Klima-Experte Gernot Wagner: „Es geht um das Umdenken des Einzelnen!“
AMSTETTEN. Klimaexperte Gernot Wagner sprach anlässlich der dritten „Mostviertler Gespräche“ zum Thema „Klimaschutz – die Herausforderung. Chancen für Arbeitsplätze und Gesellschaft?“. Dazu eingeladen hatten die Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung der Diözese St. Pölten, ÖGB und Arbeiterkammer.

„Klima geht uns alle an“, betonte der Vorsitzende der KAB St. Pölten, Franz Sedlmayer. Bei diesem Thema könne keiner sagen, dass er nicht betroffen ist. „Wir haben es in der Hand, als Christen und Gewerkschafter sind wir verpflichtet, nicht nur an uns selbst zu denken, sondern daran, dass auch zukünftige Generationen einen lebenswerten Planeten Erde vorfinden können“, unterstrich Sedlmayer. Der frühere KAB-Vorsitzende, der Amstettner Sepp Riegler, initiierte die „Mostviertler Gespräche“ maßgeblich mit, betonte eingangs die enorme Herausforderung durch den Klimawandel.
„Die Energiewende kostet Geld“
„Die Energiewende kostet Geld – es geht um die Umstellung auf Wärmepumpen, Wärmedämmungen, Solaranlagen oder Windräder“, erklärt Wagner. Er plädiert vor allem für die Isolierung des Dachgeschosses und für Althaussanierungen. „Effiziente Maßnahmen retten das Klima“, betont Wagner. Statt Geld für Öl und Gas auszugeben, gehe es um die Investition im Vorhinein, die sich dann bezahlt mache. Die Investition koste zwar Geld, biete aber auch Chancen für Wirtschaft und für Arbeitsplätze. Etwa wenn viel mehr Photovoltaikanlagen und Solaranlagen auf Dächern von Unternehmen und Wohnhäusern installiert werden würden. Diese würden übrigens zu 80 Prozent in China produziert.
Klimawandel in Köpfen angekommen
Der Klimawandel scheine in den Köpfen der Menschen nach der Hitzewelle angekommen sein. Kritisch sieht Wagner den Bau von Einzelwohnhäusern am Land, wenn man zugleich in größere Städte mit dem Auto pendelt. Wagner rüttelt auch auf: „Besser wird‘s beim Klima leider nicht mehr. Die letzten paar Jahre mögen die heißesten überhaupt gewesen sein. Sie waren aber auch die kühlsten des 21. Jahrhunderts“. Temporär werde es wegen des Ukraine-Kriegs zu höheren Emissionen kommen. Also etwa mehr deutsche Kohle und mehr Flüssigerdgas, das über Ozeane nach Europa kommt, und weniger russisches Gas. Aber insgesamt gelte es natürlich, die Energiewende anzukurbeln und weniger fossile Brennstoffe zu verbrennen. Öl und Gas ermöglichen Putins Krieg. Das Ziel müsse natürlich sein kein Öl und Gas mehr zu verbrennen - und nicht nur russisches Öl und Gas, sondern insgesamt.
Amstettner Wurzeln
Gernot Wagner ist 1980 geboren. Er lehrt und forscht an der Columbia University sowie an der Harvard University in den USA. In Österreich und international ist er gefragter Interviewpartner. Seine Artikel sind in Zeitungen und Magazinen weltweit erschienen. Der Wissenschafter ist unter anderem Mitautor von „Klimaschock: Die extremen wirtschaftlichen Konsequenzen des Klimawandels“, das 2015 für Aufsehen sorgte. Der Klimaexperte mit Amstettner Wurzeln befasst sich auch mit Geoengineering, also dem bewussten Eingriff in die Naturabläufe. Wagners aktuelles Buch „Stadt-Land-Klima“ erschien 2021 im Brandstätterverlag.
„Es geht um das Umdenken des Einzelnen!“
Die derzeitige Fastenzeit sei auch die Zeit für Ein- und Umkehr. Das betreffe gerade auch das Klima, war man sich bei den zahlreichen Diskussionsbeiträgen einig. Auch Wagner betont: „Es geht um das Umdenken des Einzelnen!“
Politiker im Publikum
Neben Franz Sedlmayer waren zahlreiche Politiker bei der Veranstaltung: unter anderem SPÖ-Landesrätin Ulli Königsberger-Ludwig, SPÖ-Vizebürgermeister Gerhard Riegler oder ÖVP-Stadtrat Andreas Gruber.


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