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Erste Primärversorgungseinheit Niederösterreichs eröffnet in Böheimkirchen

Thomas Lettner, 09.08.2018 11:06

BÖHEIMKIRCHEN. Am 1. Oktober öffnet in Böheimkirchen Niederösterreichs erste Primärversorgungseinheit (PVE) ihre Tore. Aus diesem Anlass wurde gestern im Rahmen eines Pressegesprächs die neue Einrichtung vor Ort vorgestellt und Einblick in ihr künftiges Gesundheitsangebot gegeben.

(v.l.) Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Erwin Hayden-Hohmann, Dr. Christoph Powondra und Bürgermeister Johann HellFoto: Herbert Käfer

Der Start der PVE werde in Böheimkirchen eine neue Ära in der medizinischen Gesundheitsversorgung im Bundesland einläuten, meinte NÖ Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Bis 2021 seien in ganz Österreich 75 derartige Zentren geplant, alleine 14 in Niederösterreich. „Die verbesserte Primärversorgung wird neue Maßstäbe setzen, die Ambulanzen entlasten und vor allem den Menschen vor Ort eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung bieten.“ Besonders der multidisziplinäre Ansatz werde künftig bei einem Hausarztbesuch eine breite Palette von medizinischen Fachbereichen bis hin zur Sozialarbeit anbieten, erklärte Königsberger-Ludwig. „Unterm Strich wird das neue System einen einfachen Zugang zur medizinischen Versorgung sicherstellen. Es ist außerdem eine gute Ergänzung zum bewährten Hausarztsystem und entspricht der Arbeitswelt der jungen Ärzte“, so die Landesrätin.

55 Stunden geöffnet

In der 5.000 Einwohner starken Marktgemeinde Böheimkirchen sind derzeit schon zwei Planstellen für Allgemeinmedizin in eine Gruppenpraxis zusammengeführt. Mit Start der PVE Anfang Oktober wird in der Folge ein zusätzlicher Mediziner zur Verfügung stehen. Zudem soll das Kernteam durch eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegekraft sowie Ordinationsassistenten ergänzt werden. Als Mitglieder des erweiterten Teams sind Physio- beziehungsweise Sportphysiotherapeuten, Psychotherapeuten, Diätologen sowie gegebenenfalls eine Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde vorgesehen. Des Weiteren wird ein Sozialarbeiter dem Team angehören, beinhalten doch gesundheitliche Themenstellungen oft auch einen sozialen Aspekt. Außerdem werden die Öffnungszeiten auf 55 Wochenstunden ausgebaut sowie ein telefonischer Bereitschaftsdienst im Ausmaß von fünf Stunden eingerichtet.

Neue Rundum-Versorgung

Böheimkirchens Bürgermeister Johann Hell (SPÖ) zeigte sich erfreut, dass seine Gemeinde als Standort für eine PVE ausgewählt worden ist. Er sei stolz, dass das erste Gesundheitszentrum den Betrieb in seiner Heimatgemeinde aufnehme. Mit dem „Gesundheitshaus“ stehe jedenfalls ein entsprechendes Gebäude bereit, um die neue Rundum-Versorgung zu ermöglichen. „Schon bisher konnten die Menschen in Böheimkirchen von den Vorteilen einer Gruppenpraxis profitieren. Durch die PVE wird aber das Angebot deutlich erweitert und somit ein wichtiger Impuls im Gesundheitsbereich für die Menschen in und um Böheimkirchen gesetzt“, meinte Hell.

Enge interdisziplinäre Zusammenarbeit

Für Christoph Powondra, Arzt und Gesellschafter der neuen Primärversorgungseinheit, liegen vor allem in der Möglichkeit der engen interdisziplinären Zusammenarbeit innerhalb der Primärversorgungseinheit eine interessante Aufgabe und große Chance. „Das Zusammenwirken der Allgemeinmedizin mit anderen Gesundheitsberufen unter einem Dach wird ein verbessertes Patientenservice ermöglichen und die umfassende Versorgung, beginnend von der medizinischen Diagnostik bis zur Behandlung und von der Betreuung chronisch kranker Menschen bis hin zur Gesundheitsförderung, stärken“, so Powondra.

Jolly Joker-Funktion

Als „Meilenstein“ bezeichnet Sozialarbeiter und künftiges Teammitglied Erwin Hayden-Hohmann die Einbeziehung der sozialarbeiterischen Komponente in das multiprofessionelle Team. Soziale Arbeit übe in vielen Fällen eine Art „Jolly Joker-Funktion“ in der Gesundheit aus. Sie versuche dort professionell Unterstützung und Hilfe zu geben, wo andere Disziplinen an ihre Grenzen stoßen würden, so Hayden-Hohmann: „Die enge Kooperation zwischen „Medizin“ und „Sozialer Arbeit“ wird helfen, schwierige Lebenslagen zu identifizieren, bevor sie sich gesundheitlich manifestieren und chronisch werden.“


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