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ZUSAMMEN:ÖSTERREICH: Integrationsbotschafter besuchten Schüler der Landesberufsschule

Norbert Mottas, 02.07.2018 17:10

AMSTETTEN. Im Rahmen des Integrationsprojekts ZUSAMMEN:ÖSTERREICH besuchten Integrationsbotschafter die Schüler der LBS (Landesberufsschule) Amstetten und erzählten ihre Lebensgeschichten.

Abdelati Krimi, Stefanie Stankovic und Mislav Lukacevic (v. l.) Foto: mott
  1 / 5   Abdelati Krimi, Stefanie Stankovic und Mislav Lukacevic (v. l.) Foto: mott

AMSTETTEN. Die Schüler der LBS Amstetten hatten sich mittels der mobilen ZUSAMMEN:ÖSTERREICH-Ausstellung „Migration – Integration – Asyl“ intensiv mit dem Themenbereich Integration auseinandergesetzt. Dabei erarbeiten die Schüler in eigenen Projektaufgaben ihre eigene Integrationsgeschichte und behandelten die unterschiedliche Zuwanderung nach Österreich und aktuelle Herausforderungen im Integrationsbereich. Als Abschluss des Projektes berichteten Integrationsbotschafter – das sind Menschen, die in Österreich eingewandert sind und erfolgreich integriert wurden – ihre Lebensgeschichten und legten dabei eine große Offenheit an den Tag. Das wiederum stieß auf große Aufmerksamkeit bei den jungen Leuten.

Positiver Freundeskreis

Der ZUSAMMEN:ÖSTERREICH Mitarbeiter Mislav Lukacevic hat Wurzeln in Bosnien und Herzegowina. Er bezeichnet sich als Katholik mit muslimischem Blut. Er erzählte, dass er als Kind schwer krank war und eine Bluttransfusion brauchte und Blut von einem muslimischen Blutspender bekommen hatte. Als er noch ein ganz kleines Kind war, flüchtete seine Familie vor dem Krieg nach Österreich. Als er in die Schule kam, ging er in eine sogenannte Brennpunktschule. Dort war er vor allem mit Mitschülern aus Bosnien und Nachbarländern befreundet. Ganz offen erzählte er den gebannt zuhörenden Schülern, dass er daran war, in schlechte Gesellschaft auf die schiefe Bahn zu geraten. Eines Tages dachte er, dass seine Eltern mit den Kindern nach Österreich gekommen waren, um ein würdiges Leben zu führen und dass er diese Chance nicht verstreichen lassen wolle. Er suchte sich neue Freunde, die ein positives Lebensgefühl vermittelten. Dann berichtete Mislav Lukacevic vom Bundesheer. Damals waren sie 16 Leute in einem Zimmer. Anfangs hatten die Leute begonnen, sich nach ihrer ethnischen Herkunft zu gruppieren. Aber im Laufe der Zeit wuchsen sie zusammen und am Ende war es ganz egal, woher einer stammte und sie sind bis heute befreundet. Sein Appell an die Schüler der LBS: „Schaut, dass ihr einen positiven Freundeskreis habt, achtet darauf, dass ihr euch aufwertet, nicht abwertet. Wertet Menschen nicht nach deren Aussehen, Hautfarbe oder Herkunft.“

Im falschen Körper geboren

Die Friseurin und Visagistin mit serbischen Wurzeln Stefanie Stankovic erzählte gleich am Anfang ihres Berichts, dass sie eine Transgender-Frau sei, die als Kind „im falschen Körper“ als Bub geboren wurde. Die Kindheit und Jugend war eine harte Zeit, da sie von Mitschülern und Lehrern gemobbt wurde. Nach der Matura ging sie an die Kunstuniversität in Belgrad. Doch auch dort wurde sie gemobbt: Ihr wurde ihre Tasche angezündet, sie wurde mit dem Messer bedroht, und fast täglich fielen ihren Mitstudenten neue Methoden ein, sie zu quälen.Schließlich begann sie ein Kunstgeschichtestudium in Wien und erlebte erstmals Freundschaft und Respekt. Anfangs noch verschlossen öffnete sie sich mehr und mehr. „Heute habe ich kein Problem mehr, Freundschaften zu schließen. Ich kann in kürzester Zeit mit Menschen in Kontakt kommen“, erzählte sie. Ihr Appell an die Schüler: „Es ist unglaublich, wie sehr einem eine positive Umwelt Halt geben kann. Wichtig ist es, tolerant miteinander umzugehen. Helft euch gegenseitig beim Integieren.

„Integration durch Bildung“

Der Berufsberater Abdelati Krimi stammt aus Marokko. Von seinen Eltern berichtet er: „Mein Vater ist blond und er hat blaue Augen, meine Mutter ist ganz schwarz und ich bin Cafè Latte. Ich wurde in einem kleinen Dorf in Marokko unter einem Baum geboren.“ Abdelati Krimis Mutter betonte immer, wie wichtig Bildung sei.

Abdelati Krimi kam eines Tages in Casablanca am österreichischen Konsulat vorbei, ging hinein und fand dort eine sehr freundliche Dame am Empfang vor, sodass er sicher war „Österreich ist ein schönes Land“. Er kam nach Österreich und beeilte sich, die deutsche Sprache zu lernen. „Die deutsche Sprache ist schwer, man braucht Kontakte, damit man sie immer wieder einüben kann“, erklärte er. Abdelati Krimi ist mit vielen Menschen aus unterschiedlichster Herkunft befreundet. Sein Credo: „Integration geschieht durch Bildung. Unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Kultur: Zusammen sind wir Österreicher.“

Interessierte Fragen

Im Anschluss an die Berichte hatten die Berufsschüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen und die Fragen zeugten von großem Interesse. So fragten sie die Botschafter, welche Sprache sie mit den Eltern sprechen. Auch wie es sich als Transgender-Person lebt, interessierte die jungen Leute. Ein Schüler fragte, ob die Integrations-Botschafter in ihre Heimat zurück gehen würden, wenn es in Österreich zu einem Krieg kommen würde. Abdelati Krimi erklärte, dass die jungen Leute alles daran setzen sollen, dass es gar nicht so weit komme. Er sagte: „Kämpft für Frieden und Freiheit in diesem schönen Land Österreich!“

Nach allen Statements der Botschafter gab es großen Applaus von den Lehrlingen.


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