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BEZIRK. Die Corona-Pandemie dominierte 2020 den Beratungsalltag der Arbeiterkammer-Bezirksstelle in Amstetten.

AK-Bezirksstellenleiter Robert Schuster (l.) sowie AK Niederösterreich-Kammerrat Hermann Gleich präsentierten die Arbeits- und Sozialrechtsbilanz des Jahres 2020. Foto: mai

Ein Jahr ganz im Zeichen der Corona-Krise erlebten die Mitarbeiter der AK-Bezirksstelle Amstetten. „Mehr als 23.000 Menschen haben vergangenes Jahr mit uns Kontakt aufgenommen“, erzählt Bezirksstellenleiter Robert Schuster. „Manchmal ging es nur um rasche Auskünfte und Informationen zu Kurzarbeit, einvernehmlicher Lösung, Kündigung, Quarantänebestimmungen, Homeoffice und Freistellung wegen Kinderbetreuung“, so Schuster. In 9.257 Fällen benötigten die Menschen hingegen weiterführende Beratung und die Unterstützung der AK-Experten in konkreten Problemfällen.

„Bezirksstelle hat im Vorjahr 2,77 Millionen Euro gesichert“

„Das vergangene Jahr hat einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig wir als regionale Anlaufstelle sind – allein in der Telefonberatung stieg die Zahl der Anfragen um über 40 Prozent“, zieht Schuster Bilanz. Insgesamt hat die Bezirksstelle 2020 rund 2,77 Millionen Euro für die Arbeitnehmer der Region gesichert.

Fall aus dem Mostviertel

Schuster berichtet auch von einigen Schicksalen, mit denen seine Mitarbeiter konfrontiert waren und sind: „Ein Arbeiter aus dem Bezirk Amstetten ging im November 2020 zum Corona-Test, da er Symptome zeigte. Er informierte vor Arbeitsbeginn einen Kollegen per WhatsApp: „Muss heute Corona-Test machen!“ Rund eine Stunde später wurde er von seinem Arbeitgeber telefonisch kontaktiert und mit den Worten entlassen: „Das ist existenzbedrohend – Du bist fristlos entlassen!“ Am nächsten Tag, ein Freitag, erhielt er spätnachmittags sein negatives Testergebnis. Der Monteur kündigte sonntags seinem Chef das Erscheinen am nächsten Tag im Betrieb an. Obwohl er zeigte, dass er arbeitsfähig, arbeitswillig und arbeitsbereit ist, wurde ihm die Arbeitsaufnahme verweigert“, berichtet Schuster. Also wandte sich der Arbeitnehmer an die AK-Bezirksstelle Amstetten. Da die Intervention der Arbeiterkammer per eingeschriebenem Brief nicht behoben wurde, wurde der Fall an den AK-Rechtsschutz übergeben. „Das Rechtsschutzbüro wird die Entlassung als ungerechtfertigt anfechten und die Ansprüche des Mostviertlers in Höhe von rund 4.800 Euro beim Arbeits- und Sozialgericht einklagen“, erklärt Schuster.

190.000 NÖ Beschäftigte suchten im Vorjahr Hilfe

Niederösterreichweit nahmen 190.000 Beschäftigte im Vorjahr die Hilfe der AK Niederösterreich in Anspruch. „Das sind um 40.000 Arbeitnehmer mehr als im Jahr davor“, so Hermann Gleich, AK Niederösterreich-Kammerrat. Für die betroffenen Beschäftigten seien 46 Millionen Euro erkämpft worden. „In der Coronakrise sehen wir: Die wahren Leistungsträger sind die Arbeitnehmer im Land. Umso wichtiger ist es, dass sie zu ihrem Recht kommen“, so Gleich.

„Viele AK-Mitglieder waren verunsichert“

Besonders in den ersten beiden Monaten der Krise seien nahezu alle Anrufe bei der Arbeitsrechtsabteilung der AK Niederösterreich in Zusammenhang mit Corona gestanden. „Durch teils widersprüchliche Aussagen der Politik waren viele AK-Mitglieder besonders verunsichert, wobei Fragen zu Risikogruppen, Massentestungen und Maskenpflicht mit Fortdauer der Krise zunahmen und bis heute immer wieder Gegenstand des Beratungsalltags in der AK Niederösterreich sind“, erklärt Gleich, der auch die aktuell besonders häufig gestellte Frage beantwortet: „Es gibt in Österreich die klare Festlegung, dass es für keine Berufsgruppe eine gesetzlich angeordnete Impfpflicht gibt.“

Forderung: 1.000 Euro für jeden Haushalt

Um der Krise entgegenzusteuern, müsse die Kaufkraft gesteigert werden. Deshalb fordert die AK Niederösterreich von der Bundesregierung ein Gutscheinheft über 1.000 Euro für jeden Haushalt. 100 Gutscheine zu je zehn Euro sollen in der regionalen Wirtschaft eingelöst werden können. „Allein in Niederösterreich würden 730.000 Haushalte davon profitieren“, ist AK-Kammerrat Gleich überzeugt.


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