Widerstand gegen Verlegung der Neurologischen Abteilungen
AMSTETTEN. Die von der NÖ Landesgesundheitsagentur geplante Verlegung der neurologischen Abteilungen vom Landesklinikum Mauer nach Melk stößt in der ganzen Region und quer über alle Parteigrenzen auf einhellige Ablehnung.

AMSTETTEN. Die neue NÖ Landesgesundheitsagentur löste bereits in den ersten Tagen ihrer operativen Tätigkeit eine enorme Welle der Empörung aus. Ohne das mit den Betroffenen zu besprechen, beschlossen die Verantwortlichen der Landesgesundheitsagentur, die neurologischen Abteilungen des Landesklinikums Mauer nach Melk zu verlegen. Damit stießen die Verantwortlichen auf eine breite Ablehnung, seitens aller im Amstettner Gemeinderat vertretenen Parteien einerseits, seitens der betroffenen Mitarbeiter und seitens eines Großteils der Bevölkerung. Gerade die Bevölkerung schätzt die Leistungen der Neurologie in Mauer sehr. Das zeigt sich in der großen und noch immer wachsenden Zahl der Unterschriften gegen die Verlegung – bis Redaktionsschluss waren es 14.800 Unterschriften. Noch bis Ende des Monats wird gesammelt, dann werden die Unterschriften den Entscheidungsträgern übergeben.
Sicht aus drei Perspektiven
David Kalteis ist Diplomkrankenpfleger in der Neurologie I in Mauer, er ist Mitglied des Betriebsrats und ÖVP-Gemeinderat in Oed-Oehling. Daher kennt er die Meinung der Bürger und die der Belegschaft und er weiß aus seiner eigenen Arbeit, wie die Leistung der Neurologie in Mauer einzuschätzen ist. Für Kalteis spricht vieles für einen Verbleib der Neurologie in Mauer – wohingegen seitens der Landesgesundheitsagentur noch keine schlüssigen Gründe für eine Verlegung vorgelegt worden seien.
Gewachsene Strukturen
Die Strukturen der Neurologie in Mauer sind harmonisch gewachsen und das Team ist bestens eingespielt. Bis sich eine ähnlich hohe Qualität an einer anderen Stelle entwickeln würde, würde es sehr lange dauern. Die Menschen der Region, die hier behandelt wurden, sind voll des Lobes für Leistungen.Kalteis nennt als Beispiel den klassischen Schlaganfall. Abgesehen von der Tragödie für den Familienverband gilt es, eine standorttypische Rehabilitation durchzuführen. Die Fortschritte sind in Mauer enorm – auch aufgrund der Einrichtungen. So gibt es etwa den „Therapiehügel“, wo die Patienten allerlei Trainingsgeräte für die Physiotherapie vorfinden. Auch der Park des Landesklinikums sei von großem therapeutischen Nutzen.
Schaden für Menschen der Region
So sei es ein Schaden für die Gesundheit der Menschen der Region, wenn eine derart gut funktionierende Abteilung aufgelöst werde. Kalteis räumt ein, dass die Gebäude nicht topmodern seien, aber für Patienten sei es viel wichtiger, gut aufgenommen, behandelt und betreut zu werden als in „lichtdurchfluteten“ Räumen zu liegen.
Als Betriebsrat erklärt Kalteis, dass viele Menschen ihren Lebensmittelpunkt auf die Arbeit in Mauer ausgerichtet haben. So setze sich der Betriebsrat dafür ein, dass diesen Mitarbeitern im Falle einer Verlegung Perspektiven mit optimalen Lösungen angeboten werden.
Seitens der Landesgesundheitsagentur vermisst Kalteis einen wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern. „Wir wundern uns, wer wo Informationen her hat und können die Entscheidung schwer nachvollziehen.“
Politische Scharmützel
Alle Fraktionen des Amstettner Gemeinderats sind gegen die Verlegung der Neurologie, allerdings geht es nicht ohne politische Scharmützel. So kritisierte etwa Vizebürgermeister Dominic Hörlezeder (Grüne) Landesrätin Ulrike-Königsberger-Ludwig (SPÖ) ungewohnt scharf. „Sie hat die Schaffung der Gesundheitsagentur vorangetrieben und steht vollinhaltlich dahinter. Sie muss gewusst haben, was man für Pläne mit dem Klinikum Mauer hat.“
Königsberger-Ludwig weist die Anschuldigungen der Amstettner Grünen auf das Schärfste zurück: “Zu allererst muss man sagen, dass die Amstettner Grünen ihre Kritik an ÖVP-LR Pernkopf richten müssen, da dieser für das Spitalswesen zuständig ist. Zweitens wurde die Schaffung der Landesgesundheitsagentur nicht von mir vorangetrieben, sondern mit allen im Landtag vertretenen Fraktionen, außer den Grünen, gemeinsam beschlossen – weil es ganz einfach Sinn macht, Gesundheit ganzheitlich zu denken.“
„Blendgranate“
Stadtrat Bernhard Wagner (SPÖ) ortet ein „Duell ÖVP gegen ÖVP, bei dem die Beschäftigten und der Standort Mauer draufzahlen. Dass gleichzeitig die Grünen als Koalitionspartner der VP-geführten Stadtregierung ausgeschickt werden, um zur Ablenkung eine politische Blendgranate zu zünden und eine für Landeskliniken gar nicht zuständige SP-Landesrätin zu beschuldigen, passt da gut ins Bild“, so Wagner.
Die Gemeinderatsmandatare der SPÖ Amstetten unterstützen die Petition mit ihrer Unterschrift. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir diese Petition unterschreiben und an der Seite der Beschäftigten für einen starken Gesundheitsstandort Mauer kämpfen. Des Weiteren ist klar, dass wir uns auch in Zukunft gegen jede Maßnahme stellen werden, die eine Verschlechterung für die Gesundheitsversorgung in Amstetten darstellt“, erklärt SP-Gesundheitsstadträtin Beate Hochstrasser.
NEOS: Mangelnde Transparenz
Die NEOS Amstetten kritisieren die mangelnde Transparenz des Entscheidungsprozesses. „Ich hätte zur Neurologie gerne eine inhaltliche Debatte geführt. Tatsächlich hat uns niemand die Logik hinter der Abzugsentscheidung erklären können“, ärgert sich NEOS-Gemeinderat Christopher Hager. Die Stadt-Pinken konstatieren massive Transparenz- und Beteiligungsmängel hinsichtlich der Absiedlung der Neurologischen Abteilung aus dem Klinikum Mauer. Ob die Entscheidungsgrundlage ökonomische oder gesundheitspolitische Erwägungen waren, wisse niemand, da die offiziellen Stellen bis heute eine Begründung schuldig bleiben.“Das einzige, das man derzeit weiß, ist, dass die Neurologie abgezogen werden soll,“ ergänzt NEOS Regionalkoordinator Daniel Gieber und fügt hinzu „über die Gründe erfährt die Öffentlichkeit nichts.“ Die Amstettner NEOS kritisieren, dass der Eindruck entstehe, dass alle Beteiligten, inklusive der Stadtgemeinde, vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollten. Die Gemeinde selbst sei offenbar nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen worden.


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22.07.2020 22:57
Neurologie Mauer erhalten!
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