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BEZIRK AMSTETTEN. Mehrere Hitzewellen und eine seit Jahren andauernde Trockenheit setzen den heimischen Wäldern zu. Tips sprach mit Bezirksförster Friedrich Hinterleitner über die Lage im Bezirk.

Bezirksförster Friedrich Hinterleitner im Tips-Gespräch (Foto: Privat)
Bezirksförster Friedrich Hinterleitner im Tips-Gespräch (Foto: Privat)

Tips:Herr Hinterleitner, ganz allgemein gefragt: Wie geht es dem Wald im Bezirk Amstetten?

Friedrich Hinterleitner: Im Großen und Ganzen geht es dem Wald im Bezirk Amstetten nicht schlecht. Im Frühling hatten wir eine relativ kühle Witterung mit relativ vielen Niederschlägen. Somit war ein starkes Wachstum der Bäume möglich und sie konnten viele Triebe ansetzen. Dazu kommt, dass auch das Vorjahr sehr feucht war. Jetzt haben wir aber eine Situation, in der seit einiger Zeit überwiegend Trockenheit herrscht. Damit steigt der Stress für die Bäume merkbar an. Ein Beispiel: In der Amstettner Forstheide wachsen die Bäume auf Schotterböden und haben einfach zu wenig Wasser. Die Blätter verfärben sich bereits – es beginnt schon zu „herbsteln“. Das ist jetzt noch kein Riesenproblem, aber die Trockenheit schwächt den Wald ganz offensichtlich.

Tips:Welche Trockenschäden gibt es bereits und wie sieht es diesbezüglich mit dem Borkenkäfer aus?

Hinterleitner: Durch die Trockenheit können sich Borkenkäfer viel rascher vermehren: Wir sprechen hier von einer Entwicklung vom Ei bis zum Käfer binnen drei bis vier anstatt sechs bis acht Wochen. Außerdem ist durch die trockene Witterung die Ausfallrate geringer, das heißt, es sterben viel weniger Eier oder Larven ab. Die Folge: Der Borkenkäfer-Befall nimmt definitiv zu und wir sind mit absterbenden Wäldern konfrontiert. Hier sind wir sehr gefordert und müssen den Waldbesitzern auch Aufarbeitungsbescheide ausstellen. Bei einem Borkenkäfer-Befall ist es wichtig, die befallenen Bäume möglichst schnell aus dem Wald zu bringen. Alternativ können die Bäume vor Ort geschält oder mit einem Mittel behandelt werden. Dies ist aber sehr aufwändig.

Tips:Welche Gebiete im Bezirk Amstetten sind besonders vom Borkenkäfer-Befall betroffen?

Hinterleitner: Hier gibt es eine Zweiteilung: Einerseits sind die Berglagen des inneren Ybbstales betroffen – besonders die sonnseitigen Hänge und an Stellen, an denen ein Sturm den Wald aufgerissen hat. Das sind oft schwierig erreichbare Lagen, wo man mit einem Seilkran arbeiten muss. Andererseits sind auch Tieflagen in Gemeinden wie Sankt Georgen am Ybbsfelde, Zeillern, Aschbach, Wolfsbach oder Haag betroffen – und zwar dort, wo Fichten in größeren Mengen und standortwidrig vorkommen. Das heißt, dass Fichten hier aufgrund der Tiefe der Lage und der oft dichten Lehmböden nur flach wurzeln können. Hier gibt es eine deutliche Aufwärtsentwicklung, was den Borkenkäfer-Befall betrifft. Wir arbeiten in diesem Bereich auch mit der Bezirksbauernkammer zusammen. Mit Fichten haben wir allgemein Probleme – das ist eine flächenhafte Erscheinung. Eschen-Sterben & Co. passiert zwar nach wie vor, aber es hängt weniger mit der Witterung zusammen.

Tips:Wie steht es um die Versorgung der heimischen Wälder mit Grundwasser?

Hinterleitner:Hier muss man definieren, was man unter Grundwasser versteht. Einerseits haben wir im Amstettner Bereich flussbegleitende Grundwasserströme mit Schotterböden. Diese Grundwasserströme gehen in jenem Ausmaß zurück, in dem das Wasser im Fluss zurückgeht. Andererseits gibt es das Bodenwasser in den Bodenporen, das entscheidend ist. In unserer Gegend haben wir durch lehmreiche Böden eine günstige Situation: Diese Böden halten das Wasser länger. Außerdem können wir allgemein höhere Niederschläge verzeichnen als etwa im Osten Österreichs. Trocknet der Boden jedoch aus, wird das Porenwasser weniger. Bäume, die tiefer wurzeln – wie etwa Eichen und Tannen –, haben hier Vorteile. Die Fichte kann das nicht und ist somit anfälliger.

Tips: Wie geht man als Waldbewirtschafter an die Klimawandel-Problematik heran? Welche Bäume sollten zukünftig gepflanzt werden?

Hinterleitner: Bei der Umwandlung von Fichten- auf Misch- oder Laubwaldbestände gibt es derzeit umfangreiche Fördermöglichkeiten beziehungsweise Fördermittel des Waldfonds. Bei einer Neubewaldung orientiert man sich abgesehen von den Ansprüchen an Klima und Boden an der potenziell natürlichen Waldgesellschaft. Das heißt, man schaut sich an, welche Vegetation sich am betreffenden Standort ohne menschlichen Einfluss bei den gegenwärtigen Standortbedingungen entwickeln würde. Das wären im Bereich Ybbstal und Sonntagberg Buchenwälder mit Eichen und Vogelkirschen, in Amstetten beziehungsweise in der Forstheide wären es Eichen-Wälder, die es übrigens noch in Sankt Valentin und Haag gibt. In den Berggebieten würde es sich um Buchenwälder mit Lärche, Kiefer oder Ahorn handeln. Als Alternative dazu bietet sich eine ausländische Baumart an, die vor Millionen Jahren jedoch auch bei uns beheimatet war: die in Nordamerika heimische Douglasie. Sie eignet sich vor allem für Standorte mit Urgesteinsböden wie Granit – etwa in Neustadtl/Donau, nicht aber für Gebiete mit Kalkböden wie das Ybbstal. Ganz allgemein bieten sich Eichen stark an. Sie halten die Trockenheit besser aus.

Tips: Was halten Sie vom Einsatz mediterraner Baumarten – wie Tannen aus Italien/Griechenland oder ungarische Eichen – in den Wäldern des Bezirks?

Hinterleitner: Mediterrane Tannenarten werden hierzulande schon länger beobachtet. Da hat es aber auch bereits Probleme mit Schädlingen gegeben, die man vorher nicht hatte. Es gibt einige wenige mediterrane Baumarten, die Potenzial haben. Aber unsere heimische Baumarten-Kulisse ist derzeit so groß, dass wir damit was anfangen können. Natürlich gibt es auch schon in Niederösterreich Lagen, an denen man mit heimischen Baumarten an Grenzen stößt, wie etwa im Weinviertel. Hier wurde bereits die Baum-Hasel oder auch Türkische Hasel gepflanzt. Aber bei uns im Bezirk kommen wir noch mit heimischen Baumarten aus.

Tips: Was kann man als „Nicht-Waldbesitzer“ für den Erhalt der heimischen Wälder tun?

Hinterleitner: Natürlich ist hier das Verhalten im Wald wichtig. Feuer und Rauchen sollten unterlassen werden. Die Anzahl der Waldbrände nimmt wesentlich zu – und das meist aufgrund von leichtsinnigem Verhalten.

Daten und Fakten
Der Bezirk Amstetten hat eine Gesamtfläche von 118.700 Hektar. Davon sind 40.500 Hektar oder 34 Prozent – also ein gutes Drittel – bewaldet. Das Bundesland Niederösterreich ist zu knapp 40 Prozent bewaldet, ganz Österreich zu 48 Prozent.
Im Bezirk Amstetten gibt es neben Friedrich Hinterleitner drei Bezirksförster. Hinterleitner selbst ist auch Bezirksforsttechniker.

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