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AMSTETTEN. Die Ärztin Ester Steininger ist Obfrau des HOSPIZfördervereins Amstetten. Dieser setzt sich seit 20 Jahren für die Errichtung einer Palliativstation in Amstetten ein, wird aber stets vertröstet. In einem offenen Brief kritisiert Steininger, dass in landesnahen Zeitungen die Palliativ-Situation Niederösterreichs bejubelt wird, während Amstetten noch immer auf die Umsetzung wartet. Tips-Redakteur Norbert Mottas bat Ester Steininger um ein Interview.

Die Ärztin Ester Steininger ist Obfrau des HOSPIZfördervereins Amstetten (Foto: mott)
Die Ärztin Ester Steininger ist Obfrau des HOSPIZfördervereins Amstetten (Foto: mott)

Tips: Sie verweisen darauf, dass Niederösterreich – entgegen der Behauptungen in den landesnahen Zeitungen „Wir“ (1/2022) und ,,Gesund & Leben“ (0312022) – die ÖBIG-Kriterien nicht erfüllt (ÖBIG – Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen).Inwiefern werden diese Kriterien nicht erfüllt?

Steininger: Die Hospiz- und Palliativversorgung in NÖ wurde im Vergleich zu einigen anderen Bundesländern gut ausgebaut, aber es fehlen immer noch etliche Palliativteams und viele Palliativbetten. Insbesondere fehlt im Landeskrankenhaus Amstetten immer noch eine Palliativstation mit sechs Betten!

Tips: Was geschieht derzeit mit Palliativpatienten aus dem Einzugsgebiet Amstetten, die eine stationäre Aufnahme brauchen?

Steininger: Palliativpatient-Innen aus dem Einzugsgebiet Amstetten, die eine stationäre Aufnahme brauchen, müssen nach Scheibbs oder Oberösterreich ausweichen. Da Amstetten ein Schwerpunktkrankenhaus mit großem Einzugsgebiet ist (u.a. das gesamte untere Waldviertel), bedeutet das lange Anfahrtszeiten für die Betroffenen und deren Angehörige.

Tips: Sie kritisieren, dass bis jetzt keine konkreten Vorbereitungen für die für 2023 versprochene Schaffung von Palliativbetten im Mostviertel getroffen wurden. Welche Gründe sehen Sie für dieses Nicht-Handeln?

Steininger: Seitens des Landes haben wir die Mitteilung bekommen, dass die Verlagerung der Neurologie nach Amstetten bzw. nach Melk Vorrang hat und natürlich die Bewältigung der Pandemie, die nach wie vor eine täglich zu meisternde Herausforderung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist.Das kann aber nicht wirklich der Grund sein. Die sechs Palliativbetten im Landesklinikum Amstetten wurden schon im Oktober 2017 im neuen Niederösterreichischen Regionalen Strukturplan Gesundheit aufgenommen. Es gab also genug Zeit. Die Pandemie wird da als Ausrede benutzt: Natürlich verstehen wir, dass Covid-19 jetzt alle Kräfte überfordert. Hier rächt sich, dass das Gesundheitssystem und speziell die Krankenhäuser in NÖ die letzten 20 Jahre systematisch ausgehungert wurden. Es kann aber nicht sein, dass gerade die Patientengruppe, die die schlechteste Lobby hat, nämlich die unheilbar Kranken, darunter am meisten leidet.

Tips: Sie kritisieren, dass der Hospizförderverein Amstetten schon seit 20 Jahren eine Palliativ-Station für Amstetten gemäß der ÖBIG-Kriterien fordere, aber immer wieder mit leeren Versprechungen vertröstet werde. Warum wird dieses Anliegen seitens des Landes nicht ernst genommen?

Steininger: Es ist für mich leider überhaupt nicht nachvollziehbar. Unser Anliegen ist keine Spinnerei von uns, sondern entspricht eben den ÖBIG-Kriterien, wird auch vom Landesverband Hospiz NÖ unterstützt und der Bund fordert und fördert anlässlich der neuen Gesetzgebung zur Sterbeverfügung den flächendeckenden österreichweiten Ausbau der Palliativmedizin.

Tips: Inwiefern wirkt sich die – umstrittene – Verlegung der Neurologie von Mauer nach Amstetten bzw. nach Melk auf die Errichtung einer Palliativ-Station für Amstetten aus?

Steininger: Diese Verlegung kostet viel Zeit, Energie und Ressourcen, aber wäre grundsätzlich kein Hindernis für die Palliativstation.

Tips: Haben Sie auf Ihren offenen Brief schon eine Antwort bekommen?

Steininger: Ja, aber leider ist die Antwort äußerst unbefriedigend. Im Januar 2011 hat der damalige Landesrat Wolfgang Sobotka auf Anfrage bezüglich Palliativstation in Amstetten schon mal geschrieben: „Die Planungsarbeiten für die Planungsarbeiten sind voll im Gange, die Vorlage eines Zeitplanes kommt in den nächsten Monaten.“ Diesmal heißt es: „Der Standort Amstetten wurde ins Auge gefasst und aktuell werden im Zuge der Optimierung der Versorgungsstrukturen im Mostviertel die entsprechenden Ressourcen geprüft bzw. sichergestellt.“ Wir sind also überhaupt nicht weitergekommen.


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