Mäßige Obsternte 2022: Mostbirnen gefragt
MOSTVIERTEL. Ein kühlnasses Frühjahr, ein trockener Sommer – im Mostviertel fällt die heurige Mostbirnenernte deutlich geringer aus. Dazu gaben der Obstbauverband Mostviertel und die Leader-Region Moststraße gemeinsam mit dem Primus der Mostbarone einen Ausblick.

Nach einem sehr warmen Winter und einem trockenen März folgte ein kühlnasser April mit schwierigen Bedingungen für die Mostobstblüte sowie deren Befruchtung durch Bienen oder Wildbienen. Wetterextreme stellen Landwirte jedes Jahr vor neuen Herausforderungen. Und obwohl der Sommer trocken, ja nahezu tropisch war, hofften die Landwirte und Mostobstproduzenten auf eine noch annehmbare Ernte. Doch die Mostobstlage fällt heuer deutlich geringer aus.
Rund 25 Prozent einer normalen Ernte
„Geschätzt rund 25 Prozent einer normalen Ernte sind zu erwarten“, so Andreas Ennser, Obstbauberater der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Geschäftsführer des Obstbauverbandes Mostviertel zur Erntevorschau. Auch für die Mostbarone, die sich mit ihren Produkten vollends der Mostbirne verschrieben haben, ist dieser Umstand nicht optimal. Leo Reikersdorfer, Primus der Mostbarone, bleibt jedoch positiv: „Obwohl es im kommenden Jahr wahrscheinlich wenig bis keine sortenreine Moste geben wird, zeigen die ersten Pressungen, dass wir dafür mit Top Qualitäten aufwarten werden können! Reserven aus dem Vorjahr werden fehlende Mengen kompensieren“.
Eigenes Obst verkaufen und helfen
Vorwiegend Mostbirnen sind heuer gefragt. Dazu sind Mostbirnbaum-Besitzer aufgerufen, nicht benötigtes Obst und Birnen zu klauben und diese an regionale Obstverarbeiter zu verkaufen. So kann dieses Jahr geholfen werden, die geringe Ernte deutlich aufzubessern. Andreas Ennser und Leo Reikersdorfer bitten interessierte Mostobstbesitzer um Kontaktaufnahme bei den zahlreichen Lohnverarbeitern im Mostviertel.
„Viröser Birnenverfall“ – auf der Suche nach Lösungen
Immer mehr Sorgen macht den Mostproduzenten der sogenannte „Viröse Birnenverfall“. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der die Wurzeln regelrecht verhungern und eine zunehmende Welke des Birnbaumes zu beobachten ist. Dies hätte auf lange Sicht dramatische Folgen für den regionalen Streuobstbau, weshalb der Obstbauverband Mostviertel, unterstützt von der Leader-Region Moststraße, gemeinsam mit Spezialisten aus der Region einen internationalen Expertengipfel im November einberuft. Dabei wird gemeinsam mit Experten aus ganz Europa nach Lösungen gesucht.
Maßnahmen und Projekte der Region Moststraße
Das größte Kapital des Mostviertels sind eben die Streuobstbäume. Deshalb bemüht sich die Region Moststraße laufend um wertschöpfende Maßnahmen und Projekte, die dem Streuobstbau zugutekommen. Im kommenden Herbst wird einiges angeboten
Saftmobil unterwegs
Das Saftmobil tourt unter dem Motto „dein Obst – dein Saft“ durch fünf Gemeinden
o 28.09.2022 ab 09:00 Uhr (bis ca. 11:00 Uhr), Viehdorf
o 28.09.2022, ab 15:00 Uhr (bis ca. 17:00 Uhr), Ferschnitz
o 30.09.2022, ab 08:30 Uhr (bis ca. 11:00 Uhr), St. Georgen/Ybbsfelde
o 01.10.2022 09:00-11:00 Uhr, Amstetten
o 05.10.2022 ab 13:00 Uhr (bis ca. 15:00 Uhr), Euratsfeld
Kostenloser Obstsorten-Spaziergang in Seitenstetten
o Kennenlernen der Sortenvielfalt an regionalen Äpfel und Birnen
o 1. Oktober von 14:00 bis 15:30 Uhr, Treffpunkt Stift Seitenstetten, Meierhof-Parkplatz
o Keine Anmeldung erforderlich
Workshop „Praxisnahe Einblicke in Pomologie und Sortenbestimmung“
o Theorie und Praxis (Geschichte, Grundlagen, Merkmale)
o 22. Oktober von 09:00-14:00 Uhr, Mostlandhof in Purgstall
o Teilnahmekosten € 35,00
Sortenbestimmungstage an der Moststraße
o 12.+13. September
o 17.+18. Oktober
o Obst abgeben und bestimmen lassen
Pflanzaktion für Hochstamm-Obstbäume
Noch bis 26. September online unter www.gockl.at bestellen und vom geförderten Baumset profitieren
Mehr Informationen dazu unter www.gockl.at
Streuobstbau und Tourismus
Die Obfrau der Leader-Region Tourismusverband Moststraße Michaela Hinterholzer ist überzeugt: „Der Streuobstbau im Zusammenspiel mit dem Tourismus im Mostviertel bringt allen was – den Gästen ein erholsames Freizeiterlebnis, Wertschöpfung für die Hotellerie und Gastronomie sowie Wertschätzung für die harte Arbeit der Mostproduzenten, die unsere Kulturlandschaft pflegen und nutzen.“


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