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MOSTVIERTEL. Die Frauen*beratung Mostviertel setzt im August ein Zeichen gegen häusliche Gewalt. Unter dem Slogan „Gewalt macht keine Sommerpause“ soll das Bewusstsein für die allgegenwärtige Problematik häuslicher Gewalt geschärft und betroffene Frauen dazu ermutigt werden, Unterstützung zu suchen.

Die Frauen*beratung Mostviertel bietet betroffenen Frauen seit vielen Jahren Unterstützung (Foto: Frauen*beratung Mostviertel)

„Häusliche Gewalt kennt keine Jahreszeiten. Die Gewalt in den eigenen vier Wänden macht auch in der Ferien- und Urlaubszeit keine Pause,“ betont Karin Kienberger von der Frauen*beratung Mostviertel.

2024: 14 Femizide - 26 Mordversuche

Seit Beginn des Jahres 2024 wurden in Österreich 14 Femizide und 26 Mordversuche beziehungsweise Fälle schwerer Gewalt an Frauen offiziell registriert, der letzte erst Mitte Juli. Der Femizid als tödlichste Form patriarchaler Gewalt zeige hier erschreckend hohe Zahlen und doch sei er „nur die Spitze des Eisbergs“.

Viele dieser Opfer haben laut Kienberger zuvor schon über längere Zeit verschieden Formen von Gewalt erfahren, haben in „Gewaltbeziehungen“ gelebt.

„Es sind größtenteils Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, Frauen aus allen sozialen Schichten, jeden Alters und jeder Herkunft“, weiß Kienberger: „Jede dritte Frau, die zu uns in die Beratung kommt, war oder ist akut von Gewalt betroffen und oft dauert es lange, bis die Frauen den Weg in die Beratung finden. Sie haben Scham- oder Schuldgefühle und brauchen Mut die Gewalt zum ersten Mal als solche zu benennen.“

Klientin: „Er meinte, ich gehöre ihm“

Kienberger nennt den Fall von Frau P., einer Klientin, die erzählt: „Ich war sehr verliebt und am Anfang war er so charmant. Irgendwann hat er mich spüren lassen, dass es ihm nicht recht ist, wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe. Ich bin dann nicht mehr so oft rausgegangen und war meistens nur noch bei ihm. Später hat er begonnen mein Handy zu kontrollieren um zu sehen, mit wem ich schreibe. Er war schrecklich eifersüchtig und meinte, ich gehöre ihm. Anfangs fand ich das süß, viel später erst wurde mir klar, wie er das meint. Irgendwann hat er mir vorgeworfen ich würde ihn anlügen, er hat mich angeschrien und fest am Arm gepackt. Da hatte ich zum ersten Mal richtig Angst. Danach hat er sich entschuldigt und war wieder sehr lieb zu mir. Ich dachte es war ein einmaliger Ausrutscher ...“

System aus Machtausübung und Kontrolle

So oder ähnlich wie Frau P. den Beginn ihrer Geschichte schildert, geht es Kienberger zufolge vielen Frauen. Das System aus Machtausübung und Kontrolle, das in fast jeder Gewaltbeziehung zu finden sei, entwickle sich schleichend.

„Üblicherweise nimmt häusliche Gewalt mit der Zeit an Schwere und Häufigkeit zu. So entsteht ein System aus Abhängigkeiten, aus denen Frauen oft schwer ausbrechen können“, erklärt Kienberger.

Die Frauen*beratung Mostviertel bietet betroffenen Frauen seit vielen Jahren Unterstützung und hofft, mit ihrer Sommerkampagne nicht nur betroffene Frauen zu erreichen, sondern auch die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. „Es ist wichtig, dass wir hinschauen und handeln. Häusliche Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht,“ betont Kienberger.

Frauen*beratung Mostviertel
3300 Amstetten, Hauptplatz 21
3270 Scheibbs, Hauptstraße 4
Tel. 07472 63297
info@frauenberatung.co.at
www.frauenberatung.co.at

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