Wolfgang Grabensteiner kehrt von der Polit-Bühne zur Kirche zurück
BÖHEIMKIRCHEN. Der Böheimkirchner Wolfgang Grabensteiner, ehemaliger NÖ Landessprecher des Liberalen Forums und zuletzt Spitzenkandidat der NEOS bei der St. Pöltner Gemeinderatswahl, wurde im Mai zum Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche St. Pölten beauftragt. Der 51-Jährige, der diesen Titel schon in den 90ern trug, kehrt damit zu seinen Wurzeln zurück.

Religion spielte in Grabensteiners Leben schon immer eine große Rolle. In der Jugend war er Ministrantenführer und Jungscharleiter in der römisch-katholischen Kirche. Nach der Matura und einem kurzen Abstecher in die Welt der Wirtschaft begann Grabensteiner Theologie und Religionspädagogik an der Philosophisch-theologischen Hochschule St. Pölten zu studieren und engagierte sich in seiner Heimatgemeinde Böheimkirchen als auch auf Diözesanebene. Einer seiner Studienkollegen damals war der heutige Weihbischof Anton Leichtfried.
Unstimmigkeiten mit der römisch-katholischen Kirche
„Als liberal denkender Mensch haben manche meiner Vorstellungen nicht mit denen der römisch-katholischen Kirche übereingestimmt“, erklärt Grabensteiner, warum er sich religiös umorientierte und sich schließlich der Evangelisch-methodistischen Kirche anschloss. Grabensteiner missfiel unter anderem die Ungleichstellung von Mann und Frau in der römisch-katholischen Kirche, ihre undemokratische Entscheidungsfindung sowie die seiner Meinung nach gottähnliche Führungsposition des Papstes. Auch die Heiligenverehrung fand er in ihrer Form übertrieben.
Spitzenkandidat der NEOS
1996 wurde Grabensteiner zum ersten Mal als Pastor für St. Pölten beauftragt. Ende der 90er Jahre fasste er jedoch den Entschluss, in die Politik zu wechseln. „Ich wollte nicht Vollzeit als Prediger in der Kirche angestellt sein. Einer der wichtigsten Gründe war aber, den Siegeszug der damaligen FPÖ zu stoppen oder zu verlangsamen“, berichtet Grabensteiner. 2001 beendete der bekennende Heide Schmidt-Fan seine Tätigkeit als Pastor und schloss sich dem Liberalen Forum (LIF) an. 2008 kandidierte er für die Partei bei der Nationalratswahl und war der letzte LIF-Landessprecher vor der Fusion mit NEOS im Jahr 2014. Bei den Landtagswahlen 2013 war Grabensteiner Teil eines unabhängigen Personenkomitees von Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll. Bei den vergangenen Gemeinderatswahlen beriet Grabensteiner die NEOS-Kandidaten Niederösterreichs im Wahlkampf. Er selbst ging in St. Pölten als Spitzenkandidat ins Rennen, erhielt aber mit 1,6 Prozent kein Mandat.
Bessere Kommunikation zwischen Christen und Muslimen
Grabensteiners Hauptziel als Pastor ist es, sich für die Kommunikation zwischen den Religionen und den Kirchen zu engagieren. Vor seinem Antritt absolvierte er daher die Weiterbildung „Theologie im christlich-islamischen Gespräch“. „Es geht mir vor allem darum, die Kommunikation zwischen Muslimen und Christen zu verbessern und die fürchterlichen Vorurteile, die es auf beiden Seiten gibt, abzubauen“, so Grabensteiner, der seit 1997 auch als Pädagogischer Leiter mehrerer Jugendqualifizierungsprojekte im WIFI NÖ arbeitet und viel mit Jugendlichen zu tun hat. Da Grabensteiner überzeugt ist, dass er diesbezüglich als Pastor mehr erreichen kann als auf politischer Ebene, ist für ihn eine Rückkehr in die Politik ausgeschlossen. Den NEOS oder anderen Parteien als Berater zur Seite stehen, könne er sich aber vorstellen.


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