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Andorf. Im Gemeinderat ihrer Heimatgemeinde Andorf hat sie sich bereits Respekt verschafft. Jetzt will Veronika Hintermair das auch als Bezirkssprecherin der Grünen für Schärding und Ried schaffen. Im Wahlkampfteam von Rudi Anschober kämpft die 60-Jährige für einen Sitz der Grünen für das Innviertel im Landtag – mit dem Ziel, der Wählergruppe 50+ ein grünes Gesicht zu geben.

Veronika Hintermair setzt sich die für Rechte der Frauen ein.
Veronika Hintermair setzt sich die für Rechte der Frauen ein.
Tips: Sie könnten eigentlich schon Ihren wohlverdienten Ruhestand genießen und anderen die Politik überlassen. Veronika Hintermair: Mit dem Älterwerden gibt man Visionen und Ideale nicht auf. Im Gegenteil: Sie werden stärker. Für mich sind sie das Motiv, mich politisch zu engagieren. Mir ist es wichtig, dass die grüne Partei in den beiden Bezirken vertreten ist. Als Landtagskandidatin trete ich an, weil das Innviertel dort vertreten gehört. Tips: Von der Grünen-Ortsgruppe in Andorf zur Bezirkssprecherin – was verändert sich?Hintermair: Meine Wohngemeinde ist natürlich am wichtigsten. Darüber hinaus habe ich ein offenes Ohr für alle Grünen-Gemeindegruppen in beiden Bezirken. Es geht um Vernetzung und die Bearbeitung regionaler Themen.Tips: Gute Politik ist nahe am Menschen und konsequent an der Sache – so Ihr Motto. Hintermair: Das Motto nehm“ ich mir immer wieder zu Herzen. Nahe am Menschen bedeutet zu fragen: „Was bewegt dich?“, und dabei auch so ehrlich zu sein: „Wir können nicht alles sofort umsetzen, wie du es dir wünscht. So einfach, wie du es dir vorstellst, ist es oft nicht“. Ich übernehme gerne Verantwortung und möchte mich einbringen im besten Sinne. Tips: Wie wollen Sie Ihr Motto umsetzen? Hintermair: Wir machen Hausbesuche und laden die Menschen ein: „Sag uns, was du auf dem Herzen hast!“Tips: Was ist noch geplant? Hintermair: Nach wie vor werde ich mich für die Umsetzung des regionalen Verkehrskonzepts einsetzen. Wir verurteilen den Individualverkehr nicht, aber jeder soll auf das Öffi-System zurückgreifen können. Dann könnten sich viele Familien ein Zweitauto – Kosten 300 Euro im Monat – sparen. Mir ist klar, dass man Bäume nicht in den Himmel wachsen lassen kann, aber man kann Stück für Stück daran arbeiten. Ich wünsche mir eine Verteilung der Finanzmittel von unsinnigen Großprojekten hin zu Projekten, die die Region stärken. Wir verfolgen auch weiterhin das Programm der Energiewende. Viele Öko-Jobs sind damit verbunden, auch im Innviertel. Wir wünschen uns, in den Gemeinden mitarbeiten zu können, dass Betriebe sich ansiedeln, aber mit kritischem Auge auf die ökologischen Standards. Bei uns Grünen ist die Transparenz ein ganz wichtiger Punkt. Die sachliche Auseinandersetzung für das Gemeinwohl ist mir wichtig. Tips: Was verstehen Sie unter Gemeinwohl? Hintermair: Gemeinwohl heißt für mich, dass die gewählten Volksvertreter sich an den Interssen der Bürger orientieren, damit für das Leben und das Wirtschaften einer Gemeinde das Beste herauskommt. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als mehr Bürgerbeteiligung. Schimpfen allein reicht nicht. Die Menschen sind schon sehr politikverdrossen. An manchen Stammtischen herrschen die Aggressiv-Depressiven. Zuerst wird geschimpft, dann verfällt man in lähmende Schwermut. Das ist nicht konstruktiv. Tips: Wofür schlägt Ihr grünes Herz besonders stark?Hintermair: Mein grünes Herz ist groß. Besonders schlägt es aber für Frauen, weil Frauen seit Jahrhunderten einen großen volkswirtschaftlichen Anteil am Reichtum Österreichs haben. Arbeit, Wohnen und ein gerechtes Einkommen, um das zu viele Frauen letztendlich im Alter betrogen werden, müssen für sie gesichert werden. Frauen mit 55+ gehören mittlerweile zur Risikogruppe. Man schickt sie in die Arbeitslosigkeit und nennt es vorzeitigen Ruhestand. Frauen sind durch verschiedene Umstände wirtschaftlich angewiesen auf ihren Ernährer. Es geht darum, eine praxistaugliche Vereinbarung zum Teilen der Verantwortung zu finden. Da fehlt mir das Mitwirken der Wirtschaft.Tips: Was ärgert Sie? Hintermair: Wenn ich sehe, wie männerdominiert politische Entscheidungen sind. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung sind Frauen, in den Gemeindeparlamenten wird dieser Frauenanteil nicht repräsentiert. Es wird oft über die Grünen geschimpft, sie seien eine Weiberpartei. Fakt ist, dass der Anteil an Männern und Frauen halb-halb ist.SteckbriefPolitische Tätigkeit: Seit der Gründung der Grünen-Ortsgruppe in Andorf 2009 ist Veronika Hintermair im Bezirksvorstand tätig und Ersatzgemeinderätin in Andorf. Schon vorher hat sie sich für ihre Ideale stark gemacht:   • Als Bürgerin hat sie sich in einer Elterngruppe erfolgreich für die Errichtung eines Kindergartens eingesetzt. • Sie ist schon lange als Kämpferin gegen Atomenergie und für den Schutz von Lebensmitteln und Ernährungssicherheit unterwegs. • Frauenrechte waren ihr schon als junge Frau ein wichtiges Anliegen, immer mit Bezug auf das gemeinsame Leben mit Männern. „Ich bin keine frustrierte Emanze“, sagt sie. • Unterstützerin von NGOs und Demonstrantin steht in ihrem Lebenslauf. • Als verkappte Bäuerin ist ihr die regionale Kreislaufwirtschaft wichtig. „Ich freu“ mich, dass der Andorfer Bauernmarkt so gut funktioniert als Pendent zu den mächtigen Konzernen“, so Hintermair.