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AMSTETTEN. Die ITF-World Tennis Tour macht aktuell mit einem mit 60.000 Dollar dotierten W75-Damenturnier in Amstetten Halt, den Ladies Open powered by Sportland Niederösterreich. Ein Zwischenbericht.

  1 / 4   Gegen Elena Pridankina (l.) unterlag Sinja Kraus trotz einer über weite Strecken guten Leistung mit 6:7 und 3:6. (Foto: @samuelmatteofilms/LADIES OPEN Amstetten)

Am vierten Turniertag der Ladies Open sorgte eine Überraschung für Aufsehen: Am Centercourt musste die an Position zwei gesetzte Belgierin Hanne Vandewinkel eine Niederlage gegen die stark aufspielende Niederländerin Eva Vedder hinnehmen.

In einem intensiven Match setzte sich die 24-jährige Linkshänderin mit 6:4, 7:5 durch. Vedder, die im August das Halbfinale beim W75 in Cordenons, Italien, erreicht hatte, bestätigte damit ihre ausgezeichnete Form. Vandewinkel analysierte die Partie nüchtern: „In den entscheidenden Momenten hat Eva einfach besser gespielt.“

Im Anschluss konnte sich Litauens Billie Jean King Cup-Rekord-Doppelspielerin Justina Mikulskyte in einem spannenden Dreisatzduell gegen Serbiens Mia Ristić durchsetzen. Auch die an vier gesetzte Türkin Berfu Cengiz und die Deutsche Noma Noha Akugue konnten mit Siegen überzeugen.

Anna Pircher: Von der Niederlage profitieren

Besondere Beachtung fand das Duell der 14-jährigen österreichischen Nachwuchshoffnung Anna Pircher gegen die in Österreich lebende Russin Victoria Kan, die einst bis auf Platz 151 der WTA-Weltrangliste vorstieß. Trotz einer 3:6, 3:6-Niederlage bei sengender Hitze zog Pirchers Trainer Hannes König positive Schlüsse: „Anna hat durch ihren Erstrundensieg fünf Weltranglistenpunkte gesammelt und kann nun bei fast allen 15.000-Dollar-Turnieren starten.“

König sah in der Niederlage auch einen wichtigen Lernprozess: „Kan hat Anna in kritischen Momenten immer wieder neue Herausforderungen gestellt. Diese Erfahrungen wird Anna im Training verarbeiten und davon profitieren.“ Kan, die einst als großes Talent im Juniorenbereich galt, unter anderem im Wimbledon-Doppelfinale stand, wurde durch Verletzungen in ihrer Karriere wiederholt zurückgeworfen.

Top-Spielerin Sinja Kraus scheitert im Viertelfinale

Nach dem Sieg über die Italienerin Tatiana Pieri zog Österreichs-Top-Spielerin Sinja Kraus ins Viertelfinale ein. Gegen Elena Pridankina, die in Hochform befindliche 18-jährige Tochter des Kurzzeitcoaches von Daniil Medwedew, Ivan Pridankin, unterlag Sinja Kraus jedoch trotz einer über weite Strecken guten Leistung mit 6:7 und 3:6.

Das Spiel begann mit völlig geänderten Vorzeichen gegenüber der Achtefinalpartie gegen Pieri. Während Pieri ihr Spiel völlig auf Sicherheitstennis ausgerichtet hatte, setzte die großgewachsene 18-jährige Rechtshänderin auf ihren Aufschlag und druckvolles Spiel von der Grundlinie.

Kraus streute gleich zu Beginn einige Mondbälle ein, um den Rhythmus der Gegnerin zu brechen und startete ganz offensichtlich wesentlich ruhiger ins Spiel als in den Partien zuvor.

Vergebene Chance bei 4:2-Führung

Beim Stand von 3:2 gelang Kraus ein Break zum 4:2, die Russin zeigte auch erstmals im Turnierverlauf Emotionen  nach einem ungezwungenen Outball. ÖTV-Billie Jean King Cup Kapitänen Marion Maruska: „Das Game nach dem 4:2 war ein Knackpunkt. Sinja war nach der Führung vielleicht etwas zu ungeduldig.“ 

Das angesprochene Game musste Kraus bei eigenem Aufschlag zu null abgeben und Pridankina absolvierte auch das folgende Aufschlag-Game souverän - 4:4.

Ex-Doppelkollegin Melanie Klaffner und Marion Maruska munterten Kraus immer wieder auf, aber jetzt wechselten sich Winner der Russin und unerzwungene Fehler von Kraus ab.

Bei 5:4 servierte die Russin auf den ersten Satz: Sie zeigte mit zwei Fehlern aber Nerven und während Kraus wieder druckvoll und genau agierte.

Mit einem unerreichbaren Slice nach einer herrlichen Rallye und drei Punktschlägen nach hervorragenden Aufschlägen holte Kraus das nächste Game zu null und stellte auf 6:5. Pridankina konterte ebenso souverän - Tiebreak.

Satzball nach 0:3-Rückstand

 Auch nach drei Fehlern von Kraus zum 0:3 war der erste Satz noch nicht gegessen. Kraus übernahm wieder das Zepter und hatte bei 7:6 einen Matchball bei Aufschlag Pridankina. Mit einem tollen Return setzte Kraus die Gegnerin unter Druck, Pridankina befreite sich aber mit einem tollen Defensiv-Cross und holte sich anschließend den ersten Satz mit 9:7.

 Viele enge Games in Satz 2

Im zweiten Satz breakte Kraus die Gegnerin im ersten Game. Dann holte die Russin aber drei Spiele in Serie.

Bei 2:3 und eigenem Aufschlag wehrte Kraus beim Stand von 30:40 einen Breakball souverän mit drei starken Services ab und plötzlich funktionierten auch die Grundschläge wieder besser. In den folgenden games gab es immer wieder Möglichkeiten für beide Spielerinnen, Pridankina hatte aber immer das bessere Ende für sich.

Mit einem herrlichen Cross nach einem guten Angriffsball von Kraus beendete Pridankina das Spiel zu ihren Gunsten.

Pridankina war beim Siegerinnen-Interview glücklich: „Letzte Woche war ich mit meinem Coach unterwegs und im Finale von Zagreb. Hier in Amstetten begleitet mich meine Mama. Es macht mich glücklich, dass alle an mich glauben. Ich fühle mich wirklich sehr gut in Form.“

Gleichzeitig räumte sie aber auch ein, dass sie von Sinja Kraus im Laufe des Turnieres erstmals richtig gefordert wurde.

Das Fazit von ÖTV-Billie Jean King Cup Kapitänen Marion Maruska: „Sinja hat hier beim Ladies Open Amstetten ein sehr gutes Comeback geliefert. Natürlich ist sie heute enttäuscht, weil sie wirklich Chancen hatte das Spiel zu gewinnen. Aber zwei Siege gegen starke Gegnerinnen beim ersten Antreten nach einer Handgelenksoperation sind eine sehr gute Basis für die weitere Saison.“

Gasparovic und Rothensteiner mit Talentprobe

Während Sinja Kraus gegen Tatiana Pieri um den Einzug ins Viertelfinale kämpfte, sorgten die jungen Niederösterreicherinnen Claudia Gasparovic, 19, und Liel Rothensteiner, 20, auf Court 2 hinter dem Center Court fast für eine Sensation. Sie gewannen gegen die Nummer 2 des Turniers, Veronika Falkowska aus Polen, und Anastasia Detiuk aus Tschechien, die zusammen 44 ITF-Doppelsiege vorweisen können, den zweiten Satz mit 7:5. Im Match-Tiebreak unterlagen sie dann knapp mit 4:10. 

Mit ihrem Viertelfinaleinzug nach dem Sieg gegen Kostyuk/Schüller holten die Traiskirchnerin und die Perchtoldsdorferin aber verdiente Punkte für die Rangliste.


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