NÖ/BEZIRK. Aufgrund der steigenden Temperaturen verändert sich der Wildlebensraum und das Verhalten der Tiere. Auch Bezirksjägermeister Johann Wagner hat diese Erfahrung gemacht.

Die Sommer werden heißer und trockener, die Winter milder und schneeärmer, zudem steigt das Risiko für Extremwetterereignisse. Dadurch verändern sich die Lebensräume in den Tieflagen sowie im Gebirge – und damit auch das Verhalten der Wildtiere.
Sie erlernen neue Erfahrungen und passen in der Folge die Lebensweise an, wie der NÖ Jagdverband berichtet. Es kann zudem zu einer Veränderung der genetischen Informationen in Populationen kommen, indem sich die besser angepassten Tiere über mehrere Generationen durchsetzen. Geht es um die Folgen des Klimawandels, gibt es unter den Wildtierarten jedoch Gewinner und Verlierer.
Kältespezialisten in Gefahr
Zu den Verlierern zählen vor allem Wildtierarten, die an harte und schneereichere Winter angepasst sind, wie zum Beispiel der Alpenschneehase oder das Schneehuhn. Sie wechseln über die Wintermonate das Farbkleid auf weiß und sind so für Beutegreifer aufgrund der Schneearmut und fehlenden Tarnung eine leichte Beute.
Für eine genetische Anpassung, die eine Änderung der Fellfarbe bewirkt, ist die Population vielerorts zu klein, wodurch diese Veränderung nur sehr langsam von statten ginge. Diese beiden Arten sowie das Auerwild haben zudem einen Stoffwechsel, der nicht an hohe Temperaturen angepasst ist.
Gamswild wechselt in tiefere Lagen
Auch das Gamswild als Bewohner der Hochlagen hat mit dem Klimawandel zu kämpfen. Oberhalb der Baumgrenze fehlt Schatten, weshalb die Gams im Frühjahr und Sommer in tiefere, bewaldete Lagen wechselt, um dem Hitzestress zu entgehen und mehr Äsung vorzufinden.
Durch die Hitze und milden Winter setzt zudem die Schneeschmelze früher ein und die Vegetation entwickelt sich früher, weshalb Gräser und Kräuter zum Zeitpunkt des Kitzsetzens im Juni bereits vertrocknet und nährstoffärmer sind. Die Jungtiere haben in der Folge im Winter nicht ausreichend Reserven. Im Allgemeinen schwächt die Hitze die Abwehrkräfte der alpinen Wildtiere.
Hase: Profiteur und Verlierer
Anders als das Kaninchen lebt der Feldhase ganzjährig oberirdisch und ist damit dem Wetter ausgesetzt. Ihm setzen nasskalte Frühjahrsmonate wie heuer zu. Dann wird sein Fell durchnässt und die Junghasen unterkühlen, wodurch die Sterblichkeit steigt und die Besätze sinken. Im Sommer profitiert er als ursprünglicher Steppenbewohner von den wärmeren Tagen.
Klima-Gewinner Wildschwein
Das Schwarzwild ist anpassungsfähig und ein klarer Gewinner der veränderten Kulturlandschaft und des Klimawandels. Durch die milden Winter findet es in den kalten Monaten ausreichend Äsung vor. Mastjahre mit vielen Samen und Früchten von unter anderem Eicheln und Buchen liefern ihnen zudem ausreichend Fett und Proteine.
Das Wildschwein passt zudem die Fortpflanzungsrate an die Verfügbarkeit von Nahrung an.
Insekten gewinnen, Schalenwild verliert
Aktuell passieren der Klimawandel und die Veränderung der Lebensräume schneller, als sich die Tierwelt anpassen kann. Dementsprechend kann es zu einer Artenverschiebung kommen. Während alpine Tierarten weniger werden, wachsen die Populationen von Zugvögeln und Insekten. So überwintert etwa der Silberreiher vereinzelt bereits in Österreich.
Insekten wiederum vermehren sich mehrmals pro Jahr und auch öfter, als noch vor einigen Jahren. Sie sind dadurch imstande, sich genetisch schneller anzupassen und zu vermehren. Die steigenden Temperaturen und wachsenden Insektenpopulationen erhöhen bei Wildtieren den Infektionsdruck, da zum Beispiel jene Fliege, die die Gamsblindheit überträgt, auch im Winter aktiv sein kann.
So sieht es im Bezirk aus
„Die Situation für Wildtiere ist im Bezirk natürlich genauso vom Klimawandel betroffen wie im gesamten Bundesland. Wir Jäger sind dazu berufen, die Folgen des Klimawandels für unser Wild abzumildern. Sei es durch Anlegen von Wildäckern, Wassertränken oder auch Notzeitfütterungen“, erklärt Bezirksjägermeister Johann Wagner.
Auch die Wildökolandaktion feiere heuer ihr 55-jähriges Bestehen. Die Jägerschaft, der Jagdverband, das Land NÖ und die EVN finanzieren laut Wagner hier gemeinsam Bäume und Sträucher und haben damit bereits 1.716 Hektar neuen Lebensraum für Wildtiere geschaffen.
Bezirksjägermeister appelliert: „Bleibt auf den Wegen!“
„Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die Wiederentdeckung der Natur durch viele Freizeitnutzer hat Auswirkung auf unser Wild. Daher meine Bitte an alle: Bleibt auf den Wegen und lassen wir dem Wild seine Ruhezonen! Gerade jetzt in den heißen Monaten verbraucht Wild durch Flucht sehr viel Energie“, appelliert der Bezirksjägermeister, der sich freut, dass das Thema „Jagd und Natur“ wieder auf sehr viel Interesse stößt: „Erfreulicherweise auch bei Frauen: Der Frauenanteil bei Jagdkursen ist bereits auf circa 30 Prozent gestiegen. Unser aller Motto ist: Dem Wild verpflichtet.“


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