Leserbrief Kaplan Franz Sieder aus Amstetten: Warum schädigt eine rechte Regierung die Wirtschaft?
AMSTETTEN. In einem Leserbrief behandelt der Amstettner Kaplan Franz Sieder das Thema „Politik in Zeiten der Coronakrise“.

Kaplan Franz Sieder:
„Die ÖVP hat immer eine Politik gemacht, die die Wirtschaft fördert und die mithilft, dass die Reichen reicher werden. Mit dem Regierungspartner FPÖ hat sie sogar die Sozialpartnerschaft mehr oder weniger ausgeschaltet, um in dieser Richtung freier agieren zu können. Momentan in der Corona-Krise schädigt diese Regierung aber enorm die Wirtschaft. Was sind die Gründe, die sie zu dieser Umkehr zwingen? Tödlich ist das Coronavirus vor allem für die alten Menschen. Die Alten sind aber nach der kapitalistischen Logik nicht unbedingt die schützenwerteste Gruppe der Gesellschaft. Sie sterben ohnehin bald und außerdem sind sie keine Leistungsträger in der Gesellschaft. Sie sind durch die Pensionen und das Pflegegeld eher eine Last. Warum werden sie jetzt durch Maßnahmen und Gesetze der aktuellen Regierung besonders geschützt? Hat die Regierung eine Bekehrung gemacht und macht sie jetzt eine Politik für die Menschen und ganz besonders eine Politik für die Schwächsten der Gesellschaft und nimmt in Kauf, dass die Wirtschaft in große Turbulenzen kommt und manche kleine Betriebe sogar zugrunde gehen?“
„Glaube nicht an Bekehrung“
„Ich glaube nicht an die Bekehrung der rechten Politik, dass sie in ihrer Grundintention plötzlich eine Politik für die Menschen macht, besonders für die Armen und Schwachen unserer Gesellschaft. Wenn die Politiker in dieser Intention Politik machen wollen, dann müssten sie selbstverständlich auch heute schon sagen, dass sie nach der Coronakrise die Vermögenssteuer erhöhen und auch die Erbschaftssteuer einführen, damit nicht durch die notwendigen Sparpakete ein nicht unerheblicher Teil der Menschen in bittere Armut hineinschlittert.
Ich glaube, dass vor allem durch zwei Gründe die aktuelle Politik gezwungen wird, eine Politik zugunsten der Menschen zu machen.
Der erste Grund ist, dass das Gesundheitssystem zusammenbrechen würde, wenn Maßnahmen nicht gesetzt worden wären. Wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht und die Spitäler keine Patienten mehr aufnehmen könnten, dann wäre das eine Katastrophe für die gesamte Gesellschaft und das kann sich keine Regierung leisten.“
„Die Alten haben einen starken Anwalt in der Gesellschaft“
„Der zweite Grund ist, dass die Alten in der Gesellschaft einen starken Anwalt haben. Dieser Anwalt sind die Kinder und Enkelkinder der Alten. Sie wollen nicht, dass die Regierung den alten Opa und die alte Oma leichtfertig sterben lässt. Eine Regierung, die so etwas tut, würden sie nicht mehr wählen …“
„Politik zugunsten der Schwachen fortsetzen“
„Ich freue mich, dass die Regierung momentan eine Politik zugunsten der Menschen macht. Ich würde mich noch mehr freuen, wenn diese Politik zugunsten der Schwächsten in unserer Gesellschaft auch nach Coronakrise fortgesetzt wird. Ich fürchte aber, dass man dann wieder zum alten Schema zurückkehrt und wieder nach kapitalistischer Logik regiert wird.“


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20.05.2020 17:21
Ich hör' die Botschaft wohl, allein mir fehlt der Glaube
Ich kann keine Politik zugunsten der Menschen erkennen, wenn die versprochenen Hilfen bei den Bedürftigen nicht ankommen. Die verheerenden Folgen (Existenznöte) der schwerwiegenden Fehler die hier gemacht wurden, werden schneller auf die Bevölkerung hereinbrechen als das Virus die Bevölkerung in einer "zweiten Welle" treffen wird. Ja, es war sicherlich schwer richtige Entscheidungen zu treffen. Aber warum wurde nicht erhoben, wie viele Beatmungsgeräte oder Intensivbetten tatsächlich gebraucht werden könnten. Die kolportierten Zahlen waren bloß "Hausnummern". Liebe ÖVP: Ihr solltet als Wirtschaftspartei wissen, dass es keinen Cent an Investitionskapital für ein Startup gibt, das keine Marktanalyse gemacht hat und/oder falsche Zahlen vorlegt. Warum sagt man uns auch heute nicht, wie viele Covid-19 PatientInnen ohne bzw. trotz intensivmedizinischer Behandlung verstorben sind? wie alt diese Verstorbenen waren und ob sie an Vorerkrankungen gelitten haben. Und warum sagt man uns auch nicht wie viele der an Covid-19 Verstorbenen, eine intensivmedizinische Behandlung für sich abgelehnt haben? Ist das Geheimhalten dieser Zahlen die Vorbereitung für die kommenden Fehlentscheidungen? Ob gewollt oder ungewollt, mit der heuchlerischen Aussage, die Alten schützen zu wollen, wurde ein Generationenkonflikt angezündet, dessen Ausmaß wir erst sehen werden, sobald die Bevölkerung merkt, dass Arbeitslosengeld, Hilfsfonds, etc. nicht ausreichen und schon gar nicht den Wahnsinn verhindern können, den Arbeitslosigkeit leider verursacht.