Interview: Verantwortung heißt auch, umstrittene Schritte zu setzen
BAD ISCHL. Ines Schiller – seit 100 Tagen Bürgermeisterin von Bad Ischl – im Gespräch über ihre bisherige Amtszeit, die Corona-Krise und die Zukunftsperspektiven der Kaiserstadt.

Vor mittlerweile 100 Tagen haben Sie den Chefsessel der Kaiserstadt Bad Ischl übernommen, wie sieht ihre erste Zwischenbilanz aus?
Ines Schiller: Von meinen ersten hundert Tagen als Bürgermeisterin waren fast 50 von der Corona-Krise geprägt. Wer in die Politik geht und Verantwortung übernimmt, ist auf Herausforderungen eingestellt. Diese Situation ist aber in ihrer Dramatik eine einzigartige. Es gibt keinerlei Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen könnte. Mir ist es ein großes Anliegen, dass die Bürger verstehen, warum die drastischen Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und das Tragen von Masken notwendig sind. Die Ischler halten sich vorbildlich daran und zeigen damit großes Verantwortungsgefühl. Die Solidarität füreinander macht mich stolz und ich bin jedem Einzelnen für seinen Einsatz dankbar. Ich bin überzeugt, dass dieses Miteinander die Krise überdauern wird und wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen wird.
Welche Sofortmaßnahmen wurden in Bad Ischl zum Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus gesetzt?
Ines Schiller: Wir haben die Bevölkerung umgehend informiert und Sofortmaßnahmen beschlossen und eingeleitet. So wurden im ersten Schritt Spiel- und Sportplätze geschlossen, ein Einkaufsdienst für ältere Personen und Risikogruppen gemeinsam mit dem Samariterbund ins Leben gerufen und Eltern, was die Kinderbetreuung betrifft, unterstützt. Wir garantieren die Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern mit einem Journaldienst und schreiben die bisher bezahlten Gebühren, wie etwa Essensgeld, gut. Der Beschluss, den traditionellen Bad Ischler Wochenmarkt bis auf Weiteres auszusetzen, war umstritten. Aber Verantwortung heißt eben auch, umstrittene Schritte zu setzen. Zum Glück sind wir mit dieser Vorgehensweise auf überwiegendes Verständnis in der Bevölkerung gestoßen.
Mit welchen Problemen und Anliegen kommen die Menschen in dieser schwierigen Situation vorwiegend auf Sie als Bürgermeisterin zu?
Ines Schiller: Die derzeitige Situation verschärft die Lage für Menschen in ohnehin schon existenziellen Problemen noch zusätzlich. Durch krisenbedingte Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit geraten aber immer mehr Menschen in diese Situation. Für sie zählt jeder Cent. Sie sehen sich in ihrer Existenz bedroht und blicken in eine ungewisse Zukunft. Viele können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen und wenden sich daher Hilfe suchend an die Sozialabteilung der Stadt oder direkt an mich als Bürgermeisterin. Sie bestmöglich zu unterstützen ist mir als Sozialdemokratin natürlich oberstes Ziel. Meine Mitarbeiter helfen bei Anträgen um finanzielle Unterstützung und stellen den Kontakt zu Behörden und Einrichtungen her. Wir bieten zudem kostenlose Lebensmittelausgaben an.
Noch ein Ausblick in die Zukunft. Welche Projekte stehen in Bad Ischl auf der Agenda und inwieweit wird die Corona-Krise in der Gesellschaft Nachwirkung zeigen?
Ines Schiller: Die Corona-Krise wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Mir macht vor allem die dramatisch ansteigende Zahl an Arbeitslosen Sorge. Um diese in den Griff zu bekommen, müssen wir u.a. unsere heimische Wirtschaft, die Arbeitsplätze in der Region garantiert, unterstützen. Daher: Sei loyal, kauf lokal! Zu den laufenden Projekten: Die Arbeiten zur Erweiterung der Volksschule Pfandl werden bis zum Sommer abgeschlossen sein. Der Finanzierungsplan zur Realisierung des Schulzentrums am ehemaligen Kreuzschwesternareal ist fertiggestellt. Die Planungen rund um den Neubau der Tennishalle sind abgeschlossen und noch vor dem Sommer wird man mit der Errichtung beginnen. Somit steht einem Spielbetrieb für den Winter 2020/2021 nichts im Wege. Die Sanierung der Sportstätten in Kaltenbach und der Steinschlagschutz in Lauffen stehen auf der Agenda. Die Subventionen für Vereine und Feuerwehren sind beschlossen. Mit den Vorbereitungen für die Kulturhauptstadt 2024 wurde schon begonnen. Bereits jetzt nehmen wir die positiven Effekte z.B. in Form von Investitionen wahr. Diese werden sich nicht nur positiv auf die Tourismusbranche auswirken, sondern allen Ischlern ihre gewohnt hohe Lebensqualität sichern.


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