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Meteorologe Manfred Dorninger: „Es sind alle gefordert, etwas zu tun“

Michaela Aichinger, 23.09.2024 19:03

MOSTVIERTEL. Zuerst brütende Hitzeperioden, danach tagelange starke Regenfälle: Vor allem Ostösterreich war in den vergangenen Wochen mit extremen Wetterereignissen konfrontiert. Tips bat den gebürtigen Mostviertler Manfred Dorninger, Professor am Institut für Meteorologie und Geophysik an der Universität Wien, zum Gespräch.

Auf extreme Hitze folgten starke Niederschläge. (Foto: maykal/stock.adobe.com)
  1 / 2   Auf extreme Hitze folgten starke Niederschläge. (Foto: maykal/stock.adobe.com)

Tips: Herr Dorninger, vor wenigen Wochen hatten wir in Österreich noch mit extremer Hitze zu kämpfen, gefolgt von einem Temperatursturz und tagelangen Regenfällen, die vor allem in Niederösterreich für katastrophale Zustände sorg(t)en. Wie hängen solche extremen Wetterereignisse mit dem Klimawandel zusammen?

Manfred Dorninger: Diese beiden erwähnten Ereignisse haben etwas gemeinsam, dass sie erst zu Extremereignissen werden ließ und das war die Stationarität der herrschenden Wetterlage. Erst ein langanhaltendes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa führt zu Dürre und extremen Temperaturen, umgekehrt, die über viele Tage stationäre Lage des Tiefdruckgebietes ergab diese enormen Niederschlagssummen. Die Änderung der Dynamik der Atmosphäre im Zuge des Klimawandels lässt erwarten, dass sich Wettersysteme langsamer bewegen oder überhaupt stationär werden. Genau das haben wir bei beiden erwähnten Wetterlagen erlebt. Ein weiterer Punkt ist, dass sich im Zuge des Klimawandels nicht nur die mittlere Lufttemperatur erhöht, sondern auch die Meerestemperaturen steigen und hier, speziell als relativ kleines Meer, das Mittelmeer. Das dort entstandene Tief wurde dadurch mit enormen Mengen an Wasserdampf versorgt, welcher dann als Regen bei uns niederging.

Tips: Weil die Begriffe oft verwechselt werden: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Wetter und Klima?

Dorninger: Wetter beschreibt die aktuellen atmosphärischen Bedingungen an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt. Es umfasst kurzfristige Veränderungen der Temperatur, des Niederschlags, der Windgeschwindigkeit, der Bewölkung und anderer meteorologischer Faktoren. Wetter ändert sich von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde. Klima bezieht sich auf das typische oder durchschnittliche Wetter in einer bestimmten Region über einen längeren Zeitraum. Es beschreibt das langfristige Muster von Temperatur, Niederschlag, Windverhältnissen und anderen Wettermerkmalen in einem Gebiet. Folgendes Zitat, welches Mark Twain zugeschrieben wird, beschreibt den Unterschied mit etwas Ironie: „Klima ist das, was du erwartest, Wetter ist das, was du bekommst.“

Tips: Man hat das Gefühl, es gibt fast keine Übergangsjahreszeiten mehr – man schlüpft quasi vom Wintermantel in die Badehose und umgekehrt – werden Frühling und Herbst über kurz oder lang verschwinden?

Dorninger: Die Übergangsjahreszeiten waren schon immer von großen Gegensätzen im Witterungsablauf geprägt. Wer kennt nicht die Eisheiligen als den letzten Kaltluftvorstoß des vergangenen Winters oder Ostereiersuchen im Schnee, andererseits hat es im Mai schon immer Tage mit 30 Grad Celsius gegeben. Die allgemeine Erwärmung durch den Klimawandel bewirkt eine frühere Erwärmung im Jahr und lange Wärmephasen im Spätherbst. Der Kernwinter (das sind Phasen mit sehr tiefen Temperaturen und durchgehender Schneedecke) fällt in tieferen Lagen immer häufiger komplett aus. Die Übergangsjahreszeiten bleiben zwar bestehen, komprimieren sich aber in Richtung Winter. Von den Temperaturen her gesehen beginnt der Frühling früher und der Herbst startet später.

Tips: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel speziell in Österreich?

Dorninger: Generell wird das zukünftige Klima im Alpenraum viele Merkmale des heutigen Mittelmeerklimas zeigen mit trockenen und heißen Sommern und milden Wintern. Die Gletscher werden sich weiter zurückziehen und Großteils verschwinden. Die Schneefallgrenzen steigen. Die Sommer werden durch langanhaltende Trockenperioden gekennzeichnet sein. Wir sehen diese Effekte schon jetzt. Das wird Adaptionen in den verschiedensten Bereichen erfordern wie Land- und Forstwirtschaft, Tourismus aber auch Infrastruktur.

Tips:Welche Lösungen gibt es zur Rettung des Klimas? Wen sehen Sie hier besonders gefordert? Politik? Wirtschaft? Den einzelnen Bürger? Viele Menschen fühlen angesichts dieser großen Thematik Ohnmacht – man hört immer wieder: „Ich alleine werde das Klima nicht retten, nur weil ich zweimal pro Woche vom Auto auf das Fahrrad umsteige“ ...

Dorninger: Diese Ohnmacht kann ich gut nachvollziehen. Der von Menschen getriebene Klimawandel kann auch nur von Menschen gelöst werden. Es sind alle gefordert, von der globalen Dimension bis runter zu mir als Einzelperson. Lösungen sind und werden so vielfältig sein müssen wie das Problem selbst. Klimaschutz und Umweltschutz sind eng verwandt. Zu ihrem Beispiel oben vom Wechsel zum Fahrrad und als Motivation. Es wird dadurch nicht nur ein klein wenig CO2 eingespart, sondern aus dem Auspuff kommen auch noch andere zum Teil krebserregende Schadstoffe, die direkt in der lokalen Umwelt wirken.


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