscht sich nun sehr, dass ihre Kinder wieder zur Schule gehen können. Sie alle brauchen daher dringend Ukrainisch-Deutsch-Unterricht. „Das ist uns wirklich ein großes Anliegen – wir würden uns sehr freuen, wenn sich jemand unter Tel. 0664/73100487 melden würde!“, bittet Lampel um Hilfe.

Einsatz-Stab

Um die Unterstützung für Flüchtlinge aus der Ukrainie zu koordinieren, hat die Stadtgemeinde Amstetten einen Einsatz-Stab eingerichtet (siehe Infobox). „Es ist erschütternd – wenn wir das ganze Leid und die Zerstörung sehen, die über die Ukraine hereingebrochen sind. Wir sehen, wie Familien getrennt werden, wir sehen, wie weinende Kinder an den Bahnhöfen und den Grenzen der Ukraine stehen, während ihre Väter zur Waffe greifen müssen, um ihr Land zu verteidigen. Wir haben geglaubt, diese Bilder wären heute in Europa undenkbar“, so VP-Bürgermeister Christian Haberhauer.

„Nicht wegsehen, sondern Unterstützung anbieten“

So sei es „ganz wesentlich“, hier nicht wegzusehen, sondern – wo es möglich ist – Unterstützung anzubieten. „Amstetten bietet sich als sicherer Ort für Familien aus der Ukraine an, die vor dem Leid und der Zerstörung fliehen“, erklärt Haberhauer. Als sichtbares Zeichen der Solidarität mit der Ukraine wurde vor dem Amstettner Rathaus eine Friedensfahne gehisst.

Einsatz-Stab eingerichtet
Die Stadtgemeinde Amstetten hat einen Einsatz-Stab mit Experten der Stadtverwaltung ins Leben gerufen. Ziel ist, auf eine Aufnahme von Menschen aus der Ukraine bestmöglich vorbereitet zu sein. Aktuell werden etwaige Unterbringungsmöglichkeiten abgeklärt. Außerdem gibt es Austausch und Koordination mit verschiedensten Organisationen aus dem Bereich Flüchtlingshilfe oder Krisenmanagement.
Unter der von der Stadtgemeinde eigens eingerichteten Mail-Adresse ukrainehilfe@amstetten.at können sich Amstettner mit ihren Anfragen hinwenden.
Auf der Homepage der Stadtgemeinde befindet sich eine Übersicht über Hilfsorganisationen oder Hilfsangebote: amstetten.at/aktuelles/ukrainehilfe
Auch seitens des Landes NÖ gibt es unter www.noehilft.at Infos.

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