Piltoprojekt in Bad Großpertholz: Magerrasen und Arnika im Fokus
BAD GROSSPERTHOLZ. Das Büro für Biologie und Ökologie Axel Schmidt und der Naturschutzbund NÖ machten sich in Bad Großpertholz auf die Suche nach bunten, blütenreichen Wiesen und der Heilpflanze Arnika. Im Rahmen des Projektes „Magerrasen in Bad Großpertholz“, einem Pilotprojekt des Schutzgebietsnetzwerkes Waldviertel, gingen sie der Frage nach, wie es den Grundeigentümern gelingt, die wertvollen Magerrasen zu erhalten.

Aus der Gemeinde Bad Großpertholz waren 345 Hinweise auf das Vorkommen von wertvollen Magerrasen bekannt. Axel Schmidt besuchte die Flächen und machte sich ein Bild über deren naturschutzfachlichen Wert, wie sie bewirtschaftet werden, ob es einen Handlungsbedarf gibt, um sie zu erhalten, und vieles mehr. Zusätzlich zu den 345 vorhandenen Hinweisen entdeckte erweitere 91 Standorte. Das Ergebnis: Die Wiesen auf den trockenen Standorten sind nach wie vorsehr artenreich, da sie nicht gedüngt und regelmäßig ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden.Etwas anders war die Lage bei den Magerrasen auf feuchten Standorten. Das Ziehen von Gräben und die Entwässerung der Flächen ermöglichten eine Intensivierung der Bewirtschaftung. Obwohl die Wiesen heute noch recht bunt und artenreich sind (die Drainagierung ist noch nicht so lange her), ist es eine Frage der Zeit, bis die besonderen und selten Pflanzenarten und mit ihnen die Insektenarten verschwinden werden. Ähnlich bei kleinen, steilen Wiesen, die nicht mehr genutzt werden und damit verbrachen und zuwachsen. Erfreulicherweise ist die Aufforstung von Wiesen kein sehr großes Thema in der Gemeinde.
Ungewisse Zukunft für zahlreiche Wiesen
Das Projektteam stellte jedoch fest, dass die Wiesen, die heute noch zahlreiche besondere Pflanzen und Tierarten beherbergen, von zum Teil älteren Leuten in mancher Hinsicht auch als Liebhaberei gemäht werden. Alleine deswegen tauchte die Frage auf, wie und wer sich in weiterer Zukunft der Wiesen annehmen wird, wenn es diesen Landwirten nicht mehr möglich sein wird, dies zu tun.
Um die mageren Wiesen zu erhalten, sollten sie ein- bis zweimal im Jahr und zwar spät gemäht,feuchte Wiesen nicht entwässert werden. Damit zeigt sich auch gleich die große Herausforderung.Diese Art und Weise der Bewirtschaftung ist trotz Unterstützung aus Agrarförderprogrammen nicht mehr machbar. Denn heute müssen wenige Landwirte immer mehr Flächen in der gleichen Zeit bearbeiten, um positiv wirtschaften zu können.
Eine weitere Erkenntnis des Projektteams war, dass 38 der 436 kartierten Wiesen aufgrund der fehlenden Nutzung verloren gegangen sind. Sie sind verbracht und teilweise bereits mit Büschen bestanden. Für einige dieser Brachen versucht das Projektteam nun Bewirtschafter zu finden, damit sie wieder als Wiese genutzt werden können.
Die Arnika, ein Charakter der Magerrasen
Die Arnika ist eine Charakterart der Magerrasen in Bad Großpertholz. Die gelb blühende und sehr wohlriechende Pflanze ist als Heilkraut bekannt (Stichwort Arnikaschnaps zum Einreiben). Im Rahmen von Interviews fragte das Projektteam, ob die Leute die Pflanze und ihre heilende Wirkung kennen und auch nutzen. Und es stellte sich heraus, dass die Wirkung der Arnika sehr wohl bekannt ist und die Art auch nach wie vor selbst als Heilkraut genutzt wird. Die Interviewten sagten, dass die Arnika wieder zunehme, da inzwischen die Magerwiesen, die es heute noch gibt,weniger oft gemäht werden wie noch vor 20 bis 30 Jahren. Früher gab es weniger Grünland und jeder Fleck wurde genutzt. Heute sei das nicht mehr so. Einige der interviewten Personen beklagten noch, dass Unbekannte des Öfteren vorbeikommen und die Arnika in großen Mengen ausreißen, ausgraben und mitnehmen.
Wertvolle Natur- und kleinstrukturierte Kulturlandschaft
Die Marktgemeinde Bad Großpertholz ist eine jener Waldviertler Gemeinden, in denen sowohl eine wertvolle Naturlandschaft mit Hoch- und Übergangsmooren als auch eine traditionelle kleinstrukturierte Kulturlandschaft mit artenreichen Wiesen, Stufenrainen und Büheln bis heute erhalten geblieben ist. Der Ökologe Mag. Axel Schmidt betont: „Diese Schätze auch in Zukunft zu erhalten, ist nicht nur ein großes Anliegen des Naturschutzes. Sie sind eine wichtige natürliche Ressource für die Lebensqualität der heimischen Bevölkerung, für einen nachhaltigen Naturtourismus und somit Grundlage und Schlüssel für eine positive Regionalentwicklung und dauerhafte Stärkung der Gemeinde.“


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