Wirte im Bezirk: „Es gibt derzeit wenig Perspektive“
BEZIRK BRAUNAU. Nach der erneuten Verlängerung des Lockdowns ist die Lage im Gastgewerbe mehr als angespannt. Viele Wirte und Hotelbetreiber des Bezirks wünschen sich von der Regierung vor allem Planungssicherheit und konkrete Aussagen.

„Die Situation derzeit ist sehr ungewiss und es gibt wenig Perspektive, wie es weitergeht. Dabei würde sich jeder aufs Aufsperren freuen - natürlich unter brauchbaren Bedingungen“, sagt Bezirkswirtesprecher Herbert Karer.
Dass die Gastronomie an den vielen Infektionen Schuld hat, glaubt Regina Vitzthum-Maier vom Braugasthof Vitzthum in Uttendorf nicht: „Wir haben im Vorfeld sehr viele Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt und kennen keinen einzigen Fall, wo sich jemand bei uns angesteckt hat. Wir schauen auch, dass alle Regeln eingehalten werden.“
Auch für Franz Dafner vom Gasthof Dafner ist es nicht ganz nachvollziehbar, warum das Essengehen nicht möglich sein sollte: „Man bräuchte einen gesunden Mittelweg und Rahmenbedingungen, die für uns sinnvoll und wirtschaftlich sind.“
Bürokratische Hürden
Zwar gibt es finanzielle Hilfen, doch für einige reichen diese nicht. Zudem gibt es viele bürokratische Hürden, wie Vitzthum-Maier berichtet: „Es ist alles sehr mühsam und man hat keine Sicherheit, ob man eine Unterstützung bekommt. Die Beantwortung eines Mails dauert drei bis vier Wochen. Bei jeder Förderung gibt es tausende Ausnahmen, die immer wieder geändert werden.“
Eva Bauer-Achatz vom Landhotel Moorhof in Franking erzählt, dass die Unterstützungen zudem erst sehr spät ankommen: „Und die aktuellen Hilfen für 2021 klingen vermutlich besser, als sie es tatsächlich sind. Kredite und Vorschüsse sind kein Ersatz.“
Was die Stimmung unter den Wirten betrifft, so gehen die Meinungen zu den Maßnahmen auseinander. Bei manchen habe sich die Frustration auch schon in Resignation verwandelt, so Karer: „Wir können gerade nicht wirklich viel tun. Nach und nach hatten wir immer weniger Möglichkeiten. Jetzt sagt jeder: Hoffentlich geht es bald vorbei.“
Klare Ansagen erforderlich
Vonseiten der Regierung sei es nun wichtig, rasch und klar zu handeln. Besonders gefordert ist jetzt eine Planungssicherheit, da sind sich die Wirte und Hotelbetreiber einig. „Ständig müssen Reservierungen umgebucht werden. Vor allem ist es auch sehr schlecht, dass unsere Mitarbeiter seit Monaten mehr oder weniger zu Hause verbringen“, sagt Bauer-Achatz.
„Es ist entscheidend, dass die Maßnahmen zügig transportiert werden“ betont Karer. „Es geht jetzt um die Frage: Wie geht es weiter? Man braucht jetzt wieder einen Schwung und wir hoffen, dass spätestens nach Ostern wieder ein halbwegs normales Geschäft möglich ist. Man hat letzten Sommer deutlich gesehen, dass die Leute wieder gerne ins Wirtshaus gehen, weil ihnen das einfach abgeht.“
Erfindungsreichtum gefragt
Viele nutzen die Zeit jetzt, um Renovierungsarbeiten zu erledigen oder neue Angebote und Geschäftsfelder zu entwickeln. „Wir haben eine spezielle Abholkarte gemacht und auch eine eigene Burgerkarte entwickelt. Wir hätten auch für das ganze Jahr bereits Veranstaltungen geplant“, berichtet Vitzthum-Maier.
„Unser Gansl to go im November und Dezember lief hervorragend“, sagt Bauer-Achatz. „In Corona Zeiten ist unser „Frühstück a la carte“ entstanden, das super angenommen wurde und wir auf jeden Fall weitermachen. Auch im Hotelbereich hat sich im Jahr 2020 vieles verändert, da wir wieder eine ganz neue Gästestruktur bei uns aufbauen konnten. Es sind schon so manche neue Ideen in Planung.“
Der Liefer- und Abholservice funktioniert bei manchen mehr, bei anderen weniger. Bei größeren Gasthäusern sind die Einnahmen aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Zumindest haben wir treue Kunden, die den Abholservice nutzen“, sagt Vitzthum-Maier. „Man ist um alles froh, was wir machen können und haben das Gefühl, dass die Bevölkerung hinter uns steht,“ so der Wirtesprecher.


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