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MOSTVIERTEL. Die pensionierte Oberschulrätin Anneliese Kühhas aus der Marktgemeinde Sonntagberg setzt sich gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten für Geflüchtete ein. Einer ihrer Schützlinge war Mohammad Bagger Nazare.

  1 / 2   Mohammad Bagger Nazare besaß niemals eine Geburtsurkunde oder ein anderes Dokument, das seine Existenz bescheinigen konnte. (Foto: Privat)

Mohammad Bagger Nazare verließ 2015 seine kleine Familie in Pakistan, fest im Glauben, dass er in Europa ein besseres Leben führen könnte, Arbeit und Wohnung bekäme, und somit der Weg frei wäre, seine Frau und die zwei kleinen Kinder nachzuholen.

Fünf Jahre lebte er in Waidhofen/Ybbs. Hier durfte er das erste Mal in seinem Leben etwas lernen, nahm an einem Deutschkurs teil. Er versäumte keine einzige Lernstunde und kam zielstrebig voran. Mohammad konnte sich bald schon recht gut verständigen.

Sein ruhiges, äußerst nettes Wesen brachte ihm auch etliche österreichische Freunde ein.

Abschiebung nach Afghanistan

Kühhas: „Immer wieder half er freiwillig bei Arbeiten in privaten Haushalten und bot sich auch anderweitig als Hilfsarbeiter an. Dann wurde er abgeschoben nach Afghanistan, in ein Land, das er gar nicht kannte.“

Mohammad besaß niemals eine Geburtsurkunde oder ein anderes Dokument, das seine Existenz bescheinigen konnte. „Eigentlich existiert er bis heute nicht, und kein Land auf dieser Erde wird ihn anerkennen“, so Kühhas.

Zurück nach Pakistan

Mohammad kehrte auf dem Fluchtweg mit Geldspenden nach Pakistan zurück. Er musste mitsamt seiner Familie untertauchen und als U-Boot in einer Großstadt überleben. „Wir, seine österreichischen Freunde, ermöglichten ihm den Kauf einer dreirädrigen Riksha, damit er Gemüse transportieren kann und Arbeit hat“, berichtet Kühhas.

2023 wurden 300.000 Afghanen brutal abgeschoben. Schergen drangen in die Häuser ein und zwangen Menschen, die keine pakistanischen Dokumente vorweisen konnten, zur Ausreise in ein Land, wo die Taliban herrschen.

Schulbildung der Kinder

„Mohammad konnte in dieser Zeit kaum mehr schlafen. Pure Angst, entdeckt zu werden, überschattete sein karges Leben. Er hatte Glück: Er und seine Familie wurden nicht gefunden. Seine einzige Freude sind seine Kinder, denen er eine Schulbildung ermöglichen will. Das kann nur in einer Privatschule geschehen, da diese nicht vom Staat kontrolliert wird. Alleine kann er das Geld dafür nicht aufbringen“, berichtet Kühhas.


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