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Engagiert für Asylwerber: "Wir quatschen viel und unternehmen etwas miteinander"

Angelika Hollnbuchner, 07.10.2015 10:04

BAD HALL. Im Kurort sind seit Februar Asylwerber u.a. aus Syrien und Afghanistan untergebracht. Eine stetig wachsende Gruppe Engagierter rund um Pastoralassistentin Elisabeth Seidlmann bemüht sich darum, ihnen den Alltag in der Fremde zu erleichtern. Mit dabei ist die Physiotherapeutin Michaela Schnellnberger.

Jüngste Teambesprechung von Ehrenamtlichen: Viele Bad Haller möchten sich in der Asylwerber-Begleitung aktiv einbringen.

In Gruppen organisiert, sammeln die bislang mehr als 25 Freiwilligen in Bad Hall fehlende Kleidergrößen für ankommende Flüchtlinge, kümmern sich um günstige Einkaufsgelegenheiten für Lebensmittel und pauken mit ihnen Deutsch - fünf Mal die Woche. Das kürzlich noch 26 Asylwerber zählende Bad Hall wird bis Mitte Oktober 36 beheimaten. Betreuer sind Volkshilfe und Diakonie. Für die neuen Ankömmlinge werden von Ehrenamtlichen neue Deutschkurse gestartet, damit zwei Sprachniveaus bedient werden können. Daneben geht es aber auch darum, die im Pfarrhof und im ehemaligen Hotel Elise untergebrachten Menschen im Alltag zu unterstützen. Michaela Schnellnberger ist Ansprechperson der Gruppe Freizeit und Beschäftigung: „Wir zeigen den Männern das Wäschewaschen und wie man bei uns Müll trennt, wie man kocht und putzt“, erzählt sie. Die monatlich 10 Euro Freizeitgeld - sie werden nicht ausbezahlt - werden für verschiedenste Aktivitäten eingesetzt, ob im Ort oder anderswo: „Wir waren schon im Ars Electronica Center, beim Pflasterspektakel, am See baden, Billard spielen und - weil auch Kleinkinder da sind - im Tierpark“, erzählt sie. Bad Haller würden Asylwerber sogar spontan auf Ausflüge mitnehmen. „Wir nehmen uns auch einfach Zeit zum Reden“, so Schnellnberger über ihre Gruppe, „zuletzt etwa über die Wahlen. Da kamen Fragen, z. B. wer ist Josef Pühringer und nach der Wahl ob unser Bürgermeister noch Chef ist.“ Aber auch schwierige Themen sind dabei: „Eine Herausforderung für uns ist, wenn es um traumatische Erlebnisse geht. Da merken wir einfach, dass wir mehr Fachkenntnisse in sozialer Arbeit bräuchten.“

Neuanfang in Sicherheit

Die Flüchtlinge haben allesamt große Strapazen auf sich genommen, um von zuhause fortzugehen. Dass der 26-jährige aus Afghanistan geflüchtete Gipser und Teppichknüpfer M. jetzt im Volleyballverein von Bad Hall mitspielt, dem geht eine gefahrenvolle monatelange Reise voraus - u.a. 16-stündige Fußmärsche über die Berge der Türkei oder die Überfahrt nach Griechenland in einem völlig überfüllten Kleinboot. Der junge Polizist I. aus Afghanistan ließ seine zwei Brüder zurück, weil ihm die Taliban vorwarfen, für die US-Streitkräfte zu arbeiten. Die Taliban setzten ihn vor die Wahl: die Seite wechseln oder sterben. Nach einem Monat mit schweren Messerverletzungen im Krankenhaus brachte er seine Brüder beim Onkel unter und floh. Seit Wochen hat er nichts mehr von ihnen gehört. „Alles ist zerstört. Jeder der kann, geht fort“, erzählen er und seine Landsleute.

Ihr sehnlichster Wunsch ist ein Neuanfang in Frieden, auch für ihre Familien. Für die freundliche Aufnahme in Bad Hall sind sie dankbar.

Wer mithelfen möchte, kann das in verschiedensten Bereichen. Dringend gebraucht werden zusätzliche Deutschlehrer. Kontakt: elisabeth.seidlmann@dioezese-linz.at, Tel. 0676/87766289


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