„16 Tage gegen Gewalt an Frauen“

Michaela Aichinger Tips Redaktion Michaela Aichinger, 25.11.2022 19:57 Uhr

NÖ. Vom 25. November bis zum 10. Dezember finden jährlich die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Die Landesrätinnen Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) und Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) machten auf die Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten für betroffene Frauen in Niederösterreich aufmerksam. 

„Eigentlich wäre es besser, wenn wir diese Aktion nicht brauchen würden. Aber wir müssen weiter dringend Initiativen setzen, die auf Gewalt an Frauen aufmerksam machen“, sagte Christiane Teschl-Hofmeister und unterstrich: „2022 ist die Anzahl von Betretungs- und Annäherungsverboten in der Zeit von Jänner bis Oktober im Vergleichszeitraum des Vorjahres in Niederösterreich um neun Prozent angestiegen“. 2018 gab es österreichweit 41 Frauenmorde, derzeit sind es 28. „Es sind immer noch 28 zu viel. Aber der Trend geht schon bergab“, führte sie weiter aus. Man nutze diese „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ zum Auftakt am 25. November für eine regionale Vernetzungskonferenz zum Thema „Gewalt gegen Frauen“. Es sei dies die fünfte regionale Konferenz in diesem Jahr.

Zivilcourage zeigen

Abseits von dieser Konferenz gelte es für alle Landsleute aufmerksam zu sein, hinzuschauen, Zivilcourage zu zeigen und aufeinander aufzupassen. Darüber hinaus sei es wichtig, „die Finanzkraft, das Selbstbewusstsein und die Autonomie der Frauen zu stärken“, so Landesrätin Teschl-Hofmeister. Das Stärken der finanziellen Unabhängigkeit sei auch ein Mittel der Gewaltprävention. Laut einer aktuellen Umfrage „stimmen fast 93 Prozent der Befragten zu, dass die Berufswahl und viele Entscheidungen im Laufe des Berufslebens einen Einfluss darauf haben, wie es einem geht. 91 Prozent der Befragten stimmen der Aussage ‚es ist wichtiger, denn je, sich mit dem Umgang mit Geld auseinanderzusetzen‘ sehr zu beziehungsweise eher zu. Die Ergebnisse zeigen ganz deutlich, dass sich die Frauen sehr wohl um die Bedeutung der Finanzkompetenz bewusst sind“, sagte Teschl-Hofmeister. Die Ergebnisse bestärken die Landesrätin, dass man auf dem richtigen Weg sei, wenn es um die Themen der gezielten Berufsorientierung für Mädchen und junge Frauen, dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem Angebot zur Stärkung der Finanzkompetenz gehe.

Präventionsarbeit

Ein weiterer zentraler Punkt sei die Präventionsarbeit, einen wesentlichen Beitrag leisten hier die NÖ Frauen- und Mädchenberatungsstellen sowie das NÖ Gewaltschutzzentrum. Eine wichtige Drehscheibe in dieser Hinsicht sei auch die Fachstelle für Gewaltprävention des Landes NÖ. Zusätzlich sei laut der Landesrätin auch die Netzwerkarbeit über die entsprechenden Anlaufstellen und über Möglichkeit des Opferschutzes für Betroffene ein wichtiger Teil im Kampf gegen Gewalt an Frauen.

Thema öffentlich machen

Für Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig gelte es „hinzuschauen, aufzurütteln und jene Menschen mit dem Thema in Berührung zu bringen, die nicht davon betroffen sind oder sich mit dem Thema nicht beschäftigen wollen.“ Es sei ganz wichtig, das Thema anzusprechen und öffentlich zu machen, Frauen präventiv zu stärken und ganz besonders zu stärken, wenn sie schon in Gewaltbeziehungen leben. „Wir haben im vergangenen Jahr 2.367 Betretungsverbote gehabt. Das ist wirklich eine sehr hohe Anzahl und zeigt uns, dass es viele Frauen und Kinder gibt, die in Gewaltbeziehungen leben müssen. Deswegen müssen wir Frauen stärken, wenn sie in Gewaltbeziehungen leben.“ Da seien für Königsberger-Ludwig drei Punkte wichtig: „Erstens: Häusliche Gewalt ist nicht privat, häusliche Gewalt geht uns als Gesellschaft uns als Politik etwas an. Zweitens: Die Schuld liegt immer beim Täter. Es gibt keinen Grund, warum man Gewalt erleiden muss. Und der dritte Bereich ist, dass es immer Wege aus Gewaltbeziehungen gibt.“

Sechs Frauenhäuser in NÖ

In Niederösterreich gebe es im Moment sechs Frauenhäuser mit 58 Frauenplätzen, insgesamt stehen in Niederösterreich 145 Plätze für Frauen und deren Kinder zur Verfügung. „Wir haben im Bereich der Frauenhäuser einige sehr wichtige Dinge auf den Weg gebracht“, sagte Königsberger-Ludwig: „Erst seit eineinhalb Jahren können Hochrisikofrauen aus benachbarten Bundesländern in unseren Frauenhäusern aufgenommen werden. Es ist auch gelungen, die Finanzierung neu aufzustellen. Wir haben das Budget seit 2019 um knapp 600.000 Euro auf 2,8 Millionen Euro erhöhen können. Weiters haben wir eine Sofortmaßnahme mit 100.000 Euro für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen aufgestellt. Zudem können Frauen mit besonderem Aufenthaltstitel in Frauenhäuser aufgenommen werden.“ Im Bereich der Notwohnungen stehen 30 Frauenplätze zur Verfügung, 2021 waren 52 Frauen mit 19 Kindern untergebracht.

Drei Ziele

Abschließend formulierte die Landesrätin drei Ziele: Zum einen wolle man bauliche Qualitätskriterien für den Um- und Neubau von Frauenhäusern erarbeiten. Zum anderen wolle man die Lücke der Istanbul-Konvention schließen, die pro 10.000 Einwohner einen Frauenhausplatz vorsieht. Dazu fehlen im Moment 25 Plätze. Der letzte Punkt umfasse das selbstständige Leben von Frauen. „Dazu gehört auch leistbarer Wohnraum“, unterstrich sie. Probleme gebe es vor allem, wenn Frauen aus Frauenhäusern ausziehen und kein adäquater Wohnraum zur Verfügung stehe.

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