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Leserbrief des Vereins Frauenhaus zur aktuellen Debatte

Symbolbild: Antonio Guillem/Shutterstock.com
Symbolbild: Antonio Guillem/Shutterstock.com

Derzeit beschäftigt sich die lokale Öffentlichkeit mit dem Thema „Frauenhaus Braunau“, da es nach einem Jahrzehnt an beharrlichen Bemühungen durch Mitglieder des Vereins „Frauenhaus Braunau“ grünes Licht von Seiten der Landesregierung OÖ gibt und ein Grundstück zu dessen Errichtung von der Gemeinde Braunau zur Verfügung gestellt wird.Nun möchten wir vom „Verein Frauenhaus“ uns zu Wort melden und unser Erstaunen über die polarisierende Darstellung dieses Themas durch Mitglieder der Grünen Partei Braunaus zum Ausdruck zu bringen, zumal das Thema „Frauenhäuser“ bundesweit auch ein „grünes“ Thema ist und uns eigentlich einen und nicht entzweien sollte. Gerade aus dieser Ecke hätte man sich kein Veto erwartet.Es stimmt, dass es bei der Errichtung des Frauenhauses zu einer weiteren Versiegelung einer Grünfläche kommt, wie bei jedem Eigenheim und Bauvorhaben. Dass gerade beim Bau des Frauenhauses, eines Sozialprojekts, nun der Stopp erfolgen soll, zumal dabei auf den Erhalt des alten Baumbestandes (2 Bäume) Rücksicht genommen werden soll, mutet befremdlich an. Es gibt sehr viele Gebäude, die auf der grünen Wiese stehen, auch private, und in denen viel weniger Menschen leben. Wir möchten dabei auf die jüngste rege Bautätigkeit in Braunau hinweisen.Beim zitierten „offenen Frauenhaus-Konzept“ handelt sich wohl eher um sog. Frauennotwohnungen, die die zweite Phase der Betreuung einer der häuslichen Gewalt ausgesetzten Familie darstellt, nachdem es zur Deeskalation gekommen ist. Diese Idee kommt zudem sehr spät, zehn Jahre nachdem man an der Realisierung des „Frauenhauses“ zu arbeiten begonnen hat.Fest steht aber, dass Mauern auch schützen können, so wie auch andere notwendige Sicherheitsvorkehrungen. Die Bewohnerinnen eines Frauenhauses werden nicht weggesperrt, sondern können je nach Maßgabe ihrer Lebenssituation am sozialen Leben teilhaben. Deshalb bedarf es auch des Zugangs zu Bushaltestellen, Arzt, Schule und Einkaufsmöglichkeiten und damit eignet sich nicht jedes Grundstück.Die Scham darüber, in solchen missbrauchenden Verhältnissen zu leben, entsteht übrigens nicht durch die Unterbringung in einem Frauenhaus, sondern wohl durch die soziale Ächtung der familiären Verhältnisse! Armut und Gewalt diskriminieren die Betroffenen und lassen sie nicht teilhaben an den Werten, am Wohlstand und dem Sozialleben der Bürger und Bürgerinnen.Das Prinzip „Frauenhaus“ hat sich in jahrzehntelanger Erfahrung der dort Tätigen als erfolgreich erwiesen. „Die Schutzfunktion, die ein Frauenhaus bietet, kann absolut nicht ersetzt werden!“, so die Einschätzung einer Expertin, die in einem österreichischen Frauenhaus tätig ist.Die Erfahrung zeigt, dass MitbewohnerInnen einer Wohnanlage sehr oft wegschauen (müssen), wenn es zu eskalierenden Situationen in Familien kommt. Die Einwände von MitbewohnerInnen einer Wohnanlage würden ebenso groß sein wie die Einwände so mancher UnterzeichnerInnen gegen das geplante Projekt. Verständlicherweise wehren wir uns gegen Situationen, die uns in unseren Alltagstätigkeiten stören (können). Es kann und darf aber nicht in der Verantwortung von Nachbarn liegen, die Sicherheit der von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kindern zu übernehmen und zu gewährleisten. Zugegeben, es wäre uns lieber, wenn es keine Frauenhäuser bräuchte, aber so uns das Schicksal jener Kinder und Frauen, die in diesen missbräuchlichen Verhältnissen leben müssen, nicht egal ist (und es sind bei Gott nicht nur Nicht-Österreicherinnen, die betroffen sind), müssen wir auch Strukturen schaffen, die sich in der Betreuung von durch Missbrauch und Gewalt betroffenen Frauen und Kindern als zuallererst hilfreich und notwendig herausgestellt haben. Im Sinne einer Ersthelferfunktion geht es primär um Schutz und Zuflucht, sowie deren Gewährleistung – Rahmenbedingungen, die so nur ein geschlossenes Frauenhaus bieten kann.Und genau dafür arbeiten wir im Verein, nicht zum Selbstzweck! Wir möchten mit dem Frauenhaus (6 kleine Wohneinheiten) einen wirksamen Schutzschild für bedrängte Frauen und Kinder errichten, und somit für Braunau etwas schaffen, das für Ried und andere Städte schon lange Realität ist.Wir, die wir täglich in die heile Welt unserer Häuser (auch das sind versiegelte Flächen) mit unseren Comfort-Zonen heimkehren, sollten froh und dankbar sein, dass wir uns über eine Unterbringung in einem Frauenhaus keine Gedanken machen müssen. Wir überlegen hingegen gerade, ob wir und unsere Kinder nicht vielleicht doch „traumatisiert“ davon sind, dass wir in Corona-Zeiten unsere Freunde und Verwandten nicht treffen, uns im Freien nicht frei bewegen und auch keine Reisen unternehmen konnten und können und vieles andere mehr. Wir haben längst den Boden der rauen Realität jener vergessen, denen der Sturm der Gewalt, des materiellen und ideellen Mangels, täglich um die Ohren weht, auch in Zeiten von Corona. 


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Frank Wimberger
Frank Wimberger
10.10.2020 11:16

Frauenhaus der Verantwortung

Auch die Bezirksstadt Braunau hat eine Verantwortung, gegenüber den Gewalt betroffenen Frauen. Hr. Maislinger hat Recht, Braunau braucht ein Frauenhaus der Verantwortung, sobald wie möglich.