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Familienfasttag: Im Einsatz für sichere Migration und menschenwürdige Arbeit

Michaela Aichinger, 07.03.2023 07:03

BEZIRK. Die Katholische Frauenbewegung Österreich unterstützt weltweit über 70 soziale Projekte. Anlässlich des Familienfasttages 2023 rückt sie das Philippinische Mindanao Migrants Center ins Zentrum. Geschäftsführerin Inorisa Sialana Elento stattete der Amstettner Tips-Redaktion einen Besuch ab.

  1 / 2   Inorisa Sialana Elento (4. v. l.) vom Mindanao Migrants Center mit einem Teil ihres Teams, das sich unter anderem für sichere Migration einsetzt. (Foto: Keith Bacongco)

Inorisa Sialana Elento, Geschäftsführerin des Mindanao Migrants Center, war gerade auf dem Weg nach Hause, als sie einen siebenjährigen Buben weinend auf sich zulaufen sah. Er konnte seinen kleinen Bruder nicht finden. Sofort setzte sie alle Hebel in Bewegung und nach ein paar Tagen fand man das Kind auf einem Markt, wo es allein auf sich gestellt versuchte, Plastiktüten zu verkaufen.

Geschichte eines Teufelskreises

Es ist eine Geschichte, wie sie Inorisa Sialana Elento oft zu hören bekommt. Die Mutter der Buben wurde von ihrem untreuen und sie missbrauchenden Ehemann verlassen. Sie musste im Ausland Arbeit suchen, um den Lebensunterhalt ihrer Kinder zu sichern. Jedes Monat schickte sie Geld nach Hause, damit ihre Kinder von Freunden und Nachbarn betreut wurden.

Doch im saudi-arabischen Riad erging es ihr schlecht. Sie wurde geschlagen, lief weg, wechselte häufig den Arbeitgeber, bis sie schließlich als Diebin beschuldigt im örtlichen Gefängnis landete. Währenddessen setzte man ihre Kinder auf die Straße, weil sie die Zahlungen nicht mehr leisten konnte. Das Mindanao Migrants Center konnte die Mutter zurückholen. Doch jetzt ist sie mittellos und ihre Kinder sind traumatisiert.

Viele Frauen betroffen

Über 2,3 Millionen Philippinas und Philippinos sind als Arbeitsmigranten im Ausland tätig, davon rund 54 Prozent Frauen. Besonders viele dieser Frauen arbeiten als Haushaltsangestellte oder Pflegekräfte. Ihre Rücküberweisungen sichern nicht nur für viele Familien ein Einkommen, sie sind auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Philippinen. „Die Regierung fördert die Arbeitsmigration, denn die Volkswirtschaft lebt vom Geld der Migrantinnen und Migranten“, erklärt Inorisa Sialana Elento.

Prekäre Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen im Ausland sind oft unsicher und prekär. Die Partner des Mindanao Migrants Center for Empowering Actions Inc. (MMCEAI), die die Aktion Familienfasttag schon seit 2010 unterstützt, widmen sich den Problemen von Migrantinnen und Migranten sowie ihren Familien. Sie sind auf der Insel Mindanao tätig, wo besonders viele Arbeitsmigranten herkommen.

„Wir stehen den Migrantinnen und Migranten bei ihren Entscheidungen bei und versuchen, über den hohen Preis der Migration aufzuklären. Als eine rechtsbasierte Organisation müssen wir das Recht auf Migration respektieren. Für diejenigen, die sich entscheiden im Ausland zu arbeiten, muss sichergestellt werden, dass sie dort sicher sind“, erklärt Inorisa Sialana Elento weiter.

Ausbeutung und Gewalt stehen an der Tagesordnung

Im Fokus stehe, die Sicherheit von Migrantinnen und Migranten zu gewährleisten, denn für viele von ihnen stünden Ausbeutung und körperliche sowie sexualisierte Gewalt an der Tagesordnung. Im Fall von sexualisierter Gewalt und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen unterstützen die Partner des Mindanao Migrants Centers sowohl mit rechtlicher als auch psychologischer Beratung.

Hohe soziale Kosten

Abgesehen von dieser massiven Ausbeutung seien die sozialen Kosten der Migration groß. Auf den Philippinen haben rund drei bis sechs Millionen Kinder ein oder zwei im Ausland lebende Elternteile. Sie sind bei anderen Familienmitgliedern untergebracht, leben teilweise alleine und sind aufgrund mangelnder Fürsorge Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt. Einige von ihnen brechen auch die Schule ab. Diese Kinder und Jugendlichen werden durch eine der vielen Jugendgruppen des Mindanao Migrants Center unterstützt.

„Wir werden uns weiterhin gemeinsam für sichere Migration und menschenwürdige Arbeit einsetzen und freuen uns, dass die Katholische Frauenbewegung dieses Jahr unser Projekt vor den Vorhang holt“, unterstreicht Inorisa Sialana Elento abschließend.

Aktion „Familienfasttag“ der Katholischen Frauenbewegung

Die Philippinen sind ein Inselstaat im Pazifik und bestehen aus 7.641 Inseln. Hier leben rund 109,58 Millionen Menschen. Zwischen einer kleinen reichen Oberschicht und einer mehrheitlich sozial und wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerung herrscht starke Ungleichheit. Die Menschenrechtssituation auf den Philippinen hat sich unter dem ehemaligen Präsident Rodrigo Duterte massiv verschlechtert. Seit Mai 2022 ist Ferdinand „BongBong“ Marcos, der Sohn des ehemaligen Diktators, an der Macht.
IBAN: AT83 2011 1800 8086 0000
BIC: GIBAATWWXXX
Die Aktion „Familienfasttag“ wird in vielen Pfarren durchgeführt. Die Katholische Frauenbewegung Euratsfeld verteilt etwa am Samstag, dem 11. März ab 9 Uhr am Marktplatz Euratsfeld schmackhafte Suppen im Glas gegen freiwillige Spenden zugunsten des Mindanao Migrants Center. Zudem werden am Sonntag, dem 12. März die beiden Gottesdienste um 8 und um 9.30 Uhr mitgestaltet.
Weitere Infos auf https://www.teilen.at/home
Video-Quelle: Youtube//ORF (“Orientierung“)

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