Die faire Schokoladenseite des Lebens
AMSTETTEN. Er steckt in zahlreichen Fair Trade-Schokoprodukten: der Bio-Kakao der peruanischen Kooperative Nor-Andino. Santiago Paz López, Co-Geschäftsführer und Leiter der Vermarktung, erzählte im Weltladen Amstetten aus erster Hand über Leben und Arbeiten in der Amazonasregion.

„Wir setzen uns dafür ein, dass Kleinbauern von ihrer Arbeit und von ihrem Land in Würde leben können,“ informiert Santiago Paz López anlässlich seines Besuches im Weltladen. NorAndino, die Genossenschaft, kennt er wie seine Westentasche. Vor rund 30 Jahren, damals noch als Student der Agrarwissenschaften, war er am Aufbau einer Organisation beteiligt, die heute aus der Region Piúra im Norden Perus nicht mehr wegzudenken ist.
Knapp 7.000 Kleinbauern
Die Kooperative vermarktet Kaffee, Kakao und Zuckerrohr und ist von ursprünglich 200 auf knapp 7.000 Kleinbauern gewachsen. Sie setzt sich für Fairen Handel, Bio-Anbau und Klimaschutz ein und gibt ihren Mitgliedern Rückhalt. NorAndino ist seit 2013 bio- sowie Fairtrade zertifiziert und Partnerorganisation der EZA Fairer Handel. „Zwei Märkte haben unsere Genossenschaft ganz besonders vorangebracht – der Faire Handel und der Bio-Markt,“ stellt Santiago Paz fest.
Nicht nur im Export von Qualitätskakao hat sich die Kooperative einen Namen gemacht. Mittlerweile verfügt Norandino auch über eine Anlage, in der Bohnen zu Kakaomasse und Kakaobutter weiterverarbeitet werden. „Damit erhöhen wir unsere Wertschöpfung,“ so Santiago Paz.
Fairer Handel und Preis
Der Genossenschaftsmitarbeiter betont die Bedeutung fairer Handelsbeziehungen für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen am Anfang der Lieferkette von Kakao. Dazu gehöre auch ein entsprechender Preis: „Ohne einen fairen Preis werden die Bemühungen unserer Produzenten nicht anerkannt. Es gibt viele Initiativen, die über Nachhaltigkeit sprechen, doch nur der Faire Handel spricht auch über den Preis.“ Die Fairtrade-zertifizierten Bio-Kakaobohnen der Kooperative NorAndino gelangen über eine transparente Liefer- und Verarbeitungskette von Peru in die Schokoladen der EZA Fairer Handel aus dem Weltladen [siehe Infobox“.
Viele Herausforderungen
Norandino muss sich zahlreichen Herausforderungen stellen: den steigenden Produktionskosten, der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit und den Schwierigkeiten des Bio-Anbaus in Zeiten des Klimawandels. Neben der schwierigen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Situation ist Peru stark vom Klimawandel betroffen. Piúra im Nordwesten ist eine der Regionen, die es am stärksten trifft. Dort herrscht ein tropisches und trockenes Klima, sodass in der Landwirtschaft Bewässerung nötig ist. Die Folgen des Klimawandels sind dramatisch. So wuchs etwa früher der Kaffee in einer Höhe von 800 Metern, heute kann er nur noch in einer Höhe von 1.500 Metern angebaut werden.
Maßnahmen ergriffen
Die Organisation hat Maßnahmen ergriffen, um ihre Mitglieder bei der Bewältigung der negativen Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen. „Auf der Produktionsebene haben wir Pflanzensorten ausgewählt, die widerstandsfähiger und weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind. Innovative Technologien werden eingesetzt, um die Bewässerungssysteme trotz schwerer Dürreperioden effizienter zu machen. Darüber hinaus wird die Produktion diversifiziert, um nicht zu sehr von einem Produkt abhängig zu sein“, erklärt Santiago Paz López.
Für die Kleinproduzenten würden Schulungen zum Klimawandel und Methoden zu dessen Bekämpfung organisiert. Der CO2-Fußabdruck werde gemessen und weitgehend durch Aufforstungsprogramme ausgeglichen. Für die Zukunft plane NorAndino die Errichtung einer Anlage zur Herstellung von Pflanzenkohle für die langfristige Verbesserung der Böden sowie die Verwendung von Solarpaneelen.


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