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WIEN/WALLSEE/SINDELBURG. Josef Pampalk wurde Anfang Oktober mit der „Trompete von Jericho“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Wir haben um eine Stellungnahme gebeten und ein Nachwort erhalten.

  1 / 2   Ein Massengrab von portugiesischen Massakern 1974 in Inhaminga. Pampalks Freund Josef Martens, ein holländisciher Missionar, war in Hausarrest und hat aber über 30 Berliet-LKW der portugiesischen Armee gezählt, beladen mit Gefangenen, die zu ihrer Exekution im Busch drei Kilometer außerhalb des Ortes geführt und mit Bulldozern verscharrt wurden. (Foto: Josef Pampalk)

„In der Lehmhütte, in der ich als Missionar hauste, hatte ich diesen handgeschriebenen Poster hängen ,Alle Dornbüsche stehen mit Gott in Flammen, aber nur Moses zieht die Schuhe aus, während die Leute nur Brombeeren suchen'. Gibt es einen aktuellen Bezug zu dieser Preisverleihung, die sich auf etwas bezieht, das weit weg und vor längerer Zeit, eben in Afrika passiert ist?

Hunderte Oberösterreicher als Entwicklungshelfer

Oberösterreich hatte damals Hunderte – jedenfalls mehr als andere Bundesländer – jugendliche Entwicklungshelfer in die 3. Welt entsandt (angeregt durch Weihbischof Alois Wagner), denen in Afrika oder Lateinamerika die Augen für die Armen und Unterdrückten aufgegangen waren und die nach ihrer Rückkehr mit einer neuen Einstellung in ihren Heimatgemeinden im Mühl-, Inn-, Traun-, Mostviertel oder Krems- und Ennstal solidarisch und innovativ aktiv geworden sind. Ohne diesen ihren Enthusiasmus und Einsatz, den sie jährlich auf Rückkehrertreffen in Puchberg bei Wels teilten und erweiterten, würde es anders ausschauen im Land, vor allem würden Offenheit für eine Weltverantwortung fehlen und Bereitschaft für die nötige radikale Änderung...

Himmelschreiendes Unrecht

Mit einer ähnlichen Begeisterung war ich 1963 in Mosambik gelandet und hatte zu lernen angefangen – Sprachen, Kulturen und vor allem herrschende Ungerechtigkeiten. Diese waren aber angeblich von Gott so gewollt, denn seine Stellvertreter, die Päpste hatten seit Jahrhunderten diese Länder den Portugiesen zur gewaltsamen Eroberung und Missionierung übergeben. So stand es festgeschrieben im Konkordat von 1940 mit dem Diktator Salazar. Und als die Bewohner sich wehrten gegen Unterdrückung, Ausbeutung, Zwangsarbeit, Landenteignung und Diskriminierung, da wurden sie als Terroristen verdächtigt und erst recht verfolgt. Die Kirche tat mit – im Namen des Papstes, schwieg sie zumindest zum himmelschreienden Unrecht.

Protest gegen den Vatikan 

Etwas weiter im südlichen Afrika geschah das Unrecht nicht im Namen des Papstes, sondern auf Grund einer direkten Erwählung der weißen Rasse durch Gott, der den Kolonialisten (Buren) alles fruchtbare Land und alle Bodenschätze zur Ausbeutung gab und – zur Verteidigung gegenüber schwarzen „Terroristen“. In den 60er- bis 80er-Jahren wehten weltweit „winds of change“. Das ‚christliche Abendland’ glaubte der eigenen Propaganda und seine Vorfeldorganisationen (z. B. Christen gegen Gewalt) verteidigten die Gewalttätigkeit von Portugals Kolonialismus wie Südafrikas Apartheid, die immer mehr zu Staatsterror und Massakern degenerierten. Wir vor Ort wurden Augenzeugen kolonialer Verbrechen und quasi Mittäter, denn laut Vatikan und kolonialer Hierarchie sollten wir schweigen dazu, keine Politik machen. Obwohl wir jahrelang vergeblich informiert und denunziert hatten, entschieden wir uns 1971 zu einem erstmaligen gemeinsamen Protest gegen den Vatikan, der vom ganzen Orden mitgetragen war und zu unserem unmittelbaren Landesverweis führte.

Von Bedeutung – Aufgeschlossenheit, Empathie und Reformbereitschaft  

Kolonialmacht und Staatssekretariat des Vatikans verziehen uns das nie. Es war ja Ungehorsam, der über all die Jahre verschwiegen werden musste, bis heute – und nicht Schule machen durfte – obwohl sich die Zeiten längst geändert hatten ... Mit der Trompete von Jericho wollten wir dieses beschämende Schweigen brechen. Zumindest für die Christengemeinden im südlichen Afrika war das ein wichtiges Zeichen: Das Evangelium steht nicht im Dienst imperialer Interessen, Jesus von Nazareth steht nicht auf Seiten der Unterdrücker – so wie es bis heute scheint! Denn nach der Unabhängigkeit und Apartheid-Wende war diese Kirche nicht ehrlich fähig, den Menschen ein glaubwürdiges Zeugnis zu geben von dem, was Jesus in Nazareth von sich sagt (Lukas 4,18) ,der Geist des Herrn hat mich gesandt, den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen Freiheit zu verkünden ...'. Tatsächlich stehen noch immer zwei entgegengesetzte Visionen der Kirche einander gegenüber: eine in der konstantinischen Machttradition und eine Volkskirche in der Nachfolge Jesu von Nazareth. Papst Franziskus hat heuer im Juli eine ‚Bußwallfahrt‘ nach Kanada gemacht und Abbitte geleistet für alles Unrecht das den Einheimischen angetan worden ist – von ,einzelnen ihrer Vertreter' und nicht von der Kirche selber! Auch gegen Franziskus gibt es Unverständnis und Widerstand ... Einige kosmetische Anpassungen kann man dulden, aber keine radikale, synodale Änderung riskieren! Deshalb ist diese Preisverleihung sehr viel aktueller und relevanter als es scheint auf einen ersten Blick. Deshalb sind auch Aufgeschlossenheit, Empathie und Reformbereitschaft so bedeutungsreich. Denn ‚alle Dornbüsche stehen in Flammen mit Gott‘ – nur wenige  ziehen ihre Schuhe aus ...“ Josef Pampalk

 


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